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Kommentar GesamtschulenEs lebe die Ideologie!

Anna Lehmann

Kommentar von

Anna Lehmann

Gerade als Vorbildschule ausgezeichnet, steht die Integrierte Gesamtschule Göttingen-Geismar unter politischem Druck. Und mit ihr alle anderen Gesamtschulen Niedersachsens.

E s hätte ein richtiges Happy End sein können. Der Mann, welcher die Gesamtschule einst bekämpfte, schüttelt dem Gesamtschulleiter unter aufbrandendem Applaus die Hand. So geschehen am Freitag in Berlin, als Bundespräsident Christian Wulff (CDU), einst niedersächsischer Ministerpräsident, der Integrierten Gesamtschule Göttingen-Geismar den Deutschen Schulpreis als beste deutsche Schule überreichte. Doch Schulfrieden war gestern, heute herrscht wieder Krieg.

Die schwarz-gelbe Regierung in Hannover will der Schulpreisschule - und damit allen anderen niedersächsischen Gesamtschulen - auf keinen Fall erlauben, ihr gerade erst preisgekröntes Konzept fortzusetzen. Sie sollen ihre gymnasialfähigen Schüler schneller zum Abitur bringen, und das heißt, sie früher von vermeintlich schwächeren Schülern trennen. Frei nach dem Motto: pfeif auf gute Erfahrungen, es lebe die Ideologie.

Ideologien dienen dazu, politisches Handeln zu rechtfertigen. Und die Bildungspolitik der CDU ist in Niedersachsen und bundesweit darauf ausgerichtet, Kinder möglichst früh nach "Begabungen" zu sortieren und sie in separaten Klassen und Schulformen auf bestimmte Abschlüsse zu trimmen.

ANNA LEHMANN ist Bildungsredakteurin der taz.

Oberstes Ziel der konservativen Bildungspolitiker, ob in Sachsen, Niedersachsen oder Bayern, ist dabei immer, die Institution Gymnasium für die Leistungselite, welche sich hauptsächlich aus den Kindern der Bildungsbürger rekrutiert, zu bewahren. Alle Schulen, die diese Separierung aufheben, werden als "Einheitsschulen" verunglimpft.

Dass nun eine solche Einheitsschule zum wiederholten Male als Vorbildschule ausgezeichnet wurde, ficht die Konservativen nicht an. Sie lassen sich ihre Vorstellungen, wie Schule zu funktionieren hat, nicht kaputtmachen. Um keinen Preis.

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Anna Lehmann

Anna Lehmann Leiterin Parlamentsbüro

Schwerpunkte SPD und Kanzleramt sowie Innenpolitik und Bildung. Leitete bis Februar 2022 gemeinschaftlich das Inlandsressort der taz und kümmerte sich um die Linkspartei. "Zur Elite bitte hier entlang: Kaderschmieden und Eliteschulen von heute" erschien 2016.
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2 Kommentare

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  • G
    guntherkummerlande

    Demokratie heißt nicht,einer bestimmt für

    eine Wahlperiode in allen gesellschaftlichen

    Dingen bis zum Extrem hin wo es langzugehen hat.

     

    Demokratie und Mandatstreue heißt,

    den Menschen Auswahlmöglichkeiten zu offerieren,

    das qualitativ hochwertige Wirken der

    Demokratieteilnehmer und deren

    Entfaltung zu fördern bzw. sich bewährende

    abweichende Alternativen zu tolerieren

    und die Konkurrenz der

    unterschiedlichen Lösungsansätze zu akzeptieren

    und auf einen Grundnenner zu bringen.

     

    Man ist vorrangig dem Wohl des Deutschen Volkes

    und ihrer Bürger verpflichtet und

    sehr nachrangig der eigenen Clientel.

     

    Die Beschneidung des Grundgesetzes und die

    Amtsanmaßung der regierenden Parteien

    hinsichtlich der Unterminierung der Autorität

    von Lehrdidaktikspezialisten ist ein Affront

    an die aufgeklärte, moderne Gesellschaftsordnung.

     

    Was sich bewährt, hat ein Recht auf

    gleichberechtigte Existenz!

    Der Erfolg der Menschen, ist der Wohlstand

    des Landes.

  • M
    Maika

    Und noch immer gibt es keinerlei Nachweis, dass das von Frau Lehmann propagierte Schulsystem gut oder besser ist... Wie schaut die Entwicklung im Lande nochmal aus bezügl Ausbildungsfähigkeit, schreiben, lesen, rechnen...? Oder gibt es die Probleme lediglich in den bisher Schulkonservativen Süd-Ländern...?

    Egal, Hauptsache: "es lebe die Ideologie"!