+++ Liveticker Japan vom 19. März +++: Lage am AKW stabilisiert sich offenbar

Im beschädigten Atomkomlex wird ununterbrochen daran gearbeitet, die Reaktoren vor der Kernschmelze zu bewahren. Im Reaktorbecken von Block 3 jetzt angeblich mehr Wasser.

Ein Löschfahrzeug versucht, den Reaktor 3 des AKW Fukushima I mit Wasser zu kühlen. Bild: reuters

http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/japan-kaempft-gegen-den-super-gau/Hier lesen Sie eine Zusammenfassung zur Lage der einzelnen Reaktoren.

21:20 Uhr: Mindestens sechs Arbeiter beim Einsatz verstrahlt

Mindestens sechs Arbeiter, die direkt im AKW Fukushima I gegen die nukleare Katastrophe kämpfen, bekamen bei ihrer Arbeit zu viel radioaktive Strahlung ab. Dies teilte der Kraftwerksbetreiber Tepco mit. Die Arbeit geht indes in eine entscheidende Phase: Am Sonntag soll zunächst Reaktor 2 wieder an die Stromversorgung angeschlossen werden, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Techniker hatten Stromkabel zu den Meilern 1 und 2 gelegt. Mit dem Strom soll das Kühlsystem des Reaktors wieder in Gang gesetzt werden, das normalerweise eine Überhitzung der Kernbrennstäbe verhindert. Ob die Pumpen und Leitungen nach den gewaltigen Explosionen an mehreren Stellen im AKW noch funktionieren, ist allerdings völlig unklar.

20:55 Uhr: Internationale Atomenergiebehörde mit verhaltenem Optimismus

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA sieht die jüngsten Entwicklungen am japanischen Krisenreaktor von Fukushima mit leichtem Optimismus. "Die Dinge entwickeln sich in die richtige Richtung", sagte der IAEA-Experte Graham Andrew am Samstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Der Eintritt der schlimmstmöglichsten Katastrophe werde mit jedem Tag, der vergeht, unwahrscheinlicher. Dennoch könne sie seiner Einschätzung nach immer noch eskalieren. Auch der Chef der Behörde Yukiya Amano äußerte sich nach seiner Rückkehr von einer Reise nach Tokio vorsichtig optimistisch. "Aber ich glaube nicht, dass ich jetzt schon sagen könnte, dass sich die Dinge in eine gute Richtung entwickeln oder nicht", sagte IAEA-Chef Yukiha Amano.

19:15 Uhr: Opferzahl erhöht sich auf 7.320

Die offizielle Zahl der Toten hat sich weiter erhöht. Nach Polizeiangaben wurden nach der Katastrophe inzwischen 7.320 Leichen geborgen. 11.370 Menschen würden noch vermisst, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag berichtete.

19:04 Uhr: Russland bietet Japan Beteiligung an Erdgasförderung an

Russland hat Japan nach dem schweren Erdbeben seine Hilfe im Energiesektor angeboten. Ministerpräsident Wladimir Putin erklärte am Samstag, japanische Unternehmen könnten sich an der Erdgasförderung in Ostrussland beteiligen. Außerdem kündigte er an, der staatliche russische Energiekonzern Gazprom werde einen Teil seiner für Europa geplanten Flüssiggaslieferungen nach Japan umleiten. Die Lieferung von mehr als einer Million Tonnen Flüssiggas werde Japan wirklich helfen, sagte Putin auf der Pazifikinsel Sachalin. Gleichzeitig werde Gazprom seine Lieferungen an Europa um 60 Millionen Kubikmeter pro Tag erhöhen, um die Abzweigungen an Japan auszugleichen. Moskau hat bereits angeboten, Japan mit Kohle und Strom zu beliefern.

16:56 Uhr: Demonstrationen gegen geplantes türkisches AKW in potenzieller Erdbebenzone

Mehrere hundert Menschen haben in der Türkei am Samstag gegen das geplante Atomkraftwerk Akkuyu im Süden des Landes demonstriert. Unter dem Eindruck der Nuklearkatastrophe in Japan verlangten sie ein Ende der türkischen Atompläne. Das Kernkraftwerk Akkuyu würde in einer potenziellen Erdbebenzone liegen. Auch im etwa 100 Kilometer vom geplanten Kraftwerksstandort entfernten Zypern gingen Menschen gegen das Projekt auf die Straße. Rund 50 griechische und türkische Zyprer sprachen von einem "ökologischen Verbrechen". Der griechisch-zyprische Regierungssprecher Stefanos Stefanou sagte, seine Regierung werde die Bedenken beim EU-Gipfel in der kommenden Woche zur Sprache bringen.

