Interview mit Commentarist.de-Gründer

"Orientierung im Dschungel der Fakten"

Vor kurzem ist das Meinungsportal Commentarist.de erneut an den Start gegangen. Portalgründer Eric Hauch über Verlagsängste, Meinungsjournalismus und Schmarotzer.

"Nachrichtenseiten werden heute praktisch minütlich geupdated, Liverticker und Twitter-Meldungen tun ihr übriges." Bild: Gräfin. / photocase.com

taz: Herr Hauch, was ist Commentarist.de?

Eric Hauch: Kurz und knapp: Commentarist ist die einfachste Art, Meinungsjournalismus zu finden, zu vergleichen und zu verfolgen.

Wie genau profitieren die Nutzer denn von dem Angebot?

Wir haben Commentarist als Hilfsmittel für unsere Leser entwickelt, damit sie sich im Dschungel der Fakten in der Nachrichtenwelt einfacher eine eigene Meinung bilden können. Und wie könnte das einfacher sein, als wenn das Meinungsspektrum der Presselandschaft zu aktuellen Themen von der taz bis zur FTD nur einen Mausklick weit weg liegt.

Ihre Inhalte beziehen Sie von den Zeitungsverlagen. Wie profitieren die Inhalteanbieter von Commentarist?

Kaum jemand hat Zeit, mehrere Nachrichtenseiten pro Tag nach Kommentaren zu einem bestimmten Thema zu durchsuchen. Ergo beschränkt sich die Nutzung auf ein bis zwei Medien. Commentarist fördert ein breitgefächertes Leseverhalten und ermöglicht es den Nutzern, zu täglichen Lesern einer Vielzahl von Medien zu werden. Unsere Partner gewinnen also neue Leser, die überdurchschnittlich interessiert und damit eine sehr interessante Zielgruppe sind.

ist 25, Mitgründer von Commentarist.de und verantwortlich für Marketing, Presse, Organisation und Entwicklung. Er studierte am Imperial College London in Großbritannien und arbeitete bei der Financial Times Deutschland im Corporate Publishing.

Mit jedem Medium verhandeln Sie einzeln über eine Partnerschaft. Welche Ängste der Verlage fallen Ihnen in den Verhandlungen auf?

Grundsätzlich ist man uns seitens der Verlage in den Verhandlungen sehr offen begegnet. Unser Konzept ist eingängig und die Vorteile für Verlage, die mitmachen, liegen auf der Hand. Die größte Sorge, die Verleger uns gegenüber kommuniziert haben, war, dass Leser Commentarist nutzen könnten und sich den Besuch der eigentlichen Nachrichtenseite sparen würden.

Wie begegnen Sie diesen Ängsten?

Wir haben von Anfang an deutlich gemacht, dass Commentarist komplementär zu den bestehenden Angeboten der Verlage ist, also nichts ersetzt, sondern ergänzt. Besonders bei journalistischen Kommentaren reicht es einfach nicht, nur die Überschrift zu lesen. Unsere Statistiken zeigen, dass wir rund 100 Prozent unserer Leser an zumindest einen Partner weiterleiten. Diese Zahlen liegen weit über denen von am Markt etablierten Aggregatoren.

Stichwort Aggregatoren: solche Angebote fassen Fremdinhalte zusammen und profitieren davon. Sind Aggregatoren nur Schmarotzer?

Das hängt meiner Ansicht nach sehr von der Art und Weise der Aggregation ab. Commentarist ist kein rein maschineller Aggregator. Unsere Editoren erstellen Themenbereiche und nehmen händisch die Einordnung von Kommentaren unserer Medienpartner vor. Sie verknüpfen also bestehende Artikel auf eine intelligente Art und Weise, die dem Leser den Zugang zu einem Thema erleichtert. Diese Leistung des Kuratierens schätzen wir als äußerst wichtig ein, handelt es sich hierbei doch um journalistische Arbeit.

Commentarist bietet 100 Prozent Meinung. Wie hat sich die Bedeutung von Meinung in den letzten Jahren verändert?

Dank des Internets ist die Taktzahl der Fakten aus der Nachrichtenwelt enorm gestiegen. Nachrichtenseiten werden heute praktisch minütlich geupdated, Liverticker und Twitter-Meldungen tun ihr übriges. Meinung spielt in diesem Rahmen eine elementare Rolle, denn sie bringt Struktur in den unermüdlichen Strom an Fakten. Allerdings glaube ich, dass wir erst am Anfang stehen und dass die Bedeutung von Meinung zukünftig weiter steigen wird. Auf Seiten der Medienmarken wird das Rennen um die "breaking news" immer härter, Fakten sind kaum noch exklusiv. Für den Leser unterscheiden sich inzwischen die verschiedenen faktenorientierten Angebote immer weniger voneinander. Die Meinung kompetenter Journalisten gibt Medien die Möglichkeit, sich klar von der Konkurrenz zu differenzieren. Ich denke, dass die Nutzer zukünftig wesentlich stärker nach Einordnung und Einschätzung verlangen.

Wie kann ein Inhalteaggregator wie Commentarist Geld verdienen?

Wir befinden uns mit der Entwicklung von Commentarist noch in einem sehr frühen Stadium. Aber natürlich wollen wir mittelfristig Geld verdienen. Da gibt es viele Optionen wie beispielsweise Corporate Publishing oder gesponserte Kommentare. Wir sehen Commentarist als interessante Plattform für Unternehmen, die an offener und direkter Kommunikation mit Lesern interessiert sind. In diese Richtung wird sich das Geschäftsmodell entwickeln.

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