Kommentar Mehr Lohn für die Bahner: Unbeabsichtigter Sieg

Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA auf der einen und die Lokführergwerkschaft GDL auf der anderen Seite haben die Bahn zu enormen Zugeständnissen gezwungen.

Wie man das Spiel "Guter Bulle, böser Bulle" richtig gut spielt, haben die verfeindeten Bahngewerkschaften in den vergangenen Monaten gezeigt. Beide "Bullen" haben ihre Rollen so verinnerlicht, dass ihr Gegenüber das Spiel nicht als solches durchschaut hat. Und schon haben sie gewonnen. Zwar war das Spiel gar nicht geplant, im Gegenteil, aber es hat funktioniert. Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA auf der einen und die Lokführergwerkschaft GDL auf der anderen Seite haben die Bahn zu enormen Zugeständnissen gezwungen. Wären sich die Gewerkschaften nicht so spinnefeind, könnten sie sogar von sich sagen: Wir marschieren getrennt und siegen vereint.

Worin besteht der Erfolg? Im Sommer zunächst erhielten Transnet/GDBA mit 4,5 Prozent mehr Lohn den höchsten Tarifabschluss des Jahres; jetzt garantiert ihnen die Bahn im Zuge einer Entgeltstrukturreform weitere Verbesserungen für alle Beschäftigten, wobei jeder bis 2010 mindestens 10 Prozent mehr kriegen soll. Ohne die Streiks der Lokführergewerkschaft GDL wäre diese Einigung nicht so schnell gekommen.

Im Gewerkschaftslager wird sie wegen ihres Kurses kritisiert und gleichzeitig wegen ihrer entschlossenen Haltung bewundert. Den Erfolg der Konkurrenz jedenfalls kann die GDL getrost als eigenen verbuchen. Entsprechend leicht wird es ihr wohl fallen, sich am Montag auf die Tarifverhandlungen mit der Bahn einzulassen - zumal sie künftig für Lokführer wohl federführend verhandeln darf.

Ein Manko bleibt dennoch: Wenn bei der Bahn künftig sechs Funktionsgruppen jeweils für sich die entscheidenden Tarifbedingungen - Geld, Arbeitszeit und Zulagen - aushandeln, gibt es mittelfristig nicht nur Gewinner. Wird etwa eine Gruppe aus den serviceorientierten Berufen gebildet, haben diese wenig zu lachen. Denn Pförtner, Fahrkartenverkäuferinnen oder Telefonistinnen sind leicht austauschbar; entsprechend gering ist ihre Streik- und Verhandlungsmacht. Sie dürften deshalb von der Lohnentwicklung der anderen bald abgekoppelt werden. Mag sein, dass die Lokführergewerkschaft dies nicht will - sie nimmt es aber billigend in Kauf.

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Geboren 1969 in Ost-Berlin. Studium an der FU Berlin. Bei der taz seit 1999, zunächst im Berliner Lokalteil. Schwerpunkte sind Verkehrs- und Unternehmenspolitik.

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