16:35 Uhr: Japaner schneiden Löcher in die Dächer der Reaktorblöcke 5 und 6

Der IAEA zufolge haben die japanischen Behörden Löcher in die Reaktorblöcke 5 und 6 geschnitten, durch die Wasserstoff entweichen kann, um so eine Wasserstoff-Explosion zu verhindern. Es ist demnach unklar, ob die Wasserpumpen im Kernkraftwerk funktionieren werden, wenn erstmal der Strom wieder angeschlossen ist. Die Kühlbecken dort wurden mit Notstrom aus Dieselgeneratoren des Reaktors 6 gekühlt. Zuletzt hatte die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag gemeldet, dass die Temperatur im Kühlbecken von Block 5 sinke.

16:32 Uhr: Grüne fordern deutschen Komplett-Ausstieg bis 2017

Die Grünen fordern eine endgültige Stilllegung aller Atomkraftwerke in Deutschland bis zum Jahr 2017. Das Atomzeitalter solle in der kommenden Legislaturperiode endgültig beendet werden, heißt es in einem am Samstag gefassten Beschluss des Länderrats in Mainz. Nach Ansicht der Grünen kann die Stromerzeugung bis 2030 "annähernd komplett" auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Das von der schwarz-gelben Regierung verkündete Moratorium nannten die Grünen ein "reines Wahlkampf-Placebo".

16:07 Uhr: Bundesregierung trifft Vorsorge für Strahlenschutz

Bundesregierung hat wegen der Atomkatastrophe in Japan eine Reihe vorsorglicher Maßnahmen zum Strahlenschutz in die Wege geleitet. So können sich Reisende aus Japan in Deutschland auf radioaktive Strahlung untersuchen lassen, Lebens- und Futtermittel aus Japan werden kontrolliert, Importgüter wie Unterhaltungselektronik und Autos stichprobenartig untersucht. Das teilte das Bundesumweltministerium am Samstag in Berlin mit.

15:29 Uhr: Keine Hoffnung mehr auf Überlebende

Deutsche Bergungsspezialisten sollen am Samstag aus Japan zurückkehren. Die 41 Kräfte des Technischen Hilfswerks (THW) werden gegen 21.00 Uhr auf dem Flughafen Frankfurt landen, teilte das THW in Bonn mit. Die Helfer hatten seit Montag in der Präfektur Miyagi nach Verschütteten gesucht. Sie hatten ihren Einsatz abgebrochen, weil es praktisch keine Chance mehr auf Überlebende gab.

15:25 Uhr: Frankreich fliegt Landsleute aus

Frankreich hat seit Donnerstag knapp tausend seiner Landsleute aus Japan ausgeflogen. Regierungsflugzeuge hätten die insgesamt 977 Menschen aus besonders gefährdeten Gebieten zunächst nach Südkorea transportiert, berichtet das Außenministerium in Paris.

15:03 Uhr: Besprühung jetzt rund um die Uhr

Ingenieure, Soldaten und Feuerwehrleute setzen ihre Bemühungen fort, die vier überhitzten Reaktorblöcke 1 bis 4 notdürftig zu kühlen. Nach Angaben von Verteidigungsminister Kitazawa sollen die Reaktoren fortan "rund um die Uhr" statt wie bisher phasenweise besprüht werden. Am Reaktor 3 wurden bei einem neuen Kühleinsatz Spezialfahrzeuge der Tokioter Feuerwehr eingesetzt. Erschwert wird der Einsatz durch die hohe Strahlung, die einen Aufenthalt nahe der Reaktorgebäude nur kurzzeitig erlaubt.

14:34 Uhr: Stromversorgung soll am Sonntag stehen

In dem schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima I soll am Sonntag die Stromversorgung wiederhergestellt werden. Ob es damit aber gelingt, die Kühlsysteme der teilweise zerstörten Reaktoren wieder in Gang zu setzen, war am Samstag unklar.

