Biathlon-WM: Angst vor Dopingverdacht

Am Freitag beginnt in Schweden die Biathlon-WM. Nach Berichten der ARD über Doping-Tourismus mahnt Teilnehmerin Kati Wilhelm zu Vorsicht.

Kati Wilhelm, dreimalige Olympiasiegerin im Biathlon. Bild: reuters

Die Werbebotschaft von Kati Wilhelm für die WM-Gastgeberin könnte zwar etwas euphorischer ausfallen, aber immerhin: "Östersund ist nicht so hässlich - also die Umgebung", sagt die 31-jährige Biathletin, die in ihrer Karriere schon herumgekommen ist. Und dass es für die deutschen Anhänger etwas weiter ist als bei der letzten WM in Antholz und Hochfilzen - geschenkt. "Viele Deutsche lassen sich von der längeren Distanz nicht abschrecken", ahnt Wilhelm. Kürzlich habe sie sogar von einem Fanzug gelesen, der an den beiden WM-Wochenenden von Berlin nach Östersund fahren wird.

Schlachtenbummeln zum professionellen Scheibenschießen - in Deutschland ist das en vogue. Das soll auch so bleiben, und deshalb jaulten die Verantwortlichen im Deutschen Skiverband (DSV) laut auf, als ARD-Mann Hajo Seppelt Mitte Januar von etwa 20 deutschen Sportlern aus den Disziplinen Biathlon und Langlauf berichtete, die unter dem Verdacht stünden, in einem Wiener Labor Blutdoping betrieben zu haben. Die Namen der Betrüger sind zwar bis heute nicht publik. Beim DSV und seinen Athleten herrschte dennoch sofort helle Aufregung.

"Das Thema hat uns ziemlich beschäftigt", sagt Kati Wilhelm. Zumal ihr bei der ersten Nachricht über den Doping-Tourismus durch den Kopf schoss: Und wenn das stimmt? "Da war schon das Gefühl, dass da etwas dran sein müsste, wenn die ARD so etwas behauptet." Auch wenn es innerhalb der Mannschaft Vorbehalte gegen Seppelt gab. Denn mit dem Besuch des öffentlich-rechtlichen Dopingfahnders im finnischen Trainingslager der deutschen Biathleten im Herbst 2006 schlich sich das Misstrauen gegenüber dem Journalisten ein. Bild und Ton, beklagten einige Skijäger, hätten in Seppelts Film nicht übereingestimmt. Mit anderen Worten: Ihre beim Volk so beliebte Disziplin sei benutzt worden. "Biathleten nimmt man in so einem Fall sehr gerne, weil sie bekannt sind", sagt Wilhelm, "es ist natürlich interessant, wenn im Zusammenhang mit Doping ein Olympiasieger über den Bildschirm flimmert."

Hajo Seppelt, gegen den der DSV eine einstweilige Verfügung beim Landgericht Hamburg erwirkt hat, will sich zum Thema momentan nicht äußern. Muss er auch nicht, die Insel der Glückseligen hat der Biathlonsport ohnehin längst verlassen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, wann sich die Zunft der Skijäger wegen des nächsten entlarvten Sünders beschämt in die Ecke stellen muss.

Wie für die Russin Olga Pylewa, die bei den Olympischen Spielen in Turin des Dopings überführt worden war, für zwei Jahre gesperrt wurde - und Ende Februar bei der Biathlon-EM in Nove Mesto womöglich ihr Comeback geben wird. Der russische Verband jedenfalls hat der 32-Jährigen einen Einsatz ohne Qualifikation zugesagt.

Geläuterten Betrügern eine zweite Chance zu geben, so wie Pylewa - damit ist Kati Wilhelm im Prinzip einverstanden: "Ich bin, ehrlich gesagt, dafür, zu sagen: Okay, da hat eine ihre Strafe abgesessen." So dachte die Thüringerin auch, als die Finnin Kaisa Varis, bereits 2003 - damals noch als Langläuferin wegen Epo-Missbrauchs für zwei Jahre gesperrt - im Sommer 2006 zu den Biathleten wechselte. Inzwischen ist die 32-Jährige als Wiederholungstäterin überführt - und Kati Wilhelm wird angst und bange, wenn sie an diesen Fall denkt. "Sehr geschockt" habe es sie, als der Finnin im Januar die Einnahme von gentechnisch verändertem Epo nachgewiesen wurde: "Das ist schon krass, dass jemand so weit geht."

Schließlich wirft so viel Dreistigkeit einen dunklen Schatten über die gesamte Branche - und da wird man automatisch vorsichtig. "Als die Meldung über das Wiener Blutlabor kam, dachte keiner bei uns daran, dass einer von uns involviert sein könnte", sagt Wilhelm. Zumal man als dopender Sportler ja auch das entsprechende "Netzwerk" kennen müsse. "Es hängt bei uns", sagt die dreimalige Olympiasiegerin arglos, "ja kein Schild aus, auf dem steht: In Wien gibt es frisches Blut, da fahren wir mal hin." Kati Wilhelm jedenfalls sind solche kriminellen Netzwerke offensichtlich unbekannt - und so hat sie auch einen frommen Wunsch für die bevorstehenden Tage: "Ich hoffe auf eine saubere WM und wäre sehr enttäuscht, wenn da noch mal etwas auftauchen würde." Weiter will sie nicht denken, denn: "Man hat ja an den Dopingfällen im Radsport gesehen, was da alles dranhängt - und was das auch finanziell für Folgen haben könnte."

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de