Finanzkrise iriitiert Berliner Wirtschaft: Fuchs, du hast das Geld gestohlen

Noch mag keiner von Krise sprechen, aber die aktuelle Finanzsituation wird sich auch auf die Berliner Wirtschaft niederschlagen. Wirtschaftssenator Harald Wolf lädt deshalb Bankenchefs zum Gespräch.

Auch Berliner machen sich Gedanken, ob ihnen das Geld durch die Finger rinnt. Bild: AP

Die Welle der Finanzkrise rückt auch in Berlin näher. Noch will zwar niemand von Kreditklemme, Investitionsstau oder gar dem Abbau von Arbeitsplätzen sprechen. Doch Senat, Banken und Unternehmen begeben sich gerade in Startposition, um die Auswirkungen einzudämmen.

Man wolle nicht warten, sagt Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke), bis Hilferufe aus der Wirtschaft eingehen. Deshalb lädt Wolf für kommende Woche die in Berlin ansässigen Banken ein. Bei dem Treffen soll es darum gehen, wie die "Liquidität von kleinen und mittleren Unternehmen gesichert werden kann". Doch die Handlungsfähigkeit des Senators ist begrenzt. Finanzexperte Jochen Esser (Grüne) bezweifelt, dass der Senat einspringen kann, wenn zum Beispiel zusätzliche Förderkredite nötig sind. "Es überfordert uns, eine Kreditklemme lokal auszugleichen."

Für Fördermittel ist in Berlin vor allem die Investitionsbank Berlin-Brandenburg zuständig. Doch die könnte selbst in den Strudel geraten, ist doch die krisengebeutelte Hypo Real Estate mit einem dreistelligen Millionenbetrag an der Bank beteiligt.

Zu der Runde mit Wirtschaftssenator Wolf ist die IBB als großer Förderer von mittelständischen Unternehmen geladen. "Wir gehen davon aus, dass wir verstärkt nachgefragt werden", sagt Uwe Sachs, Pressesprecher der IBB. Doch selbst einer höheren Nachfrage könne die IBB gerecht werden: "Wir stehen gut da und verfügen über eine hohe Liquidität."

Doch der Spielraum wird sicherlich enger werden. Esser fordert angesichts der Finanzlage vom Wirtschaftssenator, "die politische Linie weiter durchzuhalten und die Wachstumsbranchen dieser Stadt wie Kreativwirtschaft, Gesundheitswirtschaft weiter zu priorisieren."

Doch gerade die finanzintensive und risikoreiche Biotechbranche dürfte ein Sorgenkind werden. Banken als Finanzierer fielen wegen des oft hohen Risikos der Unternehmen aus, dafür sprangen bisher vor allem Venture-Capital-Gesellschaften ein.

Für Finanzierungen zum Ausbau des Unternehmens oder gar Neugründungen seien die Zeiten auch nicht mehr so rosig, sagt zum Beispiel Thilo Spahl, Pressesprecher von Biotop, der zentralen Stelle für Belange der Biotechnologie in Berlin-Brandenburg. "Ich kann nur hoffen, dass kein Unternehmen derzeit an einer größeren Finanzierungsrunde beteiligt ist." Auch die Neugründer würden jetzt ein wenig länger brauchen, um an Kapital zu kommen.

Berlins größtes Biotech-Unternehmen, Jerini, hat bereits im Juli die Krise zu spüren bekommen. Sein erstes selbst entwickeltes Medikament Firazyr konnte es selbst nicht mehr auf den Markt bringen, weil die Finanzierung nicht mehr zu stemmen war. Die Firma wurde für 370 Millionen Dollar an den britischen Pharmakonzern Shier verkauft. Was aus den 150 Mitarbeitern in Zukunft wird, ist noch unklar.

Einen weiteren Einschnitt wird das Land bei seinen Steuereinnahmen spüren. Die Prognose von Finanzdirektor Sarrazin für die kommenden Jahre hält der Grünen-Politiker Esser für "extrem optimistisch". "Wir werden definitiv weniger einnehmen als geplant."

Neben der Bankenrunde wird denn auch kommende Woche die Finanzkrise das Abgeordnetenhaus in einer aktuellen Stunde beschäftigen. Das Thema wird die Stadt noch eine Weile begleiten.

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