13:05 Uhr: Radioaktivität im Trinkwasser

Die Behörden haben im Leitungswasser der Hauptstadt Tokio erhöhte Werte von Radioaktivität nachgewiesen. Es handele sich Spuren von radioaktivem Jod, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Ungewöhnlich hohe Werte von radioaktivem Jod seien zudem im Trinkwasser der zentraljapanischen Präfekturen Gunma, Tochigi, Saitama, Chiba und Niigata festgestellt worden. Allerdings lägen die Werte in allen Fällen deutlich unter dem zulässigen Grenzwert, sagte der Ministeriumsvertreter, der nicht genannt werden wollte.

12:34 Uhr: "Abschaltgesetz" der SPD

Die SPD wird kommende Woche ein Gesetz zur sofortigen und endgültigen Abschaltung der älteren Atomkraftwerke vorlegen. Ein solches Abschaltgesetz biete die erforderliche Rechtsgrundlage für die Stilllegung der Akw. Bei den Beratungen für ein "Abschaltgesetz" könnten ähnlich wie bei den Gesetzen zum Euro-Rettungsschirm die Fristen verkürzt werden, um das Gesetz schnell durch den Bundestag zu bekommen. Angela Merkel (CDU) hatte den Vorstoß der SPD bereits am Donnerstag abgelehnt.

11:44 Uhr: Erneutes Nachbeben in Ibaraki

Ein Nachbeben der Stärke 6,1 hat die Region Ibaraki südlich des havarierten Atomkraftwerks Fukushima erschüttert. Das teilte die japanische Meteorologiebehörde mit. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben. In der Hauptstadt Tokio waren die Erschütterungen des Bebens zu spüren. Schäden wurden zunächst nicht gemeldet, wie der öffentlich-rechtliche Fernsehsender NHK berichtete. Demnach wurden aber Flüge am Hauptstadt-Flughafen Narita vorübergehend ausgesetzt. Ibaraki liegt rund hundert Kilometer nordöstlich von Tokio.

11:29 Uhr: Regierungssprecher: Lage stabilisiert sich

Die japanische Regierung verkündet hoffnungsvolle Botschaften. Am hochproblematischen Reaktor 3 sei eine Verbesserung zu beobachten. "Wir glauben derzeit, dass sich die Situation stabilisiert hat", sagte Regierungssprechers Yukio Edano. Die Kühlung von außen durch Wasserbeschuss zeige Wirkung. In dem Reaktorbecken habe man jetzt mehr Wasser festgestellt.

11:26 Uhr: 1260 Tonnen Wasser sollen kühlen

Seit Samstagmittag (Ortszeit) spritzten Armee und Feuerwehr wieder mit Spezialfahrzeugen tonnenweise Meerwasser auf den Reaktor 3. Wie der Fernsehsender NHK berichtete, dauerte die Aktion mehrere Stunden. Am Ende hätten die Experten 1260 Tonnen Wasser über den Reaktor geschüttet. Das helfe, die Temperatur zu senken und zu verhindern, dass radioaktive Strahlung nach außen gelange.

10:44 Uhr: Merkel für einheitliche AKW-Standards

Angela Merkel dringt auf gemeinsame europäische Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke. In der EU seien viele Dinge vereinheitlicht "bis hin zu der Größe von Äpfeln oder der Form von Bananen", sagte Merkel in ihrer am Samstag veröffentlichten Videobotschaft im Internet. "Da könnte man doch wirklich auch über gleiche Sicherheitsstandards für alle europäischen Kernkraftwerke sprechen." Deshalb habe sie das Thema auf die Tagesordnung des Europäischen Rats gebracht, der nächste Woche tagt, berichtete die Kanzlerin.

10:34 Uhr: Zahl der Toten steigt weiter

Die Zahl der Toten stieg nach Angaben der Polizei bis Samstag auf 7.197. Damit wurde die Zahl der Toten bei dem Erdbeben in Kobe 1995 überschritten. 10.905 Menschen werden vermisst. Einige der Vermissten dürften während der Katastrophe nicht in der Region an der Nordostküste gewesen sein.

Andererseits hat die ungeheure Kraft des Tsunamis wahrscheinlich viele Menschen mit aufs offene Meer gerissen. Den Erfahrungen vom Tsunami 2004 in Asien zufolge dürften die meisten dieser Leichen nie gefunden werden.

