Beratung in der Finanzkrise: Paulson ruft zur Weltfinanzkonferenz

Am Wochenende beraten G 7, IWF und Weltbank weitere Maßnahmen zur Bankenrettung. Der DAX verliert 2,5 Prozent.

US-Finanzminister Henry Paulson schloss am Mittwochabend eine Teilverstaatlichung von Banken nicht aus. Bild: dpa

BERLIN rtr/taz An den Börsen in Asien und Europa ging es auch am Donnerstag turbulent zu. So verlor der DAX am Ende 2,53 Prozent, obwohl er bis zum Nachmittag stabil schien. Der Dow Jones lag bis Redaktionsschluss auf Vortagskurs, Japans Nikkei-Index verlor nach seinem Rekordminus von über 9 Prozent am Mittwoch gestern weitere 0,5 Prozent.

Nachdem am Mittwoch die Leitzinssenkungen von sechs großen Notenbanken fast wirkungslos verpufft waren, setzen die Finanzmärkte ihre Hoffnungen nun offenbar auf das Treffen der G-7-Finanzminister am Freitag. Die USA forderten die großen Industriestaaten zu einem gemeinsamen Kampf gegen die Finanzkrise auf. Dabei schloss US-Finanzminister Henry Paulson am Mittwochabend eine Teilverstaatlichung von Banken nicht aus. Das 700-Milliarden-Dollar-Hilfspaket gebe ihm das Recht, direkt Kapital in das Bankensystem zu speisen. Ebenfalls am Mittwochabend hatte Paulson eine Weltfinanzkonferenz vorgeschlagen, an der auch die wichtigsten Schwellenländer teilnehmen sollten.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück nannte als wichtigstes Ziel des G-7-Treffens, die Bilanzierungsregeln für Banken schleunigst zu flexibilisieren. Im Kern geht es darum, dass europäische Banken - wie die in den USA - für zurzeit unverkäufliche Wertpapiere Anschaffungswerte ansetzen dürfen. Bisher müssen sie die Derivate auf niedrigste Werte abschreiben und dabei oft Milliardenverluste verbuchen.

Inzwischen haben drei weitere Zentralbanken - Südkorea, Hongkong und Taiwan - ebenfalls ihre Leitzinsen gesenkt. Die japanische Zentralbank blieb bei dem bisherigen Zinssatz, stellte dem Geldmarkt jedoch weitere Liquidität in Rekordhöhe zur Verfügung. Am 17. Handelstag in Folge pumpte sie 29,2 Milliarden Euro in den Markt. Das war die bislang größte Tagesoperation zur Bereitstellung zusätzlicher Liquidität. EZB-Chef Jean-Claude Trichet rief die Börsianer zur Vernunft auf. Es herrsche ein "exzessiver Pessimismus" vor, der ein "sehr schlechter Ratgeber" sei, sagte er.

Der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek hat das Verhalten der EU in der internationalen Finanzkrise scharf kritisiert. "Was während der letzten paar Tage passiert ist, beschädigt das Vertrauen in die EU mehr als alles andere vorher." Der konservative Regierungschef bezog sich dabei auf diejenigen EU-Staaten, die per Staatsgarantie Bankeinlagen vollständig absichern. Dieser "unverschämte Schritt" führe dazu, Guthaben zu verlagern und damit die Liquidität in einem Land auf Kosten eines anderen Staates zu stärken, sagte Topolanek. Die Union zeige sich unfähig, die Krise vernünftig zu lösen. In Tschechien wie auch den anderen osteuropäischen EU-Mitgliedsländern haben sich die Bankensysteme seit dem Ausbruch der Finanzkrise bisher als stabil erwiesen.

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