BR-Moderator über CSU-Satire: "Stoiber war ein gefundenes Fressen"

Der Moderator des satirischen Politmagazins "quer" über unfreiwillige Komik in der CSU - und warum der designierte Parteichef Seehofer kein leichtes Opfer ist.

Befindlichkeiten einer bayerischen Seele: "Stoiber" erklärt die Welt. Bild: quer

taz: Herr Süß, ist Horst Seehofer ein geeignetes Satireobjekt?

Christoph Süß: Alles ist potenziell Satireobjekt, auch Herr Seehofer. Der kommt jetzt als messianischer Erlöser und Erneuerer auf den Plan, und das wird schon auch noch spannend. Die CSU hat ja bei den Bauern unglaublich viel verloren, mehr als die SPD jemals auch nur annähernd in Bayern gehabt hat. Und der Horst Seehofer war ja, wenn ich mich recht entsinne, irgendwann einmal Landwirtschaftsminister. Das fällt bestimmt irgendwann jemandem auf.

Wie sehr hat Sie denn Edmund Stoibers vorläufiges Ende getroffen? Die Stoiber-Parodie war ja sehr prominent in "quer".

Getroffen gar nicht. Man muss einfach akzeptieren, dass die Welt sich dreht. Aber er war natürlich immer lustig. Also unfreiwillig. Und jemand, der so eine wunderbare Mischung herstellt aus tatsächlicher Kompetenz und erstaunlichen Fähigkeiten und gleichzeitig aber auch so offensichtlichen Blindheiten - das ist schon sehr schön. Edmund Stoiber war für das ganze Land ein gefundenes Fressen. Insofern ist es schade, dass er nicht mehr da ist. Aber mei, da muss man mit der Zeit gehen. Dann kommt halt wieder was Neues.

Trauern Sie Ministerpräsident Günther Beckstein und CSU-Chef Erwin Huber nach - rein beruflich natürlich?

Gerade um den Huber ist es schon schade. Der ist natürlich lustiger als der Beckstein. Der Herr Beckstein verfügt halt über etwas, was ihn satirisch auch weniger angreifbar macht, nämlich über Humor und die Fähigkeit zur Selbstironie. Das macht die Angriffsfläche kleiner.

Huber, Stoiber und Seehofer sprechen Sie Humor eher ab?

Nein, dem Seehofer nicht. Der beherrscht sogar die Kunst, dass man, wenn man mit ihm spricht, tatsächlich das Gefühl hat, es würde ein Gespräch stattfinden. Das war zum Beispiel bei Edmund Stoiber nicht so. Man sagt was, was aber nicht ankommt, und von Stoiber kommt etwas völlig anderes zurück.

Sie als Moderator eines kritischen BR-Magazins, Herr Süß…

Ja.

Wie drückt man das aus? Ihr Sender gilt ja nun nicht als übertrieben regierungskritisch.

Ja.

Bleibt das so, wenn die CSU nicht mehr allein regiert?

Na ja, es hat ja schon eine Veränderung stattgefunden. Auch die anderen Politmagazine und Talkrunden stammen nicht mehr aus Zeiten, in denen CSU und Nachrichtensprecher eins gewesen sind. Das hat sich schon modifiziert, einfach dadurch, dass eine Generation von nicht mehr so stark parteigebundenen Leuten nachwächst, die im Gegensatz zur Elterngeneration nicht mehr auf Gedeih und Verderben eingeschworen ist.

Aber man kann schon festhalten, dass "quer" im BR-Kontext nach wie vor ungewöhnlich ist, oder?

Wir haben die ganze Zeit den Honig daraus gesogen, dass wir im BR senden. Weil eben ein Klischee über den BR besteht und viele dann gesagt haben: Ui ui ui, ausgerechnet. Rebellentum! Dass ihr das dürft! Aber na ja, wir machen halt unsere Arbeit - und ja: Freilich dürfen wir das. Das Image des Senders, das wir offensiv nicht bedient haben, hat uns immer geholfen. Aber tatsächlich ist unser Rebellentum gar nicht so wild. Es gab ja nie einen Erschießungsbefehl.

INTERVIEW: KLAUS RAAB

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