Georgien / Armenien / Baku: Programm der Reise

vom 25. Sept. bis 7. Okt. 2020

In der Altstadt von Tbilissi (Tiflis) Bild: Marcus Denzer

1. Tag (Freitag)

Abflug um 14.15 Uhr ab Berlin-Schönefeld mit Aeroflot über Moskau nach Jerevan. Reiseleiterin Barbara Oertel ist schon vor Ort, empfängt die Gruppe am Flughafen und bringt sie zum Hotel.

2. Tag (Samstag)

Nachdem sich alle ausgeruht haben, beginnen wir unseren Aufenthalt in der armenischen Hauptstadt mit einem Stadtrundgang mit dem armenischen Co-Reiseleiter, dem Journalisten und Turkologen Tigran Petrosyan. Er wird uns auch in den kommenden Tagen durch seine armenische Heimat begleiten.

Zu unseren Stationen zählen unter anderem die 1705 fertiggestellte Sorarwar-Kirche sowie die blaue Moschee, die im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Besichtigen werden wir auch das Herzstück Jerevans – den Platz der Republik, wo mehrere Ministerien angesiedelt sind. Hier fanden auch 2018 große politische Proteste statt, in deren Folge der heutige Regierungschef Nikol Paschinjan an die Macht kam. Jeden Abend bietet sich hier ein besonderes Schauspiel: Zu klassischer Musik ergießen sich aus einem Springbrunnen zahlreiche Fontänen, die bunt angestrahlt sind.

Nächtliche Fontänen im Zentrum von Jerevan Bild: Ruth Aping

Selbstverständlich dürfen bei einem Rundgang auch das in den 1930er Jahren errichtete Lichtspielhaus Moskau sowie die Kaskaden nicht fehlen – eine in den 1970er Jahren angelegte imposante Treppenanlage, die auf einen Hügel führt. Sobald man diesen erklommen hat, bietet sich ein beeindruckender Blick über die Stadt. Einen Besuch wert ist auch das Mashtots-Matenadaran-Institut, das zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Hier lagern 17.000 alte Handschriften aus Armenien. Diese reichen teilweise bis ins 6. Jahrhundert zurück.

Danach besuchen wir ein Frauenhaus in einem Außenbezirk der armenischen Hauptstadt und sprechen mit der Frauenrechtsaktivistin Zara Hovanisjan über ihre Arbeit und Genderfragen.

Ausklingen lassen wir den Tag in einem traditionellen armenischen Restaurant. Zu Gast wird Meri Navasardjan, Projektkoordinatorin des DAAD-Büros in Armenien, sein.

3. Tag (Sonntag)

Am Morgen besuchen wir die oppositionelle, sozial-demokratische Partei „Bürgerentscheidung“, deren Mitglieder alle aus der Zivilgesellschaft kommen und die nicht im Parlament vertreten ist. Sie macht vor allem Fragen des Umweltschutzes zum Thema.

Exponat aus der Genozid-Gedenkstätte Bild: Ruth Aping

Am Nachmittag geht es zum Denkmal für die Opfer des Genozids. Das Monument, dass an die 1,5 Millionen armenische Opfer des Völkermords durch die Türken im Jahre 1915 erinnert, liegt auf dem Jerevaner Hügel Zizernakaberd. Es setzt sich aus zwölf Basalt-Stelen zusammen, die sich über ein Ewiges Feuer neigen. Ein spitzer, in den Himmel ragender Obelisk symbolisiert die Wiedergeburt des armenischen Volkes bzw. Ostarmeniens. Anlässlich des 100. Jahrestages des Genozids 2015 wurde die Gedenkstätte in manchen Teilen vollständig umgestaltet.

Anschließend fahren wir nach Etschmiadsin (heute: armen. Wagharschapat), etwas außerhalb Jerevans gelegen, wo die größte Klosteranlage Armeniens zu finden ist. Das Kloster ist Sitz des Katholikos Aller Armenier, des geistlichen Oberhauptes der Armenischen Apostolischen Kirche, und damit auch das religiöse Zentrum des Landes. Wir machen einen kleinen Rundgang und werden danach in einem angrenzenden Restaurant noch zu Abend essen.

4. Tag (Montag)

Nach dem Frühstück verlassen wir Jerevan und fahren zunächst in den kleinen Ort Varser. Dort besuchen wir eine Schule, die Deutsch als Schwerpunktfach hat, sprechen mit LehrerInnen und SchülerInnen und werden anschließend bei einer armenischen Familie zu Gast sein, wo auch ein Mittagsimbiss auf uns wartet.

Anschließend ist es dann Zeit für den Sevan-See. Der See hat eine atemberaubende Natur und ist mit ca. 1.240 Quadratkilometern der größte Süßwassersee des Kaukasus sowie mit einer Höhe von etwa 1900 Metern über dem Meeresspiegel einer der größten Hochgebirgsseen der Welt. Wir besichtigen hier auch das Kloster Sevananwank, das auf einer Halbinsel liegt. Von den Bauten ist nur noch eine Kirche erhalten.

