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„Ich finde, dass Haarlänge ein Diskussionsgrund ist“

Mit dem Song „Eisbär“ der Band Grauzone wurde Stephan Eicher bekannt, inzwischen schreibt er Chansons in Moll. Ein Gespräch über das Schweigen in seiner jenischen Familie, über Panikattacken und Punk

Gespräch Ulrich Gutmair

taz: Herr Eicher, „Eisbär“ von Grauzone ist einer der bekanntesten Songs der Neuen Deutsche Welle: „Ich möchte ein Eisbär sein, im kalten Polar.“ Wie kamen Sie zu Grauzone?

Stephan Eicher: Mein Bruder Martin war Gitarrist bei Grauzone. Als sie 1980 ins Studio gegangen sind, um „Eisbär“ aufzunehmen, haben sie gesagt: Stephan, komm doch mit. Das Album haben wir ein Jahr später zu dritt aufgenommen, mein Bruder, der Schlagzeuger Marco Repetto und ich. Ich habe bei Grauzone Synthesizer und Gitarre ­gespielt.

taz: Grauzone haben auf Deutsch gesungen. Das war damals – in Deutschland wie in der Schweiz – neu.

Eicher: Dass in Deutschland Deutsch gesungen wurde, ist natürlich ein anderer Kontext als in der Schweiz. Die Deutschschweiz hat ja alle 30 Kilometer eine ganz andere Sprache, also Schaffhauser Deutsch, Zürichdeutsch, Berndeutsch. Wenn man aus diesen Orten kommt, versteht man wiederum die Walliser nicht. Dass die Deutschschweiz diese Dialekte beibehalten hat, hatte mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun. Man wollte sich abgrenzen von Deutschland. Als dann mein Bruder gesagt hat, ich singe Hochdeutsch, habe ich gesagt: Wow, das ist mutig.

taz: Wer hat die Texte von Grauzone geschrieben?

Eicher: Mein Bruder hat das Meiste und das Wichtige geschrieben. Martin war auch der Sänger von Grauzone. „Eisbär“ ist von Martin. „Schlachtet“ ist von Martin. Dann haben wir begonnen, zusammen zu schreiben, spielerisch: „Der Weg zu zweit ist halb so weit.“ Ein bisschen wie die Gallagher-Brüder. Super interessant, kreativ, aber auch sehr, sehr ­anstrengend.

taz: Grauzone war eine romantische Popband. Die Haltung und die Themen kamen aber aus dem Punk. Die Kälte in den gesellschaftlichen Beziehungen, das Aufbegehren gegen das Autoritäre. Warum hat Punk Sie ­angesprochen?

Eicher: Für mich war es die Ästhetik von Punk, die mich zuerst angezogen hat. Zuerst hat man ja die Fotos gesehen, bevor man die Punksingles überhaupt gehört hat. Wir in der Schweiz haben dann aber sehr schnell auch die Musik gehört von den Clash oder den Sex Pistols. Das hat damit zu tun, dass wir sehr reiche Kinder sind. Also nicht ich persönlich – wir in der Schweiz. Reiche Kinder konnten mit dem Flugzeug nach London, dort einkaufen und Singles zurückbringen. Auch dass es in der Schweiz so viele Synthesizer-Bands gegeben hat, hat keine kulturellen Gründe. Tut mir leid, diese Vorstellung zu zerstören. Wir hatten einfach genug Geld, um Synthesizer und ­Telecaster-Gitarren zu kaufen. Für mich war es optisch interessant: Egal wie eine Telecaster klingt, die sieht einfach sexy aus. Das ist ein guter Grund, Musik zu machen.

taz: Viele Punks erzählen die Geschichte, dass sie Johnny Rotten von den Sex Pistols oder andere Punks aus London auf Fotos gesehen haben und sich dachten: So will ich auch sein.

