Kampfsport: Ihre Zukunft liegt auf der Matte

Franziska Konitz ist eines der großen Talente im Judosport. Zurzeit trainiert die 21-Jährige aus Marzahn für ihren Jugendtraum: die Olympischen Spiele in Peking. Dafür muss die Schwergewichtlerin aber noch ein paar Konkurrentinnen aufs Kreuz legen.

Träume, die in Erfüllung gehen, sind immer die schönsten. Franziska Konitz hat einen Traum, der sich schon bald erfüllen könnte. Die 21-jährige Judoka vom Marzahner Judoklub SV Georg Knorr will im Sommer zu den Olympischen Spielen nach Peking.

Den Traum von Olympia träumt sie schon sehr lange. Genau genommen, seit sie fünf Jahre alt ist. Damals startete Franziska Konitz ihre Judokarriere. Ihre Mutter hatte sie immer zum Judotraining des großen Bruders mitgenommen, und die Besuche inspirierten sie, selbst aktiv zu werden. Da Judo aber nicht unbedingt die typische Sportart für Mädchen ist, meldeten ihre Eltern sie noch beim Ballett an. Allerdings merkte Franziska Konitz schnell, dass das nichts für sie ist. "Ich habe aber trotzdem etwas davon mitgenommen", sagt sie.

Konzentriert hat sie sich dann aber mehr auf Judo - und ihr Talent blieb nicht lange verborgen. Mit 15 Jahren gewann sie den ersten großen Titel und wurde U17-Europameisterin. Es folgten drei weitere Titel bei Europameisterschaften im Juniorenbereich und schließlich noch ein zweiter Platz 2004 bei der U20-Weltmeisterschaft. Hinzu kamen einige deutsche Meistertitel. So viele Erfolge hatte in jungen Jahren kaum ein anderer Judoka in Deutschland aufzuweisen. "Sie hat sehr viel Potenzial", sagt ihr Trainer am Olympiastützpunkt in Berlin, Jochen Bech.

Doch vor zwei Jahren geriet Konitz Karriere ins Stocken. Mit dem Übergang von den Junioren zu den Senioren wechselte sie auch ihre Gewichtsklasse. "Es war einfach nicht mehr möglich, Gewicht zu machen, ohne dabei Kraft zu verlieren", sagt sie rückblickend. Also wurde aus dem Halbschwergewicht (bis 78 kg) ein Schwergewicht (über 78 kg). Dadurch standen Konitz allerdings auf einmal Gegnerinnen auf der Matte gegenüber, die 170 Kilogramm wogen. "Da war ich am Boden und habe darüber nachgedacht aufzuhören", erinnert sie sich.

Durch den Gewichtsklassenwechsel musste sie ihr Kampfprofil komplett ändern und sich langsam wieder rantasten. Die Familie, Freunde und ihr neuer Trainer, Jochen Bech, gaben ihr die nötige Kraft. Der Spaß am Sport kehrte wieder zurück. "Ohne Spaß kann man auch kein Erfolg haben", sagt sie. Im letzten Jahr wurde sie deutsche Meisterin im Schwergewicht. "Nach nicht einmal einem Jahr im Schwergewicht habe ich schon das Niveau von denen, die schon ein paar Jahre dabei sind", sagt sie stolz. Trotzdem ist sie weit davon entfernt abzuheben. "Selbstbewusst, aber bescheiden" ist ihr Motto. Und mit dieser Philosophie will sie jetzt nach Peking.

Allerdings muss sie sich erst der Konkurrenz im eigenen Lager erwehren. Ihre größte Rivalin ist die Potsdamerin Sandra Köppen. Die hat bei der Weltmeisterschaft in Rio de Janeiro im vergangenen Jahr den dritten Platz erreicht und damit einen Startplatz für den Deutschen Judo Bund (DJB) in Peking gesichert. Wer von den beiden Frauen auf diesem Ticket nach China fahren darf, wird nun bis April entschieden. "Wenn das so greifbar nahe ist, will man die Chance auch nutzen", sagt Konitz. Zwei Kämpfe gab es bisher zwischen den beiden. Beide konnten jeweils einmal gewinnen. Es gebe zwar keinen "Krieg" zwischen den Kontrahentinnen, aber "unser Verhältnis ist schon sehr angespannt", gesteht Konitz. Im Februar und März stehen nun viele Turniere auf dem Programm. "Mit guten Platzierungen kann ich mich da empfehlen", hofft sie.

Für den Erfolg tut die 21-Jährige einiges. Beruflich macht sie derzeit eine Ausbildung bei der Bundespolizei. Das ermöglicht ihr, von Januar bis September durchgehend zu trainieren: bis auf Sonntag jeden Tag und manchmal bis zu dreimal täglich. Als Trainingspartner müssen oft die männlichen Kollegen herhalten. "Sie ist sehr trainingsfleißig", attestiert ihr Jochen Bech. Überhaupt ist der Trainer von seinem Schützling begeistert: "Sie hat Persönlichkeit, und die ist ganz wichtig, um sich im Judo durchsetzen zu können."

Franziska Konitz ist eines der größten Talente im DJB-Stall. Ihr gehört auf alle Fälle die Zukunft, denn ihre Konkurrentin Sandra Köppen ist schon 32 und wird nicht mehr ewig aktiv sein. Sollte es also in diesem Jahr mit Peking nicht klappen, geht der Blick nach London 2012. "Man kann noch viel von ihr erwarten", hofft Trainer Bech.

Aber noch hat sie die Chance auf Olympia. "Wenn es nicht klappt", gesteht sie, "wäre ich schon sehr traurig." Deshalb wird sie alles daran setzen, nach Peking fahren zu dürfen. Am nötigen Selbstbewusstsein fehlt es ihr jedenfalls nicht: "Wenn ich dabei bin, habe ich auch Chancen auf eine Medaille." Vielleicht der nächste Traum, der in Erfüllung gehen kann.

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