Kinderschutz: Kein Instrument für die Zukunft

Berlin im Dilemma: Damit der Stellenpool kein teures Becken für unqualifizierte Mitarbeiter ist, muss der Senat investieren

Willy Loman erfährt eines Morgens, dass es seinen Arbeitsplatz nicht mehr gibt. Das ist der Anfang von "Tod eines Handlungsreisenden". Frei nach Arthur Miller hat auch das Land beschlossen, dass Berlin zehntausende Angestellte zu viel hat, und 2004 das Zentrale Personalüberhangmanagement geschaffen. In diesen Pool kommen alle Stellen, die sich das Land nicht mehr leisten will. Zum Recruiting-Instrument taugt er nur begrenzt. Deshalb wird der Pool immer politisch umstritten bleiben.

Eigentlich ist der Stellenpool ein feines Instrument für sozial abgefederten Rausschmiss. Die fiktive Sachbearbeiterin aus Verwaltung AV319, deren Stelle eingespart wird, bekommt weiterhin Gehalt, ist sozialversichert und erwirbt Rentenansprüche. Gewöhnlich sitzt sie sogar weiterhin an ihrem Pressspanschreibtisch und bearbeitet Anträge.

Bis irgendwann das Land kommt und sagt: Wir brauchen Koordinatoren für den Kinderschutz. Und genau da entpuppt sich der Stellenpool als sperrig. Denn die Mitarbeiterin kennt zwar das Innenleben der Abteilung AV319, aber sie war noch nie in der Situation, zu entscheiden, ob ein Kind gefährdet ist und den Eltern weggenommen werden sollte. Sie ist für diese Aufgabe einfach nicht geeignet.

Berlin steckt in einem Dilemma: Für Menschen, deren Stellen nicht mehr existieren, werden pro Jahr 5 Millionen Euro Personalkosten fällig. Gleichzeitig gibt es offene Stellen, für die keine Menschen zu finden sind.

Deshalb muss Berlin in den Stellenpool investieren. Wenn die Mitarbeiter tatsächlich für neue Aufgaben bereitstehen sollen, müssen sie konsequent umgeschult und qualifiziert werden. Sonst ist der Stellenpool nur ein teures Sammelbecken für Willy (und Walfriede) Loman.

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