Filmemacher Andreas Dresen: Ein liebevoller Realist

"Sommer vorm Balkon"-Regisseur Andreas Dresen kritisierte die "Würstchenbudenmentalität" in Cannes - und bekam trotzdem einen Preis für seinen Film "Wolke 9".

Meidet rote Teppiche: Andreas Dresen. Bild: festival cannes

Wenn es geht, meidet Andreas Dresen den Roten Teppich und die Galaauftritte im Rampenlicht des Filmgeschäfts. Lieber betritt der Regisseur preisgekrönter Filme wie "Sommer vorm Balkon" oder "Nachtgestalten", so wie in Berlin, als er den Silbernen Bären erhielt, den Festivalpalast durch den Nebeneingang. Auch mit dem Trubel in Cannes, wohin Dresen nun mit seinem neuesten Film, "Wolke 9", in die Sektion "Un certain regard" eingeladen war, hat er sich schwergetan. So beklagte sich Dresen öffentlich darüber, dass an der Croisette eine "Würstchenbudenmentalität" herrsche. Diese Ansicht mag überraschend sein, vor allem, weil sie von einem Regisseur vertreten wird, der Axel Prahl in seinem Film "Halbe Treppe" einmal als jovialen Imbissbudenbesitzer "Uwe Kukowski" inszeniert hat.

Geboren wird Dresen 1963 in Gera. Seine Mutter ist die Schauspielerin Barbara Bachmann, sein Vater der Theaterregisseur Adolf Dresen.

Im Alter von zwölf Jahren bekommt Andreas Dresen von ihnen eine Schmalfilmkamera geschenkt.

Er entdeckt seine Liebe zum Film, zum Geschichtenerzählen in Bildern. An der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Babelsberg (HFF), die ihn erst nach mehreren Anläufen für das Regiestudium akzeptiert, lernt er die Grundlagen des Handwerks.

Die ersten anderthalb Jahre an der HFF sind ausschließlich dem Dokumentarischen gewidmet, was den Filmstudenten zunächst verärgert: Nach dem Warten auf den Studienplatz darf er nicht gleich mit einem Spielfilm loslegen.

Rückblickend sagt Dresen, dass ihn dieser dokumentarische Ansatz gelehrt hat, sich zuerst gründlich mit der Wirklichkeit auseinanderzusetzen, bevor er sich ans Filmen macht.

Eine empathische und im Detail genaue Verbundenheit mit seinen Figuren, ihren Milieus, ihren Hoffnungen und ihren Schwächen, wiedergegeben in einem liebevollen Realismus, das ist das Erkennungszeichen des Kinos von Dresen. Auch in "Wolke 9", mit dem der Regisseur nun zum ersten Mal auf das Filmfestival von Cannes reisen durfte, stehen für ihn typische Helden im Mittelpunkt. Der Film erzählt so anrührend wie offenherzig die Liebesgeschichte zwischen der verheirateten Inge und dem alleinstehenden Karl, sie Mitte sechzig, er jenseits der siebzig.

In Cannes hat Dresen für diese Leistung am Sonntag den Sympathiepreis "Coup de Coeur" verliehen bekommen. Da musste er das tun, was er ausgesprochen ungern macht: im Mittelpunkt stehen und das Blitzlichtgewitter aushalten. Aber vielleicht hat ihn diese Ehrung auch ein kleines bisschen versöhnt mit dem Festivalbetrieb.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de