Eicher: Es ist hochinteressant, dass es über das Auge geht. Das Auge ist sehr viel schneller als das Ohr. Den Blitz sieht man – und dann kracht es ein bisschen später. Den Gedanken hatte ich noch nicht, aber er ist absolut richtig. Ich habe diese Fotos gesehen von Siouxsie and the Banshees oder X-Ray Spex. Das war sehr, sehr stark. Mode ist toll. Mode ist Ausdruck.

taz: Dann kam die Musik.

Eicher: Ja. Ich bin immer mehr von amerikanischer Musik beeinflusst gewesen. Wenn man zwei Metalle zusammenfügt, entsteht eine Legierung. Das finde ich spannend. Irische Folksongs, die auf den Blues gestoßen sind und miteinander den Rock ’n’ Roll geboren haben, fand ich interessanter als irische Volksmusik und Blues alleine. ­Ramones war vielleicht die wichtigste Band für mich. Ich dachte: Diese zwei Griffe schaffe ich doch auch.

taz: Deutschland und die Schweiz waren in den 1970er Jahren noch relativ autoritäre, normversessene Gesellschaften. War Punk für Sie eine Antwort darauf?

Eicher: Keine Ahnung, lassen Sie mich überlegen. Mein Bruder und ich haben ja nicht in Bern gelebt. Wir haben in einem Bauerndorf gewohnt, in Münchenbuchsee, zehn Kilometer von Bern entfernt. Mein Bruder ist sehr extrem als Punk aufgetreten. Ich war mehr der New-Wave-Typ, aber er war wirklich knallhart. Und er wurde immer, jeden Abend, wenn er aus der Schule kam – wir gingen in Bern zur Schule – auf dem Nachhauseweg angegriffen. Jedes Mal kam er mit einer neuen Schramme nach Hause. Ich habe ihn oft gefragt: Wieso tust du dir das an? Er sagte: Nein, das ist ein Kompliment. Ich gehöre nicht zu ihnen. Das ist vielleicht eine Antwort auf Ihre Frage: Wir wollten nicht zu „ihnen“ gehören. Wer auch immer das ist.

taz: Sie waren dagegen.

Eicher: Gegen etwas zu sein ist in der Mode und in der Kultur sicher intelligenter als in der Politik. Ich finde schon, dass Haarlänge ein Diskussionsgrund ist. Das interessiert mich mehr als die Frage, ob die Erde jetzt flach ist oder rund. Zur Haarlänge habe ich mehr zu sagen. In Zürich gab es dann diese Zusammenstöße wegen dem Opernhaus.

taz: „Züri brännt“ war der Slogan der Jugendbewegung im Mai 1980. Sie machte Krawall, weil die Stadt 60 Millionen Franken für die Renovierung vom Opernhaus bewilligt hat, aber keinen Raum für ein autonomes ­Jugendzentrum finanzieren wollte.

Eicher: Während der Unruhen bin ich mit Grauzone auch auf der Straße unterwegs gewesen, da war schon viel Adrenalin und Aufmüpfigkeit. Wenn man 18 oder 19 ist, vielleicht sexuell frustriert, dann ist Fensterscheiben einschlagen eine Art Kompensation. Damals, 1980, war das schon ein bisschen repressiv, die Polizei war sehr präsent. Es gab dann bald das AJZ, das unabhängige Jugendhaus. Da bin ich aber nie hin.

taz: Warum nicht?

Eicher: Ich fand das alles ungewaschen. Im AJZ gab es Drogen. Auch das interessierte mich nicht. Und es war so versifft. Ich war mehr auf einem ästhetischen Trip. Ich ging zur Kunstschule, die direkt daneben lag.

taz: Dass Sie früh angefangen haben, Musik zu machen, lag nahe. Sie sind in einer musikalischen Familie groß geworden.

Eicher: Ich habe noch einen großen Bruder, Erich, der macht auch Musik. Wir haben immer in der Familie musiziert, außer meine Mutter, die mehr die Literatur geliebt hat. Meine Mutter war ganz schick, ganz bürgerlich. Mein Vater kam aus der Ostschweiz, aus Graubünden, aus einer schwierigen Familie. Das waren Jenische, also Menschen, die reisen. Die Jenischen waren noch sehr unterdrückt in den 1970er Jahren, als ich groß geworden bin. Es gibt sogar einen Film darüber, wie jenische Kinder von den Familien weggenommen wurden.

taz: Zwischen 1926 und 1973 nahmen schweizerische Behörden, das „Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse“ sowie kirchliche Institutionen, mindestens 600, vermutlich aber Tausende jenische Kinder ihren Eltern weg. Viele der Kinder erfuhren in Heimen und Pflegefamilien brutale Gewalt.

Eicher: Meine Eltern haben nie richtig darüber gesprochen. Sie haben gesagt, wir gehen aus dieser Kultur raus und ziehen nach Bern, wo es die jenische Kultur nicht gibt. Aber zu dieser Kultur gehört auch die Musik. Mein Vater hat Musik gemacht. Geige, Kontrabass, ­Akkordeon. Mein Großvater spielte Geige am Churer Orchester. Alle drei Brüder machten Musik. So war das vielleicht eine leicht zerrissene Familie, die in der Musik Harmonie gefunden hat. Da hat die Familie irgendwie funktioniert. Das hat mich geprägt.

taz: In der Musik finden Sie Ruhe?

Eicher: Noch heute setze ich mich, wenn es mir nicht gut geht, ans Klavier oder spiele Gitarre. Da ist es gut, da verstehe ich die Welt. Es gibt den Film „Unerhört jenisch“, der sich unter anderem der jenischen Musikkultur widmet. In dem kommen auch mein großer Bruder Erich und ich vor. Ich wurde für den Film in der Camargue besucht, ich lebte damals in der Nähe von Saintes-Maries-de-la-Mer, einem Wallfahrtsort für reisende Völker. Vielleicht bin ich da ein bisschen auf der Suche gewesen. Ich kann die jenische Sprache nicht, ich bin nicht in dieser Kultur groß geworden, aber sie hat sicher Spuren hinterlassen.

taz: In der Gegend in Süddeutschland, aus der ich komme, gehörte das Jenische zum Alltag. Dort kennen auch Nicht-Jenische in meinem Alter noch ein paar jenische Wörter. Zumindest Gadsch, das heißt Mensch, Tschai – Mädchen, schugger – süß, gwand – anständig, schön. Oder auch Glischde, das ist die Polizei.

Stephan Eicher

Der Mensch

Eicher wurde 1960 in Münchenbuchsee in der Schweiz geboren. Im Zuge der Dreharbeiten zum Dokumentarfilm „Unerhört jenisch“ (2017) von Martina Rieder und Karoline Arn hat er sich zusammen mit seinem Bruder Erich intensiv mit seiner jenischen Familiengeschichte befasst.

Der Musiker

Nach dem Erfolg von Grauzone lebte Eicher unter anderem in Frankreich, wo sich seine Musik immer wieder auf den vorderen Plätzen der Charts findet. Die Schriftsteller Philippe Djian und Martin Suter schrieben für ihn Texte. Zuletzt erschien 2025 das Album „Poussière d‘Or“.

Eicher: Sie kennen die Sprache besser als ich. Das berührt mich jetzt.

taz: Was waren, abgesehen von der Musik, Ihre Berührungspunkte mit der jenischen Welt?

Eicher: Ich hatte als Kind immer ein bisschen Angst, wenn Familie uns besucht hat, die zum Teil in der Schweiz, zum Teil in Frankreich lebte. Da war viel Dunkelheit, Unausgesprochenes. Mein Vater konnte Bier aus der Flasche trinken und musste dabei nicht schlucken. Und wenn er das gemacht hat, ein bisschen betrunken, sagte die ganze Familie: „Er trinkt ein Bier! Kommt schauen! Wie macht er das?“ Bier trinken aus großen Flaschen, stehend, und dabei rauchen. Auch die Frauen haben geraucht. Meine Großmutter hat dabei immer sehr abschätzig ihre Zigarette angeschaut. Die Männer trugen tolle Schuhe, immer glänzend poliert. Sonst ein bisschen lotterig. Ihre Sprache hatte den jenischen Schmiss, so hat man in der Schweiz gesagt. Auch ihre Musik hat einen anderen Swing.

taz: Sie waren also auch bei Ihrer jenischen Verwandtschaft früh von der Ästhetik, vom Style fasziniert?

