Albanien/Kosovo: Programm der Reise

vom 27. August bis 5. September 2021

In der Altstadt von Prishtina (Kosovo) Bild: Michael Schulte

1. Tag (Kosovo)

Individuelle Anreise nach Prishtina, in die Hauptstadt des Kosovo. Am Nachmittag (ab 16 Uhr) trifft sich die Reisegruppe im Hotel. Reiseleiter Erich Rathfelder und Nita Hasani stellen sich vor. Erich Rathfelder wird das Programm erläutern und in das Thema die „albanische Frage“ einführen.

Gerade in letzter Zeit wurde dieses Thema wieder aktuell. Nach der Enttäuschung angesichts der stockenden Gespräche über die Integration Kosovos in die EU und angesichts des diskriminierenden Visazwangs für Kosovaren stellt sich die Frage, ob die Stimmung in der Bevölkerung in Richtung „Vereinigung Kosovos mit Albanien“ umgekippt ist. Auch könnte im Sommer die Diskussion über den Gebietsaustausch mit Serbien neue Wellen schlagen.

Anschließend erhalten Sie bei einem kleinen Stadtrundgang erste Eindrücke von Prishtina und der Komplexität der Gesellschaft. Dann geht es zu dem historischen Restaurant an dem Ort, wo die demokratische Widerstandsbewegung der Kosovoalbaner 1989 entstanden ist. Übernachtung in Prishtina.

Im Zentrum von Prishtina Bild: Michael Schulte

2. Tag (Kosovo)

Vormittags treffen wir die bekannte Journalistin und Professorin Evljana Berani, deren kritische politische Position in Kosovo eine große Rolle spielt. Mit ihr werden wir uns über den politischen Status des Kosovo und die Entwicklungen seit der staatlichen Unabhängigkeit 2008 auseinandersetzten und über die aktuellen Entwicklungen sprechen.

Anschließend besuchen wir die  große, neue katholische Kathedrale im Zentrum, die anzeigt, dass Kosovo eine multireligiöse Gesellschaft hat. Wir werden außerdem das Nationalmuseum sowie eine Moschee besuchen. Abends treffen wir uns zum Gespräch mit einem unabhängigen politischen Analysten.

Abendessen in einem Restaurant und Übernachtung in Pristhina.

3. Tag (Kosovo)

Heute erkunden wir die Umgebung von Prishtina. Wir fahren zum Denkmal Gazimesdan, das an die historische Schlacht auf dem Amselfeld zwischen Serben und Türken im Jahr 1389 erinnert und machen einen Abstecher zu dem Grab Murats, des türkischen Eroberers, der wie der serbische König Lazar sein Leben hier verloren hat. Die Schlacht auf dem Amselfeld hat bis heute eine wichtige Bedeutung, ihr Datum, der 28. Juni (1389) ist nach wie vor Nationalfeiertag in Serbien. Der Kosovo-Mythos begründete im 19. Jahrhundert die serbische Nationalbewegung. Wir diskutieren Mythos und Wirklichkeit in der serbischen Geschichtsauffassung.

Hochaktuell und sinnlich erfahrbar wird der Konflikt in der Stadt Mitrovica in Nord-Kosovo. Diese Stadt ist entlang des Flusses Ibar geteilt, in den serbischen Nord- und den albanischen Südteil. Wir werden mit Mitgliedern der Zivilgesellschaft (möglichst beider Seiten) über die Lage in Mitrovica sprechen, wir werden über die berühmte Brücke vom Süd- in den Nordteil gehen – für Ausländer geht das. Dort treffen wir uns auch mit einer Vertreterin der Zivilgesellschaft.

Denkmal für die 'Befreiungsbewegung des Kosovo' UCK Bild: Michael Sclhulte

Nach einer Kaffeepause machen wir uns auf den Weg zum Zentrum der albanischen Nationalbewegung, zum 30 km entfernten Dokumentationszentrum über die Jashari-Familie und den albanischen Widerstand gegen die serbische Unterdrückung. Hier in Drenica wurde auch die UCK – die Kosova-Befreiungsarmee – gegründet, deren Kampf  1999 in dem Angriff der Nato auf das serbische Militär mündete.

