Drei Fragen, drei Antworten

Parteilos und etwas dickköpfig

2008 ernannte ihn eine überwältigende Mehrheit zum Oberbürgermeister von Grimma. Wir haben Matthias Berger gefragt, was meinland für ihn bedeutet.

In Grimma bewegt sich mehr als auf diesen Straßen Bild: Torben Becker

taz: Herr Berger, Ihnen zufolge muss man als Oberbürgermeister„leidenschaftlich und etwas dickköpfig“ sein. Wie leidenschaftlich ist meinland?

Matthias Berger: Voraussetzung für die Art Beruf beziehungsweise Tätigkeit ist ein hoher Grad an Identifikation mit dem, was ich tue. Deshalb ist die Leidenschaft für den eigenen Ort als Bürgermeister unabdingbar. Dickköpfigkeit meint, eine Meinung zu haben und durchzusetzen. Leider ist es so, dass oft die besten Ideen zum Anfang die größte allgemeine Ablehnung erfahren. Hier muss man eben für seine Überzeugung manchmal „dickköpfig“ kämpfen.

Was bedeutet meinland für Sie?

ist Oberbürgermeister der Stadt Grimma und bekannt dafür, mit seiner Meinung selten hinterm Berg zu halten.

In erster Linie sehe ich mich als Europäer, dann als Deutscher, dann als Sachse. Es gibt gewisse geschichtlich bedingte Prägungen, zu den man stehen sollte. Die Prioritäten dabei muss jeder für sich festlegen.

Sie sind Rechtsanwalt. Welche Rolle spielt für Sie die Justiz mit Blick auf meinland?

Genauso wichtig und prägend wie meine juristische Ausbildung war meine DDR-Armeezeit und meine Forstfachwirtausbildung. Diese Vielfalt an Lebensstationen ist ein riesiger Erfahrungsschatz, auf den ich als Bürgermeister gern zurückgegriffen habe. Die juristische Ausbildung hilft beim Überleben in unserem Verwaltungsrechtsstaat.

Die Rolle der Justiz ist deshalb zunehmend bedenklich zu sehen, weil diese verstärkt die Rolle der Politik übernimmt, indem sie durch ihre Entscheidung in die der Politik eingreift. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob bei Prozessdauern von über zehn Jahren von einem funktionierenden Rechtsstaat die Rede sein kann.

Das Interview führte TORBEN BECKER, Redakteur von taz.meinland