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Kommentar ZDF Hessen, Heuchler und Hallodris

Kommentar von

Steffen Grimberg

Die SPD ist sich uneins, wie sie sich zum Fall Brender positioniert. Statt auf ihre Basis zu hören und nach Karlsruhe zu ziehen, verstrickt sie sich in eigenen Befindlichkeiten.

Die SPD hat es ausnahmsweise mal leicht: In der öffentlichen Debatte um den Einfluss der Politik aufs ZDF steht nach dem Abschuss von Chefredakteur Nikolaus Brender einhellig die Union am Pranger. Namhafte Juristen weisen überzeugend auf den zu großen Einfluss hin, den vor allem die Ministerpräsidenten der Länder auf Auswahl und Zusammensetzung der ZDF-Gremien haben. Sie empfehlen nicht nur ein Normenkontrollverfahren beim Bundesverfassungsgericht, sie fordern es sogar ausdrücklich ein.

Doch was macht die SPD? Statt auf ihre Basis zu hören und gemeinsam mit Grünen und Linken nach Karlsruhe zu ziehen, verstrickt sie sich in ihren eigenen Befindlichkeiten. Ein in der Partei nicht mehr allzu mächtiger Landesvater wie Kurt Beck will sich und den Ländern wenigstens beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch Einfluss sichern.

Beck sitzt dem ZDF-Verwaltungsrat vor, sein Staatssekretär Martin Stadelmaier ist im ZDF-Fernsehrat - und Beck möchte gerne, dass das so bleibt. Darum scheut er den Gang nach Karlsruhe. Denn die Verfassungsrichter dürften sich bei einem Verfahren sehr genau mit der Frage auseinandersetzen, was Spitzenpolitiker wie Ministerpräsidenten oder Bundesminister überhaupt in den Gremien von ARD und ZDF zu suchen haben.

Während die SPD-Medienkommission noch trotzig tönt, man werde sich alle Optionen offenhalten, macht die Bundestagsfraktion der SPD die Kakophonie perfekt. Noch bevor sich die Medienkommission der Partei überhaupt ernsthaft mit dem Thema beschäftigt hat, erklärt der Parlamentarische Geschäftsführer schon mal, man habe auf eine Klage in Karlsruhe eigentlich gar keine Lust. Statt also medienpolitisch und in der Öffentlichkeit zu punkten, indem sie das Bundesverfassungsgericht anruft, spielt Kurt Becks SPD dessem hessischen Rivalen Roland Koch in die Hände. Schön dumm.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

4 Kommentare

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  • M
    Michael

    Wer hat uns (mal wieder) verraten?

    Sozialdemokraten!

  • A
    ardbeg

    Hurra, endlich wieder druff auf die SPD. Hat mich schon gewundert: Mindestens ein Tag ohne SPD-Bashing. Das wollen wir doch nicht - wo kämen wir da hin. Macht nur weiter so, liebe TAZler und TAZ-Leserkommentatoren... Roland Koch regiert direkt ins ZDF und schuld ist... genau, Rudi Carell hat's besungen: "Schuld daran isch nur die SPD". Was für ein Glück, sonst müssten wir tatsächlich ein neues Feindbild suchen.

  • V
    vic

    Die SPD ist heute ebenso unwählbar wie CDU/FDP. Sollten sie eines Tages bei der Partei Die Linke mitarbeiten dürfen, werde ich sie wohl akzeptieren müssen, aber als SPD sind sie überflüssig.

  • M
    Marion

    Ihrem Artikel kann ich zustimmen.

    Die Funktionäre sind zu stur oder zu bl... um die Zeichen der Zeit zu erkennen und verlorenen Boden wieder gut zu machen. Offensichtlich hat die Basis der SPD den gesunderen Verstand.