Abo spenden: Eine Zeitung gegen die Isolation

Der Verein „Freiabonnements für Gefangene“ e. V. vermittelt seit 35 Jahren Zeitungen an Menschen in Haft. Ein Abo bedeutet Teilhabe.

Bild: Mathias Hühn

von MARTHE RUDDAT

Gegen halb zwölf wird in der Justizvollzugsanstalt Freiburg auf den Stationen die Post verteilt. Mit dabei sind dann auch die Zeitungen. Thomas Meyer-Falk liest erst seine Briefe, dann die taz. Nachmittags gibt er sie an andere Insassen weiter. So schildert er es in einem Brief an den Verein „Freiabonnements für Gefangene“ e. V. Meyer-Falk ist einer der Inhaftierten, die über den Verein eine Zeitung erhalten. „Jedem Knacki seine taz“ war die Losung der Aktivist*innen aus dem taz-Umfeld, als sie den Verein 1985 gründeten.

Damals wandten sich immer mehr Gefangene mit Abo-Wünschen an den Verlag. „Weil die Kosten durch die Frei-Abos aber immer mehr stiegen, entstand die Idee, einen Verein zu gründen, der Spenden für Gefangenen-Abos sammelt“, erzählt Sybill Knobloch. Seit 28 Jahren ist sie dessen Geschäftsführerin. Heute organisiert und koordiniert der Verein viele weitere Projekte zum Thema „Information und Bildung im Vollzug“. Eine Zeitung oder Zeitschrift im Abo erhalten aktuell rund 2.700 Gefangene. Wer ein Abo haben möchte, muss sich beim Verein melden. „Wir bekommen pro Monat 300 bis 400 Briefe von Gefangenen“, sagt Knobloch. Alle Briefe werden beantwortet.

Wenn die Gefangenen einen Abo-Wunsch äußern, kommen sie meist auf eine Warteliste. Zurzeit warten etwa 1.500 Inhaftierte auf ein Abo. Manchmal kann der Wunsch auch sofort erfüllt werden. „Die taz gibt's zum Beispiel immer noch sofort“, sagt Knobloch. Die meisten Abos werden für ein halbes Jahr vergeben, manchmal auch für ein ganzes. Wünschen die Gefangenen danach eine Verlängerung, müssen sie auch das äußern. Dadurch steht der Verein immer mit den Inhaftierten in Kontakt – und das sogar über Deutschland hinaus. Die taz und die Konkret erhalten auch Inhaftierte im Ausland. Innerhalb Deutschlands sind mittlerweile über 40 Zeitungen und Zeitschriften im Leseangebot, darunter auch fremdsprachige Zeitungen.

Dass die Leser*innen ihre Zeitung auch an Mitinsassen weitergeben, wie Thomas Meyer-Falk es macht, ist vom Verein ausdrücklich gewünscht. Von einem Abo profitierten etwa fünf bis sechs Gefangene, sagt Knobloch. So kämen sie miteinander ins Gespräch. „Über aktuelle Themen wird sich durchaus ausgetauscht“, schreibt Meyer-Falk, „oder wenn die taz speziell etwas zum Strafvollzug berichtet.“

Dieser Spendenaufruf ist eine gemeinsame Aktion von Freiabos für Gefangene e. V. und taz. Seit 35 Jahren sorgt der von der taz mitbegründete Verein unter Leitung von Sybill Knobloch für Information und Bildung für Menschen in Haft. Noch heute arbeiten wir eng mit diesem Verein zusammen.

Sybill Knobloch Bild: privat

Ein Abo bedeutet den Gefangenen aber oft noch viel mehr. Zugang zum Internet haben die wenigsten von ihnen, das Bedürfnis, sich über mehr als Radio oder Fernsehen über das zu informieren, was draußen passiert, haben aber viele. „Für mich bedeutet das taz-Abo eine genauere und interessantere Beschaffung von Informationen und eine Teilhabe am Weltgeschehen“, schreibt Andreas Brenneke, der in Uelzen im Gefängnis ist. In der Haft reduziere sich der Wortschatz und die gepflegte Ausdrucksweise. Das Zeitungs-Abo sei für ihn eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken.

Den Spender*innen sind die Gefangenen sehr dankbar für die Möglichkeit, Zeitung lesen zu können. Das schreibt auch Meyer-Falk. „Es zeigt ihnen auch, dass sie nicht vergessen werden“, sagt Sybill Knobloch.

Schon mit 60 Euro können Sie einem Inhaftierten für 10 Wochen jeden Tag eine taz ins Gefängnis liefern lassen. Zum taz-Abomindestpreis von 226,80 Euro können wir die taz gleich ein halbes Jahr liefern. Zum Formular hier entlang.