Medienwandel: Großdruckerei schließt

Weil die Auflagen von Magazinen und Katalogen zurückgehen, macht nächstes Jahr der Konzern Prinovis sein Druck-Werk in Itzehoe dicht. 1.100 Jobs fallen weg.

Nicht mehr ausgelastet: Prinovis Tiefdruck-Druckerei. Bild: dpa

Itzehoes Bürgermeister wusste es als erster ganz offiziell. Am Dienstagvormittag wurde Andreas Koeppen (SPD) von Prinovis-Werksleiter Lars Meusburger von dem endgültigen Aus für die Großdruckerei informiert. Ab 14 Uhr erfuhren dann auch die Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung von Prinovis-Chef Bertram Strausberg die bittere Nachricht: Im August 2014 macht die Druckerei dicht, 700 Festangestellte und 400 Leiharbeiter sind dann arbeitslos. Immer wieder wurde Strausberg von Pfiffen und Sprechchören unterbrochen und brach seine Rede schließlich ab, als die Mitarbeiter zu einer spontanen Kundgebung zum Werkstor zogen.

„Ein schwarzer Tag für die ganze Region“, klagt Koeppen. Im strukturschwachen Kreis Steinburg ist die Traditionsdruckerei, die sich mehrheitlich im Besitz des Bertelsmann-Konzerns befindet, einer der größten Arbeitgeber. Der müsse „seiner sozialen Verantwortung nun gerecht werden“ und akzeptable Lösungen für die Beschäftigten vorlegen, fordert Koeppen.

Vorigen September war ein Defizit der Druckerei in Millionenhöhe bekannt geworden. Viermal hatten Betriebsrat und die Gewerkschaft Ver.di sich anschließend mit der Geschäftsleitung getroffen und über Alternativen zur Werksschließung verhandelt. Es habe „keinen Millimeter Bewegung“ auf Seiten des Managements gegeben, klagt Ver.di-Fachbereichsleiter Martin Dieckmann. „Selbst Versuche, die Schließung zu verschieben, wurden zurückgewiesen.“

Am Sonntag informierte Ver.di die Beschäftigten über die anstehende Schließung des Werks. Der Schließungstermin ergibt sich aus den geltenden Kündigungsfristen für die Mitarbeiter. „Noch nie ist in Deutschland eine so große Druckerei geschlossen worden“, weiß Dieckmann. Viele Beschäftigte hätten keine berufliche Alternative.

Die Itzehoer Druckerei, in der Spiegel und Stern sowie der Otto-Katalog gedruckt werden, kämpft seit Jahren mit Schwierigkeiten, an denen die Tiefdruck-Branche krankt: Massive Überkapazitäten bei rückläufiger Auflage von Magazinen und Katalogen. Um ihre Arbeitsplätze zu retten, hatten viele Mitarbeiter in den vergangenen Jahren Lohneinbußen von 30 bis 40 Prozent hingenommen. Zuletzt wurde eine Beschäftigungssicherung vereinbart, für die die Mitarbeiter auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet hatten und die bis 2015 gelten sollte.

Viele Probleme aber seien hausgemacht, betont Diekmann: „Es gibt einen Dumping-Preiskampf.“ Immer mehr Produkte werden zudem im kostengünstigeren Offset-Verfahren gedruckt. Bertelsmann habe nicht nur beim Tiefdruck, sondern auch beim konkurrierenden Offsetdruck eine marktbeherrschende Stellung. Doch statt eine gemeinsame Strategie im Überlebenskampf zu entwickeln, hätte Bertelsmann nur seine „Unternehmen aufeinandergehetzt, sich gegenseitig die Hölle heiß zu machen“. Diekmann: „Itzehoe wird geopfert, damit der Prinovis-Konzern am Leben bleibt.“

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