Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Man kann sich seine Bündnispartner nicht immer aussuchen. Das heißt heute, gemeinsam mit Putin gegen die Pläne der Nato zu sein, deren Aggressivität Merkels Büttelei nicht verdecken kann.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

Friedrich Küppersbusch: Deutschland gibt nur 0,36 Prozent vom BSP für Entwicklungshilfe aus, Norwegen zum Beispiel 0,97 Prozent.

Was wird besser in dieser?

In absoluten Zahlen ist Deutschland damit zweitgrößter Entwicklungshelfer der Welt.

Die Nato will mittelfristig die Ukraine und Georgien aufnehmen. Putin tobt. Zu Recht?

Beide Länder müssten die Hälfte der Nato angreifen und überrollen, damit ihre Armeen mal den Nordatlantik zu sehen bekommen, zu dessen Verteidigung das Bündnis zu existieren vorgibt. Auch Merkels beflissene Büttelei, es handele sich unterdes um ein "Bündnis gegen den Terror", glaube ich, sobald Schäuble zur Abwehr von NPD-Schlägern ukrainische Truppen ins Land holt. Ein Monopolbündnis der US-Vasallen bedeutet ein Ungleichgewicht des Schreckens, auch wenn Putin noch aus weiteren, weniger ehrenwerten Gründen dagegen sein mag. Er hat recht.

Aber wird Russland letztlich nicht doch die normative Kraft des Faktischen akzeptieren ?

Das brächte alle die, die auf eine UN-geführte Blauhelmarmee hoffen, um ihren letzten machtvollen Verbündeten. Alles, was nicht mit Stäbchen isst, in ein Bündnis zu schanghaien, ist eine aggressive Strategie. Die Duldungsstarre und sogar Kooperation der Russen in Afghanistan zeigt, dass sie selbst bei höchst zweifelhaft begründeten "Weltpolizei"-Einsätzen nicht das große Problem sind, das die USA etwa im Irak darstellen. Wer eine leidlich völkerrechtsgesteuerte UN-Armee will, muss mit Putin gegen die pervertierte Nato angehen. Man kann sich seine Verbündeten nicht immer aussuchen.

Bis zu 100 Lobbyisten arbeiten seit 2004 in Bundesministerien, bezahlt von Konzernen, und schrieben an Gesetzen mit. Ganz normal findet das die Bundesregierung. Ein Skandal?

Nein, es sind zwei. Erstens: Der gegnerische Stürmer im eigenen Strafraum soll wohl vor Lachen umfallen, wenn man ihm dort einen roten Teppich ausrollt und Getränke reicht. Der Lobbyist heißt so, weil er über den Wandelsaal vor dem Parlament nicht rauskommt und rauskommen darf ins eigentliche Parlament. Wenn Lobbyisten irgendetwas können, was Regierungsbeamte allein nicht auf die Reihe bekommen, dann brauchen wir bessere Regierungsbeamte. Zweitens: Die schämen sich nicht mal ! Ministerien mit dem Pappschild "Heute wieder Selbstbedienung" sollten dann konsequent komplett von der Industrie bezahlt werden.

Die CSU kriselt, die Beck-SPD sowieso, die FDP redet sich die Lage schön. Ist die Krise der Normalzustand von Parteien?

Die Krise der anderen ist der Normalzustand von Frau Merkel. Sie sitzt am Fluss und wartet, bis die Leichen ihrer Feinde vorbeischwimmen.

Union und SPD verlieren stetig Mitglieder. Endet die Ära der Volksparteien?

Die Deutschen wehren sich gegen eine Zwangsvermittlung wie in den USA. Das europäische Modell scheint eher Auffächerung zu sein als Ununterscheidbarkeit. Allerdings machen die Medien der Union den Durchmarsch ein bisschen leicht, wenn sie eilfertig vom Fünfparteiensystem schreiben - eine dominante konservative Partei, ein prächtig gelaunter Blinddarm und drei mehr oder minder linke Parteien sind kein tolles neues System. Die Linke ist nicht aus der Pflicht entlassen, ihre Mehrheit auch politisch umzusetzen.

In Hessen regiert Roland Koch geschäftsführend weiter. Wären Neuwahlen richtig?

Wenn man Koch als MP will: ja.

Es gibt wieder Streit übers NPD-Verbot. Sollte man akzeptieren, dass es die NPD gibt, und sie politisch bekämpfen?

Man sollte die Lobbyisten aus den Bundesministerien zur Bewährung in die NPD schicken. Dort treffen sie viele Mitarbeiter des Bundes, die sie dann beraten können. Eine so aufgewertete NPD kann man an die Comedy-Abteilung eines ausländischen Senders verkaufen. Fertig.

Und was macht Borussia Dortmund?

20.000 Karten auf über 200.000 Bewerber fürs Pokalfinale: Jeder fragt jeden "Hasse noch ne Katte". Und keiner hat.

FRAGEN: STEFAN REINECKE

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