Blick über den armenischen Kurort Dilijan Bild: Gaby Coldewey

Zu Abend essen und übernachten werden wir in dem Kurort Dilijan, der nördlich vom Sevan-See liegt. Am Abend können wir noch einen kleinen Bummel durch den Ort unternehmen.

5. Tag (Dienstag)

Nach einem frühen Frühstück heißt es Abschied nehmen von Armenien. Mit dem Bus fahren wir nach Georgien weiter und zwar zunächst nach Kutaisi, die zweitgrößte Stadt des Landes.

Nach dem Einchecken in unserem Gästehaus, besichtigen wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Kutaisis, wie zum Beispiel die Bagrati-Kathedrale, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Wir machen auch einen Abstecher zum Parlamentsgebäude – ein gigantisches Bauwerk aus Glas und Stahl, das Ex-Präsident Michail Saakaschwili für knapp 90 Millionen Dollar erreichten ließ und im Mai 2012 einweihte. Es sollte ein Spiegelbild der jüngsten Veränderungen in Georgien sein. Mittlerweile ist das Parlament wieder nach Tiflis zurück verlegt worden. Die künftige Nutzung des Gebäudes ist bislang noch unklar.

Das neue Parlament in Kutaisi Bild: Ruth Aping

Den Tag beschließen wir im Gästehaus Netela, einem Familienbetrieb. Hoch auf einem Hügel gelegen, hat man einen wunderbaren Blick über die gesamte Stadt. Im Netela verwöhnt uns die Hausherrin zum Abendessen mit hausgemachten Köstlichkeiten der georgischen Küche.

6. Tag (Mittwoch)

Nach dem zeitigen Frühstück geht es per Bus in das knapp 90 Kilometer entfernte Städtchen Tschiatura – zu Deutsch „Ein Wurm oder keiner“. Dieser Ort mit knapp 13. 000 Einwohnern, am Fuße des großen Kaukasus ist einzigartig. Hauptverkehrsmittel in der kleinen Stadt, früher ein Zentrum des Manganerzbaus, sind 26 Seilbahnen. Einige der Seilbahnen wurden bzw. werden überholt und modernisiert.

Seilbahnen im georgischen Tschiatura Bild: Archiv

Mittlerweile lockt Tschiatura auch neugierige Touristen an. Das freut die Menschen vor Ort, bringt aber auch Probleme mit sich. Denn es gibt bislang so gut wie keine Unterbringungskapazitäten. In Tschiatura ist auch ein Treffen mit Vertretern von Gewerkschaften vorgesehen.

Am frühen Abend erreichen wir Tiflis, checken im Hotel ein und lassen dann den Tag in einem georgischen Restaurant ausklingen.

7. Tag (Donnerstag)

Am Morgen ist ein Treffen mit dem ehemaligen Minister für Versöhnung, Paata Zakareiswili vorgesehen. Er wird uns aus erster Hand über die aktuelle Situation der Beziehungen zwischen Tiflis und den beiden abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien informieren.

Danach erkunden wir die Altstadt der georgischen Hauptstadt, die zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt werden soll. Unser Rundgang führt uns zunächst zum Rustaweli-Boulevard. Entlang dieser von Platanen gesäumten Flaniermeile befinden sich Theater, Paläste und Wohnhäuser im Stil des Klassizismus, Jugendstils und Barocks sowie das Parlamentsgebäude. Weiter geht es in das Viertel um den ehemaligen Marktplatz, heute der Gorgassali-Platz, wo sich zahlreiche Kirchen sowie die Synagoge befinden. Zum Abschluss besuchen wir das Bäderviertel Abanotubani. Die ursprünglich 65 Schwefelbäder, von denen heute noch sieben in Betrieb sind, werden seit rund 700 Jahren genutzt. Einer Legende nach verdankt Tbilissi, was „warme Quelle“ bedeutet, diesem Ort auch seinen Namen.

Schwefelbäder in Tbilissi Bild: Ruth Aping

Am Nachmittag ist ein Treffen mit jungen AktivistInnen vorgesehen, die an den Protesten im Sommer und Herbst 2019 beteiligt waren. Sie werden uns auch einen Überblick über die politische Lage im Land geben.

Ausklingen lassen wir den Tag in einem Restaurant mit Köstlichkeiten der landestypischen Küche, wie dem Käsebrot Chatschapuri, und einem Glas guten georgischen Weins aus dem östlichen Landesteil Kachetien.