Eicher: Ja. Könige machen mich nervös. Diktatoren auch. Der Bettler hat schon was. Aber gibt es auch was in der Mitte? Und da kommen die Prinzessin, der Prinz ins Spiel. Jenische haben so ein bisschen was Prinzenhaftes. Das weiße Hemd ist immer sehr gut gebügelt. Der Rest vielleicht ein bisschen ausgebeult, aber das weiße, prinzenhafte Hemd, das hat mir gefallen, als ich klein war.

taz: Die Schuhe müssen glänzen, das Hemd muss sauber und gebügelt sein.

Eicher: Da hast du Arbeit. Ich unterstütze manchmal die Vereinigung der Jenischen in der Schweiz. Manchmal gehe ich hin und spiele bei ihren Festivals. Und dann geniere ich mich ein bisschen. Denn die sind schon verdammt schick. Ich fühle mich da immer leicht underdressed.

taz: Sie haben mit cooler New-Wave-Musik angefangen, später waren es traurige Popsongs und Chansons. Noch später haben Sie Schweizer Volkslieder wie „Hemmige“ oder das „Guggisberglied“ aufgenommen.

Eicher: Heute mache ich mehr folkige Sachen, einfach weil: Mit dem Lärm ist auch mal gut. Kennen Sie Moondog? Das war ein Komponist aus Amerika, der auf der Straße als Wikinger verkleidet gelebt hat. Er hat das Arrangement geschrieben für meine Version des Guggisberglieds. Das war die punkigste Haltung, die man sich denken kann: Was Stephan Eicher nach der Elektronik machte, waren Schweizer Volkslieder in Moll.

taz: Das Guggisberglied hat einen düsteren Text, es erzählt von einer Liebesgeschichte, die nicht gut ausgeht.

Es braucht das Debakel. In den Kurven quietschen ist gut. Es muss ein bisschen gefährlich sein. Sie muss ein bisschen scharf sein, die Currywurst. Sonst kannst du das ja nicht essen

Eicher: Nein, natürlich sterben alle da. Romeo und Julia. Es ist ein jenisches Lied. Die Schweizer Volksmusik wurde von den Jenischen gespielt und herumgebracht. Bis dann jemand ein Gerät hingestellt, das aufgenommen und gesagt hat: Das hab jetzt ich komponiert. Das ist eine andere traurige Geschichte. Und wenn ich das Guggisberglied spiele mit dem Traktor­kestar, die slawische Blasmusik machen, oder mit Taraf de Haïdouks aus Rumänien, dann können die das sofort spielen. Die kennen das. Das hab ich dann gemacht. Ich mache viel! Ich habe 25 Stunden pro Tag, ich habe dieses Glück im Vergleich zu anderen Menschen. Ich liebe meine Arbeit. Ich liebe das so fest, Musik zu machen.

taz: Dass die institutionelle, rassistisch motivierte Verfolgung der Jenischen in der Schweiz erst 1973 aufhörte, ist historisch immer noch nicht richtig aufgearbeitet. Kürzlich haben Schweizer His­to­ri­ke­r*in­nen mehr Aufklärung gefordert.

Eicher: In Deutschland habt ihr 1945 mit der Verfolgung aufgehört.

taz: Nicht ganz. In Bayern etwa wurden die Naziakten zu Sinti, Roma und Jenischen unter dem Namen Landfahrerkartei von der Polizei noch Jahrzehnte nach Kriegsende benutzt. Die Landfahrerstelle der Münchener Polizei wurde offiziell 1970 aufgelöst.