10:08 Uhr: Stromkabel an Block 2 angeschlossen

Ein Stromkabel ist nach tagelangen Arbeiten mit dem Reaktorblock 2 des Kernkraftwerks Fukushima verbunden worden. Dies berichtet die japanische Atomaufsicht. Es sei aber noch kein Strom durch das Kabel geleitet worden. Mit der Leitung soll das Kühlsystem des Reaktors wieder gestartet werden, um eine Kernschmelze im großen Stil zu verhindern.

9:18 Uhr: Ministerpräsident denkt über Stärkung der Regierung nach

Im Kampf gegen die schlimmste Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg will Ministerpräsident Naoto Kan seine Regierung offenbar auf breitere Füße stellen. Naoto Kan sagte am Freitagabend, er denke darüber nach, das "Kabinett zu stärken". Details nannte Kan nicht. Medien spekulierten, der Regierungschef wolle die Zahl der Minister auf 20 von derzeit 17 erhöhen. Es gehe darum, Verantwortliche für die Koordination des Wiederaufbaus zu bestimmen.

9:08 Uhr: Auch Milch ist verstrahlt

Spinat und Milch aus der Umgebung des defekten Atomkraftwerks Fukushima I sind radioaktiv verstrahlt. Das teilte Regierungssprecher Yukio Edano am Samstag in Tokio mit. Die Strahlenwerte überschritten die zulässigen Höchstgrenzen. Auch in der südlicheren Präfektur Ibaraki sei belasteter Spinat entdeckt worden.

Eine akute Gesundheitsgefährdung sei aber derzeit nicht zu erwarten, sagte Edano. Wer ein Jahr lang von der belasteten Milch trinken und den ebenfalls verstrahlten Spinat essen würde, nehme eine Strahlendosis von der Stärke einer Röntgenuntersuchung auf.

8:47 Uhr: Kaum Auswirkungen auf Autoindustrie in EU

In Europa wird es nach Einschätzung des weltgrößten Autokonzerns Toyota "nur bedingt" zu Lieferengpässen kommen. "Über 90 Prozent der in Europa verwendeten Teile sind lokal produziert und für die restlichen Bauteile aus japanischer Produktion läuft die Fertigung am 21. März bereits wieder an", sagte der Präsident von Toyota Deutschland, Toshiaki Yasuda.

Zudem würden mehr als zwei Drittel der in Deutschland verkauften Fahrzeuge in Europa produziert. Einen konkreten Ausblick wollte Yasuda nicht geben.

8:02 Uhr: Leichenberge überfordern Einsatzkräfte

Die Gemeinden in den japanischen Unglücksgebieten haben nach dem Erdbeben und Tsunami ein riesiges Problem mit den vielen Toten. Einem Bericht der Zeitung Yomiuri zufolge sind die Krematorien schlicht überfordert. In den betroffenen Präfekturen werde nun sogar überlegt, die Toten zu beerdigen, was in Japan sonst nicht üblich ist. Die Regel sind Feuerbestattungen. Beerdigungen ohne vorherige Einäscherung machten nur 0,04 Prozent aus, hieß es.

7.26 Uhr: Spinat stark verstrahlt

Der Spinat aus der Umgebung des defekten Atomkraftwerks Fukushima I ist inzwischen radioaktiv sehr stark verstrahlt. In den Pflanzen seien hohe Strahlenwerte festgestellt worden, erklärte ein Regierungsbeamter nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo.

6.30 Uhr: Probleme bei der Elektrik

Das neue Stromkabel hat die Anlage zwar erreicht. Die vielen von Erdbeben und Tsunami verwüsteten elektrischen Installationen müssen aber akribisch auf Risiken wie einer von Funkenflug verursachten Explosion geprüft werden, bevor der Strom fließen kann. TEPCO-Sprecher Teruaki Kobayashi sagte: "Es könnten Funken fliegen, ich kann ein Risiko nicht leugnen."

Aber selbst, wenn der Anschluss ohne Funken und andere Probleme gelingen sollte, ist nicht absehbar, ob die ebenfalls vom Tsunami getroffenen Kühlsysteme wieder anspringen.

