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Kommentar Sanktionen gegen Syrien Die EU schont weiter den Diktator

Kommentar von

Gert Stuby

Bisher ist das Vorgehen der EU gegen den syrischen Diktator noch verhalten. Politische Appelle - aber keine harten Sanktionen. Das aber ist zu wenig.

W ieder einmal haben die Europäer ihre Sanktionen gegen das Gewaltregime in Syrien verschärft. Nach dem Massaker in der Protesthochburg Hama wurden fünf weitere Personen mit einem Einreiseverbot belegt, darunter der für die Repression mutmaßlich direkt verantwortliche Verteidigungsminister. Doch dies dürfte den Assad-Clan ebenso wenig stören wie die Einfrierung von syrischem Vermögen. Denn die EU geht viel zu zaghaft vor.

Bisher hat sie es nicht einmal gewagt, Assad auch nur die rote Karte zu zeigen. Anders als in Libyen, wo Diktator Gaddafi schon nach wenigen Wochen der Proteste zum Rücktritt aufgefordert wurde, wird Assad weiter geschont. In ihrer Erklärung, die ohne öffentliche Debatte herausgegeben wurde, appellieren die EU-Außenminister an den syrischen Diktator, doch bitte, bitte seine Reformversprechen einzulösen. Sie drängen ihn, Gefangene freizulassen und Meinungsfreiheit zu gewähren - wohl wissend, dass diese Appelle ungehört verhallen.

Hinter den hilflosen Aufrufen steht die vage Hoffnung, das Regime sei vielleicht doch reformierbar, in der syrischen Führung könnten sich doch noch moderate Kräfte durchsetzen. Vielleicht gibt es ja wirklich einen Funken Hoffnung. Die Reformkräfte werden in dem zersplitterten Land aber nur dann die Oberhand gewinnen, wenn sie ermutigt und unterstützt werden. Dazu muss die EU endlich klar machen, dass sie die Proteste in Syrien für legitim hält und die Zivilgesellschaft aktiv unterstützt. Bisher findet sich diese Unterstützung nur versteckt zwischen den Zeilen.

GERT STUBY

ist Europa-Korrespondent der taz.

Erst wenn die EU es wagt, Assad zu isolieren und die Reformbewegung zu fördern, kann sie endlich etwas Positives bewirken. Italien hat bereits ein Zeichen gesetzt und seinen Botschafter aus Damaskus abberufen, um gegen die "entsetzliche Repression" zu protestieren. Es wäre gut, wenn sich auch Deutschland diesem Schritt anschlösse. Bisher zählte Außenminister Westerwelle zu den Bremsern.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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2 Kommentare

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  • H
    Hasso

    Westerwelle hat aus Sicht der Araber ein Handicap. Berlusconi hat das nicht. Er wagt sich was.

  • H
    Hasso

    Kann mir mal jemand erzählen, warum man Saddam Hussein "weggehangen" hat und Mr.Hyde immer noch frei herum läuft. Liegt es vielleicht daran, das Mr.Hyde nach Öl stinkt und Hussein sein Öl nicht mehr für amerikanische Dollar verkaufen wollte? "Wer nicht spurtet, wird am Hals gegurtet"!?