Eicher: Schauen Sie, ich bekomme Gänsehaut, mir wird’s ganz kalt. Ich hatte gedacht, das hätte sich in Deutschland nach dem Krieg geändert. Aber Ihr habt auch Siemens und Hugo Boss beibehalten. Hey Jungs, wechselt wenigstens den Namen! Es ist erschreckend manchmal. Ich wäre eigentlich nicht da, weil meine Großmutter auf der Liste für die Sterilisation stand. In dem erwähnten Film gibt es die Szene, wo mein Bruder, der Notar ist, im Archiv sitzt und in einem Dokument meine Großmutter findet. Sie steht auf einer Sterilisationsliste. Sie hat das umgangen. Sonst würden wir jetzt nicht hier zusammen sitzen.

taz: Wusste Ihre Großmutter, dass sie auf dieser Liste stand?

Eicher: Man weiß es nicht. Meine Familie waren Scherenschleifer und Hausierer. Mein Bruder Erich hat im Archiv aber auch eine Verbindung der Eichers mit den Musikerfamilien Waser, Kollegger, Moser in Graubünden gefunden. Auch das wurde in meiner Familie nicht angesprochen. Mein Vater war schon 84, es war die Zeit von Covid, als ich ihm den Film ins Altersheim mitgebracht und abgespielt habe. Da kam ein Leuchten in sein Gesicht. Das ging drei Minuten. Dann kam das erste Interview und da hat er den Computer zugeklappt und gesagt: „Sprich nie darüber.“ Jetzt wird mir schon wieder kalt, weil ich habe auch Kinder und ich finde schon … Es wäre gut, wenn man das irgendwie … Ja. Jetzt gehe ich vielleicht ein bisschen zu weit. Ich habe oft Panik­attacken, dann stelle ich mir Situationen vor, die habe ich selbst nie erlebt. Jemand in meiner Familie hat das erlebt. Ich bin nicht mystisch drauf. Aber es gibt Momente, da ist es mir unwohl. Und meine Kinder haben das auch ein bisschen, und ich hätte da gerne erklärt, woher das kommt.

taz: Der Psychoanalytiker Jacques Hassoun nennt das die „Schmuggelpfade der Erinnerung“. Die Eltern tradieren ihre Geschichte an die Kinder, auch wenn sie nichts erzählen.

Eicher: Mein Vater hat den Computer zugemacht und mir gesagt: „Sprich nie davon.“ Immer noch vielleicht in dieser Angst. Ich habe noch eine Tante, vielleicht schaffe ich es über sie, mehr ­herauszufinden. Mein Gefühl sagt mir aber, dass das nicht passieren wird. Vielleicht ist es auch gut, wenn man Sachen verdrängen kann. Verdrängen muss man auch können.

taz: Es ist manchmal wohl überlebensnotwendig zu verdrängen. Es ist aber auch erwiesen, dass Menschen, die unter extremem Stress leiden und verfolgt werden, diese Erfahrung körperlich und psychisch an die folgenden Generationen weitergeben.

Eicher: Das würde ich unterschreiben. Ich bin grundsätzlich ein froher Mensch. Blauer Himmel, wow! Regen? Ist auch gut! Aber manchmal erwischt es mich und ich frage mich, wo kommt das denn her? Musikmachen hilft. Musikmachen ist das Einzige, wo ich keine Angst habe. Gestern auf der Bühne war ich schon gestresst, weil nichts richtig ging. Aber ich habe rausgefunden, dass ich eigentlich mit ziemlich viel Mut auf solche Sachen zugehe.

taz: Sie haben sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, obwohl es Probleme mit dem Sound gab. Das war beeindruckend.

Eicher: Alles ist Performance. Auch wenn es in die Hose geht. Es braucht das Debakel. Auch das muss Teil sein von einem Konzert.

taz: Man muss aber cool genug sein, um das zulassen zu können.

Eicher: Das ist Punk! In den Kurven quietschen ist gut. Es muss ein bisschen gefährlich sein. Sie muss ein bisschen scharf sein, die Currywurst. Sonst kannst du das ja nicht essen. Ich habe schon Angst. Aber man muss ja leben.

Ulrich Gutmair ist Kulturredakteur der taz. Mit 13 tanzte er zur Eiseskälte am kalten Polar und fand die Welt darin gut beschrieben.

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