5.26 Uhr: Neue Feuerwehrleute für Fukushima

Eine zweite Gruppe Feuerwehrleute ist auf dem Weg zum havarierten Atomkraftwerk Fukushima, um ihre Kollegen bei dem gefährlichen Kühleinsatz an den Reaktoren abzulösen. Das zweite Kontingent stamme ebenfalls aus Tokio und sei 100 Mann stark. Die erste Gruppe besteht aus 139 Kollegen und ist seit Donnerstag vor dem AKW in Stellung.

Der Wechsel geschieht, um die ersten Feuerwehrleute nicht noch stärker der radioaktiven Strahlung auszusetzen. Die neuen Kollegen sollen noch am Samstag an dem AKW ankommen. Sie sind mit 14 Feuerwehrfahrzeugen unterwegs.

5.14 Uhr: Temperatur in Nummer 5 sinkt

Zumindest von einem der Reaktoren gibt es gute Nachrichten: In Block 5 sinkt die Temperatur im Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe, meldet der AKW-Betreiber Tepco.

Jedoch haben Reaktor 5 und 6 bisher auch die wenigsten Sorgen bereitet: Sie werden laut IAEA mit dem Notstromdiesel des Blocks 6 gekühlt. Bei beiden Anlagen gebe es "keine unmittelbaren Bedenken".

5.01 Uhr: Gabriel will neuen Energiekonsens

SPD-Chef Sigmar Gabriel ist bereit, gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel einen überparteilichen neuen Energiekonsens zu suchen. Nach dem atompolitischen Hin und Her der letzten Monate brauche Deutschland dringend Planungssicherheit, sagte Gabriel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Angesichts des Desasters in Japan hoffe er derzeit quer durch die Lager auf eine neue Bereitschaft zur Zusammenarbeit. "Die Gespräche können sofort beginnen."

4.37 Uhr: Geretteter war doch nicht acht Tage verschüttet

Der aus den Trümmern seines Hauses geborgene Mann war doch nicht acht Tage lang verschüttet. Die Nachrichtenagenturen Kyodo und Jiji korrigierten damit erste eigene Angaben. Der Mann war Kyodo zufolge von einem Notaufnahmelager am Freitagmittag nach Hause zurückgekehrt, um dort aufzuräumen. Dort fanden die Retter ihn dann am Samstag. Er habe zunächt nicht sprechen können.

3.39 Uhr: Barackenbau beginnt mit Problemen

Im Katastrophengebiet hat der Bau von Baracken für die Überlebenden von Erdbeben und Tsunami begonnen. Am Morgen (Ortszeit) begann die Errichtung von 200 Behelfswohnungen in der besonders zerstörten Küstenstadt Rikuzentakata.

Die 30 Quadratmeter großen Fertighäuser sollen auf einem Schulgelände aufgestellt werden. Sie seien als Unterkunft für jeweils zwei bis drei Überlebenden vorgesehen.

In der Stadt Kamaishi, die wie Rikuzentakata in der Präfektur Iwate liegt, wurde der Bau von Behelfswohnungen unterdessen verschoben. Wegen des Treibstoffmangels in der Region habe das Baumaterial nicht geliefert werden können, berichtete Kyodo unter Berufung auf die lokalen Behörden.

3.06 Uhr: Reaktor 5 hat wieder Strom

Techniker haben der Nachrichtenagentur Jiji zufolge am AKW Fukushima mit der Kühlung des Reaktorblocks 5 begonnen. Auch die Wasserpumpe werde eingesetzt. Das lässt darauf schließen, dass wieder Strom zum Atomkraftwerk fließt.

Die Behörde für Atomaufsicht teilte mit, dass die Stromversorgung an den Reaktoren 1, 2, 5 und 6 im Laufe des Tages wieder hergestellt sein wird, am Sonntag folgt der Anschluss an den Reaktoren 3 und 4.

2.21 Uhr: Tepco hebt Strahlungs-Obergrenze erneut an

Die Arbeiter bekommen bei ihrem Einsatz immer mehr radioaktive Strahlung ab. Der AKW-Betreiber Tepco erhöhte die Obergrenze erneut auf nun 150 Millisievert pro Noteinsatz, wie NHK berichtet. Vorher waren 100 Millisievert pro Schicht das Limit gewesen - die Arbeiter überschritten diesen Wert aber regelmäßig. Die neue Vorgabe 150 Millisievert gelte "für einige Arbeiter im Außeneinsatz, weil die aktuellen Probleme beispiellos sind und sofortige Maßnahmen erfordern", zitiert NHK die Begründung des Energieversorgers Tepco.

