Festival für Journalisten und Programmierer: "Das Netz der Macher fördern"

Wie sollen Journalismus, Filmemachen und digitaler Aktivismus in Zukunft organisiert werden? In London basteln Programmierer und Journalisten gemeinsam an Lösungen.

Nur nicht verheddern: Netz und Mensch. Bild: AllzweckJack / photocase.com

LONDON taz | Bilal Randeree weiß, wie schwierig es ist, Großereignisse im Netz zu organisieren. Der Online-Redakteur des arabischen Fernsehsenders al-Dschasira hatte über die Ereignisse während des Arabischen Frühlings zahlreiche Live-Blogs organisiert, auf die weltweit mit Spannung geschaut wurde - zehn Stunden am Tag Neues aus Ägypten, Libyen, Jemen oder Syrien, Aktualisierungen alle paar Minuten.

Randeree und seine Kollegen merkten bald, wie schnell ihre Idee eines Liveblogs an ihre Grenzen kam - etwa dass der Text schnell zu einem vollkommen unübersichtlichen, kilometerlangen Informationswust gerät, dessen Nachladen mehrere Minuten dauerte.

Auch der Programmierer Alastair Dant kennt derartige Probleme. Er und sein Entwicklerteam arbeiten für die britische Zeitung Guardian daran, den Wust von Artikeln zu einem wichtigen Metathema zu organisieren - so, dass es für den Leser nicht nur gut aussieht, sondern auch leicht verständlich ist.

Dass Echtzeit-Berichterstattung im Netz zahllose Vorteile gegenüber der in traditionellen Medien bietet, ist für Leute wie Randeree und Dant so klar, dass es schon fast zu banal ist. Redaktionsschluss und feste Ausstrahlungstermine, Zeilenbegrenzung oder Beschränkung auf ein einziges Medium - all das fällt im Netz weg.

Gleichzeitig wird es, je komplexer, schneller und gleichzeitiger die digitale Berichterstattung ist, immer komplizierter, sie so zu organisieren, dass Leser und Journalisten sich in dem dicken Strom an Informationen nicht verheddern.

Randeree und Dant haben ihre Erfahrungen mit alldem vorgestellt - und jetzt wollen sie an ein paar Lösungen arbeiten. Gemeinsam mit den gut 40 Interessierten, die zu ihrer "Design Challenge" zum Organisieren von Real-Time-Reporting gekommen sind, auf einer Konferenz, die die Stiftung hinter der Open-Source-Software Mozilla in London organisiert.

Ein Programmierer gratis

Das //mozillafestival.org/:"Mozilla Festival" soll eine Plattform sein, darüber nachzudenken, wie der Journalismus, das Filmemachen, aber auch der digitale Aktivismus der Zukunft organisiert werden kann. Es ist keine klassische Konferenz, wo man von einer nicht abreißenden Reihe von Vorträge berieselt wird. Sondern eine, in der alle rund 500 Teilnehmer aufgefordert sind, nachzudenken, mitzuarbeiten, Lösungen zu basteln.

Natürlich geht es auch darum, ein paar Aktionen und Innovationen der Stiftung zu promoten - etwa eine neue Software, mit der Filmemacher in ihrem Browser 3-D-Animationen berechnen können. Oder die Tatsache, dass die Mozilla-Stiftung, gemeinsam mit der US-amerikanischen Knight-Foundation, verschiedenen Medien wie dem Boston Globe oder dem Guardian ein Jahr lang je einen Programmierer bezahlt, der an innovativen Webprojekten arbeiten soll.

Wie eine derartige Zusammenarbeit im besten Falle aussehen kann, kann man auf dem Festival beobachten - wo Programmierer und Journalisten, wie sonst so häufig im Arbeitsalltag, nicht zäh miteinander ringen, was möglich ist und was nicht. Sondern sich daranmachen, Lösungen zu finden: In einer Ecke arbeiten Leute tief über ihre Rechner gebeugt an einem Handbuch über Datenjournalismus, das bis zum Ende des Treffens fertig gestellt sein soll.

Ein paar Stellwände weiter diskutiert der Boston Globe Ideen für iPad-Anwendungen. Und während in der Lobby Baristas hübsche Muster auf kostenlosen Kaffee schäumen, wird nebenan eine Software präsentiert, die in einer Audio-Sendung aus jedem Wort einen Link bilden kann.

"Wir wollen das Netz der Macher fördern", sagt Mitchell Baker, Chefin der Mozilla-F - und so verhindern, dass das Netz zu einem Ort wird, an dem Nutzer lediglich das konsumieren, was bereits da ist.

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