Kreuzberger protestieren: Druck gegen Druckraum

AnwohnerInnen der Reichenberger Straße in Kreuzberg protestieren gegen eine geplante Fixerstube. Sie fürchten, dass die Drogenszene vom Kotti zu ihnen umzieht.

Gegen die Eröffnung einer neuen Fixerstube in der Reichenberger Straße in Kreuzberg formiert sich Widerstand. AnwohnerInnen haben eine Initiative gegründet und sammeln nun Unterschriften gegen den neuen Standort. Der wurde nötig, nachdem der Druckraum in der Dresdner Straße hinter dem Kottbusser Tor im Juni geschlossen wurde. Durch die Schließung konzentrierte sich die Drogenszene seither in den Wohn- und Geschäftshäusern rund um das Kotti und das Neue Kreuzberger Zentrum (NKZ). Auch dort hatten die Anwohner mit Protesten auf die Entwicklung reagiert.

Dreieinhalb Monate nach Schließung des alten Druckraums hatte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg Ende September bekannt gegeben, dass neue Räumlichkeiten für einen Drogenkonsumraum gefunden sein. Das 800 Quadratmeter große Gebäude in der Reichenberger Straße soll von der Organisation "Zuhause im Kiez" (ZiK) für einen Preis von 350.000 Euro vom Senat gekauft und dann an Fixpunkt, einen Träger von Projekten für Drogenabhängige, vermietet werden. Für die Renovierung entstehen weitere Kosten von 270.000 Euro. Wenn alles klappt, kann im Frühjahr 2010 eröffnet werden. An fünf Tagen die Woche soll dann für vier Stunden Junkies die Möglichkeit gegeben werden, sich unter hygienischen Umständen ihren Schuss zu setzen.

Während Bewohner und Ladenbesitzer rund ums Kotti erleichtert auf diese Lösung reagieren, die eine Entspannung ihrer Probleme erwarten lässt, reagieren AnwohnerInnen in der Reichenberger Straße kritisch. Katja Schlesinger, eine der InitiatorInnen der Bürgerinitiative gegen den neuen Druckraumstandort, befürchtet eine "Wanderung der Drogenszene" vom Kotti in ihren Kiez. Familien würden wegziehen und so die "positive Entwicklung des Kiezes" aufheben, wenn die Fixerstube in der Reichenberger Straße eröffnet werde, glaubt Katja Schlesinger. In der Umgebung befinden sich viele Schulen und Kitas. Es müsse eine bessere Alternative her. In einem Schreiben an die taz fordert die Bürgerinitiative eine Lösung direkt am Kottbusser Tor. Kritisiert wird auch die geplante Öffnungszeit von nur vier Stunden. Diese müsse "erheblich erweitert werden", so die Bürgerini.

Verärgert sind die AnwohnerInnen auch über das Vorgehen der Bezirkspolitik. Seit Juni sei der neue Standort beschlossen gewesen, sagt Katja Schlesinger. Doch öffentlich habe man die Pläne erst nach der Bundestagswahl gemacht. Schlesinger hofft nun darauf, dass der Bezirk seine Entscheidung revidiert und nach besseren Alternativen suchen wird.

Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) macht da wenig Hoffnung. Es sei ein halbes Jahr lang nach geeigneten Standorten gesucht worden und es habe keine brauchbaren Alternativen gegeben, so Schulz. Räume am Kotti böten nicht genug Platz, so Schulz zum Vorschlag der Bürgerini. In der Reichenberger Straße solle nicht nur ein Fixraum, sondern auch ein Gesundheitszentrum für Drogenabhängige entstehen, betont er.

Am 12. und 18. November will der Bezirk in Informationsveranstaltungen vor Ort über seine Pläne aufklären. Die Anwohnerinitiative versucht derweil, durch Sammlung von Unterschriften den Druck auf den Bezirk zu erhöhen, seinen "kurzsichtigen und übereilten Entschluss" rückgängig zu machen.

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