150 Millisievert sind so viel, wie in Deutschland verteilt über die Spanne von 150 Jahren als gerade noch verträglich gelten würde.

2.10 Uhr: Rettungskräfte finden Überlebenden

Acht Tage nach dem schweren Erdbeben und Tsunami finden Rettungskräfte einen Überlebenden, berichtet NHK unter Berufung auf das Militär. Der junge Mann sei in Trümmern der Katastrophenregion Miyagi entdeckt worden. Die Nachrichtenagentur Jiji berichtet, der Gerettete stehe unter Schock und habe bei seiner Entdeckung nicht sprechen können.

Kyodo berichtet, dass er im zweiten Stock eines Hauses eingeklemmt gewesen sei. Der Mann habe sich aber in eine Decke hüllen können. Er sei bei Bewusstsein, Blutdruck und Puls seien stabil. Wie er bei Temperaturen um den Gefrierpunkt überleben konnte, ist noch unklar.

2.03 Uhr: Stromleitung immer noch nicht angeschlossen

Anders als noch vor wenigen Stunden gemeldet ist die zum Kraftwerk gelegte Stromleitung noch immer nicht an die havarierten Reaktoren 1 und 2 angeschlossen. Sie sollen die dringend benötigte Kühlung wieder zum Laufen bringen. Zudem braucht es danach noch Zeit, um die Geräte zur Kühlung des Reaktors wieder hochzufahren, da die Apparate zunächst getestet werden müssen, teilte Kraftwerksbetreiber Tepco mit. Bislang weiß auch weiterhin niemand, ob die Technik in den Anlagen dafür womöglich schon zu stark beschädigt ist. Es besteht die Befürchtung, dass es innerhalb der Reaktoren zu heiß ist und sich Funken bilden könnten - was die Brandgefahr zusätzlich erhöht.

1.34 Uhr: Fernsehen zeigt weiter Rauch über Reaktor 3

Auch Stunden nach dem Wasserwerfereinsatz am Reaktor 3 steigt dort noch immer Rauch auf. NHK zeigt Luftaufnahmen, auf denen weißer Qualm oder Wasserdampf zu sehen ist. Die helle, viele Meter hohe Fahne wabert kontinuierlich nach oben.

Zuvor hat das Militär erneut begonnen, mit Feuerwehrwagen Tonnen von Wasser auf den Block 3 zu sprühen. Die Kühlaktion dauerte 25 Minuten. Die NHK-Aufnahmen mit dem weißen Rauch könnten darauf hindeuten, dass die Kühlaktion Erfolg hatte und den völlig überhitzten Kern traf. Andererseits hatte es in den Tagen zuvor auch schon weißen Rauch gegeben, bei dem kleinere und größere Brände die Ursache waren.

0.42 Uhr: Neue Gefahr für Tokio: Wind soll drehen

Der Wind am Unglücksreaktor könnte schon zu Wochenbeginn wieder in Richtung der Millionenmetropole Tokio drehen. "Wie weit sich die Radioaktivität dann ausbreitet, kann man aber noch nicht sagen", sagt Christina Speicher vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Derzeit weht er weiter auf den Pazifik hinaus, wobei er am Samstag auffrische, so Speicher. Die in Fukushima freigesetzten radioaktiven Partikel würden so nordostwärts aufs Meer getragen.

0.24 Uhr: Kalifornien misst erstmals japanische Strahlen

Im US-Bundesstaat Kalifornien ist erstmals Radioaktivität gemessen worden, die auf das Erdbeben in Japan zurückzuführen ist. Ein Messgerät in Sacramento habe "eine winzige Menge des radioaktiven Isotops Xenon 133" nachgewiesen, teilten das US-Energieministerium und die Umweltschutzbehörde der USA mit. Die Stichproben entsprächen der aus dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima entwichenen Radioaktivität. Keine der Messungen der Umweltschutzbehörde auf US-Boden, auf Hawaii und der Pazifikinsel Guam habe "eine beunruhigende Radioaktivität" ergeben, so das Ministerium.

Hier gehts zum Ticker vom 18. März 2011

Quellen: afp, dpa, rtr, dapd, bbc, kyodo, taz, Automobilwoche

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