Arte-Dokumentation: Schmutziges Gold

Ein Schatz aus dem 2. Weltkrieg soll die japanische Mafia und den Kalten Krieg der CIA in Asien finanziert haben. Die am Mittwoch um 21 Uhr gezeigte Doku überzeugt aber nicht wirklich.

Wo ist das Gold geblieben? Eine Arte-Doku will Antworten geben. Bild: dpa

Die Geschichte der deutschen Bereicherung im Zweiten Weltkrieg wurde in den vergangenen Jahren oft erzählt - es ging um Raubkunst, Raubgold und Unternehmerdynastien. Da liegt es nahe, sich zu vergegenwärtigen, dass in Asien Deutschlands Verbündeter Japan einen ähnlich rücksichtslosen Eroberungskrieg führte. Der Journalist Egmont R. Koch, Autor des gerade erschienenen Buches "Die CIA-Lüge - Folter im Namen der Demokratie", hat sich auf die Suche begeben und "Schmutziges Gold" gefunden - und recherchiert, dass der amerikanische Geheimdienst auch damals seine Hände im Spiel hatte.

Kochs zentrale These im Film (WDR 2007) lautet: "Der sagenhafte Goldschatz finanzierte () den Aufstieg Sasakawas und Kodamas zu Unterweltbossen, den Kalten Krieg der CIA in Asien und am Ende wohl auch die Millionenspenden Sasakawas in der ganzen Welt." Ryoichi Sasakawa und Yoshio Kodama werden als Kriegsverbrecher und spätere Bosse der japanischen Mafia vorgestellt, mit denen die Amerikaner nach Kriegsende einen Deal verabredet hätten: Freiheit gegen einen Teil des Goldes.

Koch erzählt das entlang der Schatzsuche des Ex-US-Generals John Singlaub: Der sucht Ende der 80er-Jahre im Regierungsauftrag nach dem Raubgold, um damit die Contras in Nicaragua und andere rechtsgerichtete Guerillaorganisationen auf dem kleinen Dienstweg zu unterstützen. Die Suche bleibt ergebnislos, denn das "Schmutzige Gold" hat die ihm von Singlaub zugedachte Bestimmung ja schon 40 Jahre früher erfahren - tolle Pointe. Da hat wohl die hausinterne Kommunikation bei den Amerikanern nicht funktioniert.

Der Autor führt für seine brisanten Erkenntnisse erst 2005 freigegebene Dokumente aus dem US-Nationalarchiv ins Feld: "Sie werden hier erstmals gezeigt." Letztlich basieren seine durchaus plausiblen Folgerungen aber vor allem auf den Lebenswegen der beiden Japaner und wenigen Indizien. Einer von drei Professoren für japanische Geschichte, die zu Wort kommen, sagt: "Das alles lässt sich natürlich schwer beweisen."

Und weil das so ist, Egmont R. Koch aber trotzdem überzeugen will, spielt er die ganze Klaviatur dokumentarischen Fernsehens: Ein reißerischer Kommentar tendiert ins Superlative, Singlaubs Reise muss gleich "die größte Schatzsuche aller Zeiten" sein. Mittelmäßige Schauspieler geben in nachgestellten Szenen die erfolglosen Schatzsucher (Reenactment!). Gongschläge und XXL-Trommeln bedienen die Klischees fernöstlicher Musik. Die Liste ließe sich fortsetzen. Egmont R. Kochs Umsetzung eines an sich spannenden Themas kann als exemplarisch für den Zustand der dokumentarischen Formate im deutschen Fernsehen gelten. Leider. Jens Müller

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de