8. Tag (Freitag)

Am Vormittag erwartet uns die Leiterin des Kaukasischen Hauses Naira Gelaschwili. Die Germanistin und Übersetzerin leitet das Kaukasische Haus in Tbilissi – eine Einrichtung, die sich besonders für die Aussöhnung zwischen den Völkern des Kaukasus einsetzt. Ein weiterer Schwerpunkt der Tätigkeit des Hauses ist die Arbeit mit Flüchtlingskindern. Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten und jahrelanger Konflikte mit der ehemaligen Regierung von Saakaschwili – so sollte das Kaukasische Haus aus seinem Gebäude vertrieben werden – ist es Naira Gelaschwili bisher immer gelungen, mehrmals im Jahr ihre mehrwöchige Sonntagsschule für Flüchtlingskinder durchzuführen. Seit 2017 liegt von Naira Gelaschwili mit der Novelle „Ich bin sie“ (Verbrecher-Verlag, Berlin) ein weiteres Werk in deutscher Übersetzung vor.

Nachmittags ist es optional möglich, mit dem Historiker Davit Jischkariani auf den Spuren Stalins zu wandeln. Die Exkursion zu Fuß, die Jischkariani selbst ausgearbeitet hat, dauert circa zwei Stunden. Oder Sie nutzen die Zeit für eigene Unternehmungen.

Abends gibt es ein gemeinsames Abendessen mit Gästen.

9. Tag (Samstag)

Nach dem Frühstück geht es zum Flughafen für die Weiterreise nach Aserbaidschan. Der Flug dauert nur eine gute Stunde. Nach dem Transfer zum zentral gelegenen Hotel und einer kleinen Mittagspause beginnen wir unseren Aufenthalt in der Metropole Baku mit einem ausführlichen Stadtrundgang.

In der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku Bild: Stefan Hessel

Dabei richten wir unser Augenmerk vor allem auf die Altstadt, die seit 2000 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Wir besuchen u.a. die Moham-med-Moschee aus dem 11. Jahrhundert, den ehemaligen Feuertempel Ateschgah, die Tezepir Moschee, die russisch-orthodoxe Kathedrale sowie die Bibi-Heybat-Moschee.

Ausklingen lassen wir den Tag mit einem Essen in einem traditionellen aserbaidschanischen Restaurant.

10. Tag (Sonntag)

Am Vormittag fahren wir nach Sumgait. Rund 30 Kilometer von Baku entfernt. 1988 kam es zu einem Pogrom an Armeniern, die in Sumgait lebten. Die gesamte armenische Gemeinde wurde entweder ermordet oder nach Armenien vertrieben. Das Massaker war ein erster Höhepunkt des Bergkarabach-Konflikts. Dort sprechen wir mit dem Journalisten Eyruz Mammadov, der besonders viel zu diesem Thema gearbeitet und publiziert hat.

Vor unserer Rückkehr nach Baku machen wir noch einen Abstecher in das Dorf Nowxany. Hier wurde am 31. Januar 1884 Mehmed Emin Resulzade geboren, der Gründer und politische Führer der Aserbaidschanischen Demokratischen Republik in den Jahren 1918 bis 1920. Ein Denkmal, landesweit das einzige, erinnert an den Staatsmann. Dort treffen sich jedes Jahr am 28. Mai, dem Tag der Republik und Unabhängigkeit, Vertreter der Opposition, um an Resulzade zu erinnern.

Baku - Hafenstadt am Kaspischen Meer Bild: Gaby Coldewey

11. Tag (Montag)

Am Vormittag treffen wir Shala Ismayilova, Leiterin des Frauenbündnisses für Rationale Entwicklung, zu einem ausführlichen Gespräch. Ismayilova ist Koordinatorin mehrerer Frauenprojekte sowohl in Baku als auch in der Provinz. Einige von ihnen haben zum Ziel Frauen in die Lage zu versetzen, wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen zu können.

Anschließend sprechen wir mit Vertretern der oppositionellen Partei Real, die an den Parlamentswahlen im Februar teilnimmt, über aktuell-politische Themen.

Abends dann ein gemeinsames Abendessen in einem Restaurant.

12. Tag (Dienstag)

Am Vormittag besuchen wir eine Schmuckwerkstatt, in der ausschließlich Menschen mit Beeinträchtigungen arbeiten. Deren Gründer Murad Mammedow spricht mit uns über das Thema Inklusion in Aserbaidschan.

Am Nachmittag haben wir ein Gespräch mit der oppositionellen Journalistin Khadija Ismayilova über die schwierigen Bedingungen für Medienschaffende. Ismayilova, für ihre Recherchen über Korruption bekannt und gefürchtet, saß in Haft und ist derzeit noch mit einer Ausreisesperre belegt.

Danach bleibt noch Zeit, um Baku auf eigene Faust zu erkunden. Beim Abendessen lassen wir uns aserbaidschanische Spezialitäten schmecken.

13. Tag (Mittwoch)

Nach dem Frühstück ist noch Zeit für eine Abschlussrunde mit „Manöverkritik“. Mittags geht es dann zum Flughafen, von wo es um 15 Uhr mit der Aeroflot über Moskau zurück nach Berlin geht. Ankunft in Berlin-Schönefeld 21.25 Uhr.

Der Rückflug kann individuell auch später erfolgen. Näheres beim Veranstalter.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich.

Stand: 20. Januar 2020