Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Jung spart bei Versicherungen, Wiedeking spart nicht bei Journalisten und Autos sollten verstaatlicht werden.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

Friedrich Küppersbusch: Kein Radweg bei Quast.

Was wird besser in dieser?

Planung "Berlin-Usedom 2010" beginnen.

In Afghanistan läuft die bislang größte Bodenoffensive der Bundeswehr. Jung will immer noch nicht vom Krieg sprechen. Wie nennen Sie das ?

Sparsam. Lebensversicherungen zahlen nur aus, wenn die Opfer nicht durch "aktives Kriegshandeln" umkamen. Brunnenbau schützen, korrekt sterben; Taliban angreifen - Herr Kaiser von der Humbug-Mülleimer ist raus. Die Süddeutsche zitiert einen Versicherungsexperten: "Ein richtiger Krieg ist praktisch nicht versicherbar." Ein falscher auch nicht. Sprächen Jung und Alt also von "Krieg" und "Gefallenen", müsste langfristig die Bundesregierung eintreten. Daneben schrecken die Begriffe natürlich und enttarnen das Orwellblech von Schröderfischer: Die Bundeswehr sei jetzt praktisch der bewaffnete Arm des Roten Kreuzes, Deutschlands Freiheit werde verteidigt, bis der Hindu kuscht. Aber wie sagt schon das Sprichwort: Im Dingens stirbt zuerst die Wahrheit.

Friedrich Küppersbusch ist Fernsehproduzent und wird von der taz jede Woche zum Zustand der Welt befragt.

Das Chaos bei der S-Bahn dauert an. Brauchen wir Hartmut Mehdorn zurück?

Damit das Grauen einen Namen hat? Wenn in ein, zwei Jahren zwei Drittel der AirBerlin-Maschinen aus technischen Gründen nicht mehr starten dürfen, hat er dort auch Wesentliches geleistet. Mehrdorns Administration hat die profitable und für die städtische Ökologie fundamentale S-Bahn ausgeplündert. Billigzüge gekauft,Wartung und Werkstatt abgebaut: Erstaunlich, dass die Bahn-Manager das notorische "Zurückbleiben, bitte" so persönlich genommen haben. Nun haben diese Zurückgebliebenen aber mithilfe von Bild den Hauptschuldigen gefunden: "Endlich haut Wowereit dazwischen. Er hätte schon längst eingreifen können, ja müssen !" Langsam nervts, wie notgeil Bild auf Verstaatlichung ist.

Sagen Sie doch bitte mal etwas Nettes über Peter Harry Carstensen.

Er tut so, als habe die SPD noch so viel Substanz, dass man mit ihr streiten und uneins sein könnte. Merkel dagegen koaliert ihre SPD in Grund und Boden.

Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat angekündigt, notleidende Journalisten unterstützen zu wollen. Würden Sie das Geld annehmen?

Da er Journalistenversorgungswerke in Hamburg, Niedersachsen (= Hannover & umzu) und vor der Haustür in Baden-Württemberg bedenken will, mag feine Ironie mitschwingen. Seis drum, Wiedeking war der Lieblingsautomanager der deutschen Medien und spielte diese Trumpfkarte clever: Während die anderen nörgelten und jammerten, schlug er einmal im Jahr bevorzugt im Stern auf, riet den Kollegen, bessere Autos zu bauen und wie Porsche tüchtig Dollar zu verdienen. Das mochten die Journalisten, und das zahlte erheblich auf die Marke Porsche ein. Um den Preis, dass die anderen übelnahmen. Wenn ein Manager aus seiner Abfindung Dukaten aus der Kutsche unter die Plebs streuen kann, ist es Geld, das vorher Mitarbeitern und Kunden abgegaunert wurde.

Ist Ihnen auch so schwindelig von all den 3-D-Effekten im neuen ZDF-Nachrichtenstudio?

Das ist Modeware, alle paar Jahre erfindet jemand die olle Blaustanze neu. Braucht kein Mensch, wir sind halt ne Nation von Ingenieurskindern. Verbirgt gut das eigentlich Revolutionäre: "Heute" sourct den Talk nicht aus wie die ARD ("Christiansen", nun "Anne Will") , sondern integriert die dritte Säule. Neben Nachricht und Spin, Hintergrund eben der Mensch des Tages oder der Gast als Nachricht. Das ist langfristig das stabilere Konzept; Anchormenschen bestehen ein bisschen aus Haltung, ein bisschen aus historischen Ereignissen, und zu einem Drittel sind sie so wichtig wie die Gäste, die sie vorzuweisen haben. Die andere Hälfte eines erfolgreichen News-Hosts ist die, dass er gestern auch da saß.

In Brandenburg werden still und heimlich Seen privatisiert. Skandal?

Absolut! Wir hatten eine tolle Station am Werbellinsee im "Café Wildau", in den "Glambecksee" bin ich sofort gesprungen. Nur am Oberuckersee ist ein Auto-Flegel so dullendoof nah an uns rangerast, dass meine Liebste im Graben und der Resturlaub auf Wiedervorlage landete. Privatisiert diese Seen nicht, verstaatlicht lieber die Autos !

In Nachterstedt rutschen Teile einer Siedlung in den Abgrund. Altlasten des Bergbaus. Warum stehen Kanzlerin und Kanzlerkandidat nicht längst mit Gummistiefeln vor Ort?

Hm, schön gedacht, aber ob der Abgrund beim Verschlingen auch Auftragsarbeiten macht ?

Und was macht Borussia Dortmund?

Die Bevölkerung der Stadt hatte gestern nach Wochen haltloser Pflichtvergessenheit erstmals wieder korrekte Dienstkleidung angelegt. Wegen des 100-Jahre-Kleinturniers, kaum mehr als eine historisierte Saisonvorbereitung, und der Präsentation der neuen Mannschaft auf dem Friedensplatz. Neben etwas Orange (CDU) und etwas Hellblaurot (SPD) klarer Sieger im Kommunalwahlkampf - Schwarzgelb.

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