Hoffenheim gestoppt: Jung siegt gegen ganz jung

Nach der 2:5-Demontage in Leverkusen ist Dietmar Hopp, der Mäzen von Hoffenheim, zufrieden. Endlich sind die Ambitionen des Aufsteigers wieder geradegerückt worden.

In Leverkusen wurde Kurzzeit-Tabellenführer Hoffenheim unsanft zu Fall gebracht. Bild: reuters

Dass große Geldsummen die sonderbare Eigenschaft besitzen, Leuten den Kopf zu verdrehen, ist ein uraltes Motiv der Menschheit. Man konnte diesen Effekt in der vorigen Woche ganz wunderbar am Beispiel der TSG Hoffenheim studieren, wo der Begriff Milliardär (gemeint ist Mäzen Dietmar Hopp) gepaart mit der wenig aussagekräftigen Tabellenführung des Aufsteigers nach zwei Bundesligaspieltagen wildeste Fantasien hervorrief. "Hier haben Leute von Platz drei geredet", erzählte Hoffenheims Torhüter Ramazan Ozcan am Samstag nach dem desillusionierenden 2:5 bei Bayer Leverkusen. "Lächerlich" sei so ein "Gelaber", meinte Özcan mit einer gehörigen Portion Verachtung in der Stimme. Er war wohl ebenso über die Niederlage verärgert wie über die Auswüchse der Diskussion. Für die TSG gehe es einzig und allein "um den Klassenerhalt", verkündete der Torhüter, nachdem diese erste Partie des Aufsteigers gegen eine Spitzenmannschaft allerhand Indizien für die Richtigkeit von Özcans Einschätzung geliefert hatte.

Eine Halbzeit lang sprang Trainer Ralf Rangnick an der Seitenlinie umher wie ein mit Aufputschmitteln gedoptes Eichhörnchen, seine Mannschaft reihte einen Fehler an den nächsten, ließ sich immer wieder mit einfachen Spielzügen auseinanderhebeln und kassierte drei Gegentore nach Standardsituationen. Karim Haggui (8.), Manuel Friedrich (17.) und Stefan Kießling (37.) hatten wenig Mühe zwei Ecken und einen Freistoß ins Tor zu bugsieren. "Naiv" sei das gewesen, sagte Vedad Ibisevic, der zwischendurch das 2:1 erzielt hatte (21.), und Rangnick, immer noch leicht errötet, fand: "So was geht gar nicht."

Diese erste Halbzeit nährte den Verdacht, dass Spieler wie Matthias Jaissle, Tobias Weis, Sejad Salihovic, Andreas Beck oder Marvin Compper zwar in der Bundesliga spielen können, dass sie derzeit aber eher keine Fußballer sind, aus denen sich auf Anhieb eine international ambitionierte Fußballmannschaft formen lässt. Vielleicht entwickelt sich der eine oder andere von ihnen tatsächlich zu einem Spitzenspieler, alle werden sie indes wohl kaum sofort konstant ein gehobenes Niveau erreichen. Das kann weder ein Mäzen mit viel Geld noch ein guter Trainer bewerkstelligen.

"Jetzt glaubt uns wenigstens jeder, dass unser Ziel nur ist, nicht abzusteigen", erklärte der erstaunlich zufrieden wirkende Hopp, der einen angenehmen Nachmittag ohne Pöbeleien und Beschimpfungen in Leverkusen verbracht hatte. Das Spiel hatte einen hilfreichen Beitrag geleistet, die Situation rund um die TSG Hoffenheim zu normalisieren. Das gefällt einem Mann, der wie Hopp um Besonnenheit und Vernunft bemüht ist.

Auch wenn dem verwandelten Foulelfmeter Sejad Salihovics zum 2:3 (58.) eine Phase folgte, in der das Spiel hätte kippen können, gab es einen entscheidenden Unterschied zwischen der jüngsten Mannschaft der Liga (Hoffenheim) und der zweitjüngsten (Leverkusen): Bayers Einzelspieler wirkten reifer, das Mittelfeld mit Vidal, Renato Augusto, Barnetta und Rolfes besitzt auf jeder Position eine außergewöhnliche individuelle Klasse, "deshalb war das 5:2 vielleicht ein Tor zu hoch, aber verdient", meinte Rangnick. Barnetta (80.) und Kießling (87.) hatten das Duell in der Schlussphase zum torreichsten Spiel der bisherigen Bundesligasaison veredelt.

An guten Tagen können diese Leverkusener wie im Vorjahr eine Defensive schwindelig spielen, neu ist allerdings, dass die Stürmer Helmes und Kießling ein kongeniales Paar bilden. "Das stimmt, wir ergänzen uns super", sagte Kießling, der Kämpfer zum Zusammenspiel mit seinem Partner, dem eiskalten Schützen. Und "es wird sogar noch besser werden", kündigte Labbadia schon einmal an, Leverkusens Trainer liegt im Zeitplan nämlich weit zurück. Weil viele Spieler aus unterschiedlichsten Gründen einen Großteil der Vorbereitung verpassten, arbeitet Labbadia immer noch an der Grundlagenausdauer. "Ein Ritt auf der Rasierklinge" sei das, "Montag, Dienstag, Mittwoch gehen wir sehr hohes Tempo, Donnerstag und Freitag versuche ich dann die Frische fürs Wochenende reinzubringen", erzählte der Trainer. Taktische Feinheiten, kämen da derzeit viel zu kurz.

Dafür ist das Spiel seiner Mannschaft überaus ansehnlich, Tempo und die fußballerischen Fertigkeiten waren auch in der dritten Partie über lange Phasen beeindruckend. Das Team funktioniert sogar so gut, dass niemand mehr von Bernd Schneider spricht. Der Kapitän versucht weiterhin vergeblich, die Folgen seiner Bandscheibenoperation aus dem Frühjahr in den Griff zu bekommen. Derzeit spielt die Mannschaft ohne ihn vortrefflich - und das ist das größte Kompliment, das man diesem jungen Team machen kann.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de