Auf dem Weg zurück nach Prishtina fahren wir in die serbische Enklave Gracanica, wo wir den Tag in einem serbischen Restaurant mit einem serbischen Journalisten ausklingen lassen. Übernachtung wieder im Hotel in Prishtina.

4. Tag (Kosovo)

Schon früh brechen wir nach Westkosovo nach Pec/Peja aus, wo wir das serbisch- orthodoxe Kloster und Sitz des Patriarchats besuchen. Es wurde 2006 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt und gehört zu den schönsten orthodoxen Klöstern Europas.

Das Kloster ist eine Insel in einer heute albanischen Stadt. Die Verletzungen sind auf beiden Seiten tief, das Gefängnis war während der serbischen Zeit bis 1999 als Folterstätte berüchtigt, nach 1999 flüchteten die meisten Serben aus der Stadt.

Das orthodoxe Kloster in Pec/Peja Bild: Claudia Schmidt/Peter Jaeger

Gegen Mittag fahren wir weiter ins ca. 30 km entfernte Gjakova. Hier wurde die albanische Bevölkerung bis 1999 schwer malträtiert und die historische Altstadt beim Abzug der serbischen Truppen niedergebrannt. Die berühmte Bibliothek der Bektaschi-Sekte wurde von serbischen Extremisten ausgeraubt, alte Folianten und Schriftrollen wurden verbrannt oder geraubt. Die Bektaschi-Gemeinde ist angefragt, uns in der wieder aufgebauten Tekke zu empfangen.

Am Nachmittag fahren wir dann entlang dem Fuße der bis 2500 m aufsteigenden albanischen Alpen weiter in die größte Stadt der Region, ins mehrsprachige Prizren.

Dort gibt es nicht nur während des Sommers „die längste Theke des Balkan“, sondern eine bemerkenswerte, von den Osmanen, von Serbien und Albanien geformte Altstadt, die am Abend voller Leben ist.

Wir können die jüngste Bevölkerung Europas bewundern – die in drei Sprachen kommuniziert, Albanisch, Serbisch, auch Türkisch ist offizielle Stadtsprache.

Wir beziehen unsere Zimmer in einem Hotel im Zentrum und gehen zum Abendessen in ein traditionelles türkisches Restaurant, das malerisch am historischen Hauptplatz gelegen ist und das der Reiseleiter schon seit 1987 kennt. Übernachtung in Prizren.

Prizren Bild: Michael Schulte

5. Tag (Von Prizren nach Tirana)

Nach dem Frühstück fahren wir nach Albanien. Immerhin gibt es jetzt eine Autobahn, die frühere Pass-Straße war sehr mühsam zu überwinden. Gegen Mittag kommen wir in der Hauptstadt Tirana an. Nach dem  Einchecken im Hotel, gehen wir ins Stadtzentrum. Seine im italienischen Stil erbauten Häuser bilden eine sehr interessante Kulisse. Ein Stadtführer wird uns durch die Stadt begleiten und uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten nahe bringen.

Am späten Nachmittag treffen wir einen Vertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung oder der deutschen Botschaft, der uns eine Einführung in die politische Lage Albaniens geben kann. Es geht dabei auch um die deutsche Politik. Welchen Einfluss haben denn die Deutschen auf den Gang der Dinge? Wie sieht die europäische Perspektive Albaniens aus?

Abendessen im Hotel.

Im alten Zentrum von Tirana Bild: Ventus-Reisen

6. Tag (Albanien)

Vormittags treffen wir zunächst die Schriftstellerin und Historikerin Ilda Mara, eine Ikone der albanischen Kultur. Mit ihr werden wir in die Kulturgeschichte der Albaner eintauchen. Als eine Frau, die noch die kommunistische Zeit kennt, die lange in Paris gelebt und als Kunsthistorikerin gearbeitet hat, kann Ilda Mara sehr anschaulich über Kulturgeschichte sprechen. 

Anschließend werden wir einen Repräsentanten der Umweltschutzorganisation „Eco-Albania“ treffen und über die „modernen“ Bewegungen in Albanien sprechen. Ist es überhaupt möglich, Themen wie den Schutz der Flüsse in dieser immer noch von Traditionen geprägten Gesellschaft in der Öffentlichkeit durchzusetzen? Beide Diskussionen finden im Hotel statt.

