Editorial: Afrika sucht Partner – Europa sucht sich selbst
Die Klagen über Niedergang und Verfall hierzulande lassen die globalen Maßstäbe leicht in Vergessenheit geraten. Dabei ist die Wirtschaftsleistung Deutschlands allein heute etwa anderthalbmal so groß wie jene Afrikas – obwohl dort 20-mal mehr Menschen leben. Die EU erwirtschaftet sogar etwa das Achtfache – bei nur gut einem Viertel der Einwohnerzahl. Welche Verpflichtungen stecken in diesem Reichtum? Und welche enormen Möglichkeiten eröffnet er für eine Partnerschaft mit dem afrikanischen Kontinent: für die Bekämpfung von Armut, die grüne Transformation und nachhaltige Entwicklung?
Doch Europas hoch nervöse Gesellschaften sind heute vor allem mit sich selbst beschäftigt: Sie haben Angst vor Russland, fühlen sich von den USA verlassen, sind gespalten durch den Aufstieg der Rechtsextremen, überwältigt von der Klimakrise und überfordert vom Umgang mit der Migration.
Für eine engagierte Nachbarschaftspolitik, die Europas und Afrikas Zukunft gemeinsam gestaltet, fehlen Mut und Wille. Andere Akteure füllen dieses Vakuum: Russland mit Militärkooperation, China mit Infrastruktur, die Golfmonarchien mit Investitionen. Oder sie wenden sich ab – wie die USA.
Seit April 2026 haben Print-, TV- und Radiojournalist:innen aus 16 afrikanischen Ländern beim 5. taz Panter Afrika Workshop darüber nachgedacht, wie sich das Verhältnis ihres Kontinents zu den großen Mächten verändert. Sie haben auf ihre eigenen Länder geschaut und gefragt: Welche Chancen bieten neue Kooperationen? Welche Gefahren entstehen durch neue Abhängigkeiten? Und welche Rolle wünschen sie sich von Europa?
Die Antworten finden Sie in der neuen, 68-seitigen, zweisprachigen Ausgabe des transcontinental-Magazins, das Sie unter stiftung@taz.de bestellen können. Eine Auswahl der gekürzten Texte lesen Sie in dieser Beilage. Wir wünschen viel Vergnügen!
Christian Jakob & Ole Schulz
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen