Berichterstattung von der COP31 : Selbstverständlich dabei
Mitte November findet in Antalya die Weltklimakonferenz statt. Auch die taz wird vor Ort sein. Autokratien und Tech-Bros dürfen die Klimakrise nicht aus der Aufmerksamkeit verdrängen.
Foto: Maximilien Lamy/AFP/dpa
Aus der taz | Dass sich in der taz praktisch alle einig sind, kommt nicht so oft vor. Auch ob die jährliche Weltklimakonferenz großen redaktionellen und finanziellen Aufwand rechtfertigt, wurde oft kontrovers diskutiert – zu schwerfällig diese ganze Diplomatie, zu technisch die Details, zu wenig vermittelbar die Ergebnisse. Doch dieses Mal blieben sogar die Pflichtskeptiker:innen stumm. Selbstverständlich muss die taz nach Antalya fahren, wenn sich dort vom 9. bis 20. November die Vertragsstaaten der UN-Klimakonvention treffen.
Ja, andere Krisen – wie der globale und nationale Rechtsruck, das Erstarken von Autokratien und der Tech-Bros sowie die mit alldem verbundene steigende Unsicherheit und Ungleichheit – drohen die des Klimas gerade aus der Aufmerksamkeit zu verdrängen. Nach Untersuchungen der Initiative Klima vor acht hat sich die Klimaberichterstattung in den Hauptsendern von ARD und ZDF seit 2023 mehr als halbiert, der WDR stellt sein Instagram-Format klima.neutral ein.
Aber als taz da mitzumachen, wäre fatal und dumm. Denn die Klimapolitik bleibt ja nicht irgendwie nebenbei auf der Strecke. Sie steht – nicht allein, aber doch mit – im Fokus der Angriffe. Der Kontext für die Klimakonferenzen ist deshalb fundamental verschoben. Die USA haben sich zurückgezogen, hohe Energiepreise – verschärft durch den Krieg in der Golfregion und die Blockade der Straße von Hormus – haben Öl- und Gasproduzenten in eine Position gebracht, in der sie über einen Fossilausstieg gar nicht verhandeln wollen. Die Internationale Energieagentur erwartet für dieses Jahr einen Rekordverbrauch von 8,94 Milliarden Tonnen Kohle.
Australien, Co-Verhandlungsleiter der Konferenz, verdient als zweitgrößter Kohleexporteur der Welt fleißig mit. Parallel lockert die EU ihre Klimaregeln, vom Emissionshandel über das Verbrenner-Aus bis zur verschobenen Methan-Verordnung. Die Weltbank hat ihre Klimaquoten gestrichen.
Kein Durchbruch erwartet
Sprengsatz auf der Konferenz ist die Klimafinanzierung, die Industrieländer haben keine Lust, neue Mittel freizumachen, obwohl Katastrophen wie die Überschwemmungen in Nepal den Druck erhöhen.
Die türkische Agenda, die das Ziel verfolgt, den Elektrifizierungsgrad des Energiesystems bis 2035 auf 35 Prozent zu steigern, ist unverbindlich – und sinnlos, wenn sie nicht auch vorschreibt, dass der Strom klimaneutral erzeugt werden muss.
Einen Durchbruch erwartet für Antalya deshalb niemand. Die Konferenz wird aber zeigen, ob es gelingt, den multilateralen Prozess unter den Bedingungen der fossilen Gegenoffensive überhaupt am Laufen und Leben zu halten, das Pariser Abkommen zu verteidigen und sich weiterhin trotz des aktuellen Streits im Weltklimarat IPCC auf eine wissenschaftliche Grundlage zu verständigen. Ob es in der Ära des neuen – oft autoritären – Nationalismus noch globalen Klimaschutz geben kann.
Die taz begleitet die Verhandlungen engmaschig und wird nicht nur genau beobachten, wer hier wie in welchem Interesse spricht. Wir werden Kontext und Illustration liefern: Was heißt Klimaschutz in einem Land wie der veranstaltenden Türkei? Was will die Verhandlungsdoppelspitze aus Australien und kleinen Inselstaaten? Und unbedingt auch: Wo gibt es weltweit klimapolitische Lichtblicke, wo sind Wirtschaft und Zivilgesellschaft längst weitergegangen, als ihnen Regierungen vorschreiben wollen?
Mittendrin die taz
In der zweiten, entscheidenden Woche haben wir ein Dreierteam in Antalya, das nicht nur mit den Verhandler:innen der Staaten spricht, sondern auch Stimmen aus der Zivilgesellschaft, aus dem Globalen Süden einfangen wird.
Lesen, hören und sehen können Sie das auf taz.de, in der taz-App, der Wochentaz und vor allem auf den Social-Kanälen wie klima.taz auf Instagram.
Und versprochen. Egal, wie Antalya ausgeht. Für uns bleibt das Klima ganz oben auf der Agenda.