Im Wandel, mittendrin XII: Die ungewollte Traumwohnung?

taz-lab-Redakteurin Luisa Faust über die unver­hofften Vorzüge aufgezwungener Veränderung.

Ein modernisierter Altbau in Berlin-Mitte.

Der Berliner Wohnungsmarkt ist angespannt, besonders in Altbauten wie diesem in Berlin-Mitte Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Von LUISA FAUST

Zu Beginn der Corona­krise steht mein Vermieter mit einer Berliner Schreckensbotschaft vor der Tür: Wegen Eigenbedarf – gut begründet – muss er meinen Mietvertrag kündigen. Er ist bedrückt, ich bin verständnisvoll und erschrocken zugleich.

Der Berliner Wohnungsmarkt ist angespannt. Das Angebot von Mietwohnungen sinkt, die Nachfrage ist weiterhin hoch. Auf Onlineplattformen erhält ein Vermieter meistens weit über hundert Kontaktanfragen auf ein Inserat. Ich durchkämme Angebote, mache Termine aus, hoffe, bange, werde enttäuscht.

Die Kreise in denen ich suche werden immer größer, auf Neukölln kann ich verzichten, vielleicht sogar auf Wohnen innerhalb des Berliner Rings. An einem Regentag bin ich in einem Randbezirk unterwegs, bis es dort, wo ich ankomme ähnlich aussieht, wie in der norddeutschen Mittelstadt, aus der ich dringend wegwollte. Die Wohnung, die ich besichtige, ist schön, bezahlbar und vor allem gibt es dort weniger Mitinteressenten. Einige Tage später erhalte ich die Zusage.

taz-lab-Tickets

Der Ticketverkauf für das digitale taz lab am 24. April erfolgt über unser Ticketportal.

Wie immer greift unser solidarisches Modell mit Preisen zu 40€ (Normalpreis), 20€ (ermäßigter Preis) und 60€ (politischer Preis).

Die Tickets des taz lab 2020 gelten auch für das Jahr 2021. Kontaktieren Sie uns unter tazlab@taz.de oder warten Sie auf unsere E-Mail zur Übermittlung der digitalen Zugänge.

Das Programm für das digitale taz lab 2021 finden sie hier.

Ich lebe mich langsam ein. Veränderung ist teilweise aufgeschoben: Homeoffice, Kontaktbeschränkungen und geschlossene Gastronomie verringern die Unterschiede zwischen Innenstadt und Randbezirk. Ich entdecke die schönsten Fahrradstrecken in die Innenstadt und eine kleine Konditorei, die preiswert hausgemachte Sachertorte verkauft. Vielleicht, so fühlt es sich an, lässt es sich hier aushalten.

Die Tei­lneh­me­r*in­nen des taz lab schreiben wöchentlich über Wandel. Die Texte der letzten Wochen finden Sie auch auf tazlab.de.

Luisa Faust übernimmt auf dem taz lab am 24. April 2021 die Regie der Veranstaltungen und moderiert „Hannibal reloaded: Chats, Waffen, Orden: Tiefenblick in ein rechtes Netzwerk“, 13 Uhr, Glashaus.