Katastrophe in Pakistan: 160 Tote bei Beben

Ein Erdstoß der Stärke 6,4 hat am Mittwochmorgen die pakistanische Provinz Belutschistan an der Grenze zu Afghanistan erschüttert. Hilfe kommt nur schleppend durch. 15.000 Menschen wurden obdachlos.

Pakistan steht am Rande des Bankrotts, seine Bevölkerung leidet unter Armut und jetzt erschüttert auch noch erneut ein schweres Beben das Land. Bild: dpa

QUETTA/ISLAMABAD/RIAD ap/dpa Bei einem schwerem Erdbeben im Südwesten von Pakistan sind am Mittwochmorgen nach Behördenangaben mindestens 160 Menschen ums Leben gekommen und Hunderte verletzt worden. Bis zu 15.000 Menschen hätten ihr Haus verloren, erklärte Bürgermeister Dilawar Kakar aus dem Bezirk Ziarat in der Provinz Belutschistan. Die Behörden befürchteten, dass die Opferzahl noch weiter steigen könnte, da hunderte Häuser eingestürzt waren.

Nach Fernsehberichten flüchteten Menschen in Panik auf die Straße. Fast alle Toten stammen laut Behördenangaben aus der Stadt Wam. Nach dem Beben gingen in der Provinz auch mehrere Schlammlawinen nieder. Die Rettungsmannschaften konnten bislang nur wenige Orte erreichen, weil die Zufahrtswege zerstört sind.

Das Epizentrum des Bebens der Stärke 6,4 lag laut der US-Erdbebenwarte (USGS) unter der Erdoberfläche, gut 640 Kilometer südwestlich von Islamabad in Belutschistan an der afghanischen Grenze. Die Provinz ist dünn besiedelt und eine der ärmsten Gegenden Pakistans. In Ziarat waren hunderte Häuser zerstört, wie Kakar sagte. Die Dorfbewohner versuchten, sich gegenseitig zu helfen. "Aber es braucht hier einen größeren Einsatz", sagte der Bürgermeister.

Pakistan liegt in einer seismisch aktiven Zone. Im Oktober 2005 hatte ein Erdbeben der Stärke 7,6 Kaschmir und den Norden Pakistans erschüttert. Rund 80.000 Menschen kamen ums Leben, hunderttausende verloren ihr Zuhause

Unterdessen hat der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) seine Mission für Pakistan am Mittwochmorgen mit politischen Gesprächen in der saudisch-arabischen Hauptstadt Riad fortgesetzt. Am Vorabend hatte er von Außenminister Prinz Faisal die Zusage erhalten, dass sich Saudi Arabien an internationalen Bemühungen beteiligen werde, Pakistan vor dem drohenden Staatsbankrott zu bewahren.

Bei dem Rettungspaket geht es in erster Linie um Devisen, damit Pakistan dringend erforderliche Importe bezahlen kann. Wenn in einer Woche kein kurzfristiger Milliardenkredit steht, droht der finanzielle Absturz, sagte Steinmeier. Islamabad benötigt nach eigener Einschätzung etwa sieben Milliarden Dollar. Der IWF erwägt derzeit offenbar nur Kredite von drei bis vier Milliarden Dollar.

Gehälter könnte der Staat im Bankrottfall zunächst noch weiterzahlen, denn die laufen über die Binnenwährung Rupie. Allerdings würden dann die Notenpressen heiß laufen, und eine Hyperinflation würde folgen. Die Gefahr sozialer Unruhen würde steigen in einem Land, dessen Regierung als labil und dessen Bedrohung durch radikalislamische Kräfte als hoch gilt und dem nun noch der Großeinsatz von Rettungskräften im Erdbebengebiet bevorsteht.

Pakistan ist aber von entscheidender Bedeutung für die internationalen Bemühungen um eine Stabilisierung des Nachbarlandes Afghanistan. Das Grenzgebiet zwischen beiden Ländern dient der Terrororganisation Al Kaida und den aufständischen Taliban als Rückzugsraum.

Im Vordergrund der Freundesgruppe stehen allerdings grundlegende Reformen wie der Kampf gegen die Korruption, Subventionskürzungen, Streichung ausufernder Regierungsprivilegien, Ausgabendisziplin beim Militär: alles Bedingungen, die der Internationale Währungsfonds (IWF) für Kredite stellt.

Deutschland ist Mitbegründer der "Gruppe der Freunde eines demokratischen Pakistan", der neben Deutschland auch Italien, Frankreich, Japan, die Türkei, China, Australien, Kanada, die EU und die Vereinten Nationen angehören. Den Kovorsitz teilen sich USA, Großbritannien, Pakistan und die VAE.

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