DER RECHTE RAND

Doppelhaus von Rieger kaufen

Ein paar Suchkriterien beim Online-Immobilienmarkt eingeben. Einige wenige Mausklicks weiter, schon ist ein Immobiliendeal mit rechtsextremen Inserenten möglich: Neonazianwalt Jürgen Rieger bietet auf ImmobilienScout24 zwei Doppelhäuser an. In nobler Lage, im Hamburger Treppenviertel in Blankenese.

„Bevor ein Inserat online gestellt wird, machen wir keine Überprüfung“, sagt eine Sprecherin von ImmobilienScout24. Sie erklärt: Der Anbieter schaltet auf der Website alles selbst. Eine Vorabkontrolle sei auch wegen der mehr als 25.000 gewerblichen und etwa 70.000 privaten Immobilienanbieter auf der Website kaum möglich.

Das Mehrfamilienhaus liegt nahe Riegers Kanzlei im feinen Stadtteil. Der Kaufpreis ist für die Gegend auffallend günstig: „Mindestgebot 300.000 Euro“. Der äußere Zustand – Fenster kaputt, Balkon funktionsunfähig – erklären den Preis für das renovierungsbedürftige Haus und lassen erahnen, welche Kosten für die Instandsetzung der zwölf Zimmer entstehen könnten.

Bei ImmobilenScout24 werden die Gebäude aus dem Jahr 1885 ebenfalls von K+W Immobilien angeboten. Hier wird auch gleich der Abriss empfohlen. „Ja, für Herrn Rieger biete ich das Objekt an“, bestätigt Friedrich W. von der K+W der taz. Dass Rieger NPD-Bundesvize und Hamburger Landeschef ist stört ihn nicht. „Das ist nicht meine Partei“, sagt er, aber „mit dem Geschäft hat das doch nichts zu tun“. Für Rieger will er das Objekt bald verkauft haben. Ein Verhandlungserfolg sei absehbar.

Dass er einen bekennenden Neonazi finanziell mitunterstützt, verstimmt offensichtlich nicht. Rieger selbst ließ unlängst verlauten: „Medienvertreter mögen sich künftig Anfragen nach Immobilien bei mir sparen.“ Ihn ärgert, dass das „Lügensystem“ über seine Immobilienkäufe berichtete. Manches Geschäft lief wohl nach Berichten anders als erwünscht.