Google digitalisiert Zeitungsarchive: Die Zeitung von vorvorgestern

Nach dem Scannen von Büchern hat Google damit begonnen, Mikrofilme historischer Tageszeitungen ins Netz zu stellen. Nicht alle Medienkonzerne sind begeistert.

Alte Zeitungen in Papierform? Voll Oldschool. Bild: dpa

Was schrieb die "Pittsburgh Post-Gazette" am Tag der Mondlandung? Und was die "Virgin Islands Daily News", als Präsident Nixon dem Space Shuttle-Programm 1972 sein okay gab? Diese und ähnliche Fragen kann man sich seit dieser Woche im so genannten "Google News Archive" beantworten lassen - dargestellt im Originalformat der entsprechenden Blätter. Der Internet-Konzern hat sein Digitalisierungsprogramm für Bücher auf Zeitungsarchive ausgedehnt. Zug um Zug sollen dabei auf Mikrofilm vorliegende Ausgaben aus den letzten hundert Jahren (und später sogar darüber hinaus) ins Netz gestellt werden.

Das Projekt ist die Fortführung des 2006 gestarteten Versuchs, die Archive wichtiger US-Blätter wie "New York Times", "Washington Post" oder "Time Magazine" über Googles Suchfunktion bereitzustellen. Nutzer können sich so geschichtliche Abläufe in einer Zeitleiste darstellen lassen, selektiert wird nach Erscheinungsdatum. Partner des Projekts sind unter anderem die Archivunternehmen ProQuest und Heritage, wie Google-Vizepräsident Marissa Mayer am Montag auf der "TechCrunch 50"-Konferenz in San Francisco sagte. Bereits jetzt sollen auf diese Weise so mehrere Millionen Artikel in der Datenbank des Internet-Konzerns gelandet sein, wo sie allen Nutzern offen stehen.

Suchfunktion und Navigation sind dabei clever gelöst: Man erhält eine vollständige Ansicht der Zeitungsseite und kann sich in dieser dann mit Hilfe einer Lupe vorkämpfen. Die in Form von Bildern dargestellten Artikel sind dabei komplett digitalisiert: So werden Textfundstellen jeweils mit gelb-transparenter Farbe markiert. Insgesamt 100 Zeitungen sollen beim News Archive mitmachen, darunter auch die älteste Nordamerikas, der "Quebec Chronicle-Telegraph". Mayer, die für Suchprodukte bei dem Konzern verantwortlich ist, nannte das Vorhaben "enorm bedeutsam". "Wir stoßen damit in einen neuen Inhaltebereich vor."

Damit die Zeitungen auch etwas davon haben, sollen passende Werbeanzeigen neben den Texten eingeblendet werden. Die Erlöse dieser "Adsense" genannte Reklameform sollen dann mit den Verlegern geteilt werden. "Wir glauben, dass das gut für die Zeitungen ist. Wir bringen damit die Beiträge von Generationen verschiedener Journalisten online und erweitern die Leserschaft", sagte Mayer.

Der Dienst Google News an sich, der aktuelle Nachrichten aller wichtigen Quellen durchsucht und in Kurzform verfügbar macht und dann verlinkt, ist allerdings bei den Medienkonzernen keineswegs unumstritten. So klagten belgische Verleger erfolgreich gegen das Einstellen ihrer Inhalte und auch bei deutschen Medienverbänden gab es immer wieder Kritik. Zuletzt hatte Google selbst Verträge mit den Nachrichtenagenturen AP und AFP geschlossen, um deren Meldungen für Google News verwenden zu können. Der Suchkonzern argumentiert unter anderem, dass seine Links den Verlagen viele Nutzer brächten und man sich mit seinen Nachrichtenauszügen und Schlagzeilen innerhalb des so genannte "Fair Use"-Rahmens bewege, der entsprechende Zitate erlaube.

Im Bereich des neuen Zeitungsarchivs versucht Google, auf andere Arten gute Stimmung zu machen: In den USA werden auch kostenpflichtige Datenbanken in die Suche aufgenommen. Taucht eine Meldung also nicht im Gratis-Verzeichnis von Google auf, landet der Nutzer in einem "Paid Content"-Angebot, wo dann artikelweise bezahlt werden muss. Außerdem verlinkt das Google News Archive die kostenlosen Datenbanken großer Verlage direkt, so dass man nicht zu einem Google-Dienst, sondern auf deren Websites weitergeleitet wird, wo die Medienkonzerne selbst Geld mit Werbung verdienen können.

Noch ist unklar, wann Googles Zeitungsarchiv-Projekt abgeschlossen ist. Derzeit tauchen Inhalte bei der Suche noch eher sporadisch auf. Das Unternehmen setzt bei der Digitalisierung auf ähnliche Technik wie bei einem 2004 gestarteten Einleseprojekt für Bücher, der "Google Book Search". Ein Vertreter eines kleinen US-Lokalblattes sagte, Google habe jederzeit Zugriff auf das Archiv, doch wann es online ginge, darüber habe sich der Konzern noch nicht geäußert.

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