Nach einer längeren Mittagspause werden wir mit dem Bus zum „Tempel“ der Sufi-Bruderschaft der Bektaschi fahren und danach eine der schönsten Moscheen Tiranas besuchen, in einem Park Kaffee trinken und dann, wer noch mag, das albanische Nationalmuseum, das neben dem Hotel gelegen ist, besuchen.

Der Tag klingt mit einem Bummel durch den angesagten Stadtteil Blok und einem Abendessen mit Gästen in einem Restaurant dort aus.

Alte Kirche in Berat Bild: Nadja Moussa

7. Tag (Albanien)

Heute beginnt unsere Rundfahrt durch die albanische Bergwelt, wir fahren nach Süden, vorbei an Elbasan bis nach Berat. Gegen Mittag kommen wir in dort an und können bei einem geführten Spaziergang durch die Altstadtviertel den Charme des Ortes auf uns wirken lassen. Die „Stadt der tausend Fenster“ wurde 2008 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, insbesondere wegen der gegensätzlichen und doch ergänzenden Architektur des christlichen und osmanischen Teils. Wir werden mit einem lokalen Führer diese Stadt durchqueren. Auf einer kurvenreichen, Pässe und Täler überwindenden Straße werden wir danach im wahrsten Sinne des Wortes durch die Schluchten des Balkans reisen.

Wenn wir dann am Horizont die Bergfestung von Gjirokastra ausmachen, haben wir fast schon das nächste faszinierende Ziel erreicht. Die historische Altstadt Gjirokastras zu erwandern ist ein eigenes Erlebnis. Zuerst jedoch werden wir in einem Hotel neben der Altstadt einchecken. Nach einer Ruhepause schlendern wir an diesem Abend nur durch die unteren Gassen. Gjirokastra verdankt seinen Beinamen „Stadt der Steine“ einem einzigartigen Stadtbild. Die kleinen, Trutzburgen ähnelnden Häuser der Altstadt-Viertel um die Burg, die auf einem steilen Felsen thront, sind mit Steinplatten aus den nahen Gebirgen bedeckt. Diese Dächer dienen dazu, die Innentemperatur der Häuser zu regulieren.

Nach dem Abendessen im Hotel könnte der Reiseleiter auf Wunsch in die Geschichte der Stadt und in das Buch „Die Festung“ von Ismail Kadaré einführen. Kadaré, einer der berühmtesten albanischen Schriftsteller, wurde in Gjirokastra geboren und wird hier sehr verehrt wird.

In der Altstadt von Gjirokastra, UNESCO-Weltkulturerbe als "gut erhaltene Stadt aus der Zeit der Osmanen" Bild: Ludo Kuipers

8. Tag (Albanien)

Am nächsten Morgen steigen wir mit einem lokalen Führer zur Burg hinauf und besuchen die Festung. Der Blick von oben über das Gebirge, die Täler und die mit Schiefer gedeckten Dächer entschädigen für die Anstrengung des Aufstiegs. Auch das dort befindliche Museum ist sehenswert. Danach werden wir in den Gärten der Restaurants, die das Hotel umgeben, etwas essen können.

Am Nachmittag fahren wir zu den antiken Ruinen von Butrint und zur Quelle „Blaues Auge“. Sie liegen etwa 15 Kilometer südlich der Hafenstadt Saranda und gehören seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Abends zurück nach Gjirokastra, wo wir auch zu Abend essen und übernachten werden.

9.Tag (Albanien)

Der Vormittag steht zur freien Verfügung in Gjirokastra. Gegen Mittag werden wir den Rückweg nach Tirana antreten, wir brauchen 4 bis 5 Stunden über Fier und Durres. Nach dem Einchecken im Hotel unternehmen wir einen Spaziergang zum Abschieds-Abendessen in einem Gartenrestaurant im Stadtteil Blok - lassen Sie sich überraschen.

Gebirgstal in der Nähe von Gjirokastra, Südalbanien Bild: Erich Rathfelder

10. Tag (Rückfahrt)

Nach einem gemeinsamen Frühstück, bei dem auch Gelegenheit sein wird, die Erfahrungen der Reise untereinander auszutauschen, ist die Reise beendet. Die Reiseteilnehmer*innen schließen einen eigenen Urlaub an oder treten individuell die Heimreise an.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Stand: 10.4.2020