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Freddy vs. Jason

Für jene, die sich am Anblick von Theaterblut erfreuen, die Schönheit im Abschlachten erkennen und ihren Seelenfrieden in der Verstümmelung finden – für jene also, die durch das Aufspießen, Zerteilen und Zerstückeln von sündigem und unbekleidetem Teenagerfleisch eine Stärkung ihrer Moral erfahren, wird „Freddy vs. Jason“ eine wunderbare Erfahrung sein. Alle anderen dürften sich vor diesem beispielhaften Werk konsequent stumpfer Horrorkunst wohl eher ekeln, doch eklig soll der Film auch sein. Immerhin führt Regisseur Ronny Yu zwei der profiliertesten Monster der jüngeren Filmgeschichte zusammen, um das Treffen feierlich mit verwirrten Jugendlichen, überforderten Erziehungsberechtigten, Drogen, Sex sowie roher, sinnloser und auch unangemessener Gewalt zu dekorieren.

Es gibt sogar eine Geschichte. Darin geht es darum, dass Freddy Krueger dank der Erfindung von Traumblockern in Vergessenheit geraten ist und nun dringend ein krankes Hirn braucht, das sich seiner erinnert. Dazu bietet sich ausgerechnet das von Jason Voorhees („Freitag, der 13.“) an, auf das Freddy aus irgendwelchen Gründen Zugriff hat. Jedenfalls fängt der neu belebte Jason wieder mit dem Morden an, was im Gegenzug auch Freddys Ansehen auf die Sprünge hilft und ihn zu neuen Kräften bringt. Weil sie sich daraufhin durch das überschaubare Revier der Elm Street schlachten, kommen sie sich jedoch zusehends in die Quere, was letztlich auf ein angemessenes Finale von haarsträubender Blutrünstigkeit hinausläuft.

Es war in diesem Zusammenhang gewiss von Vorteil, dass Ronny Yu sich nicht dazu entschlossen hat, das Genre kennerhaft zu parodieren, sondern es liebevoll zu umarmen. Folglich gibt es alle Zutaten, die ein ordentlicher Slasherfilm braucht: die Jungfrau, die Schlampe, die bösen Jungs und auch die zünftige Orgie zwischendurch. Zwar treten hier und da kleine Ungereimtheiten auf. Doch bevor die Handlung auch nur ansatzweise Leck zu schlagen droht, hält das Drehbuch stets eine verblüffende Erklärung parat, die jeden Zweifel zerschlägt. Darin zeigt sich dann auch Yus großes Können, das vorbildlich in den Fließbandfilmfabriken des Hongkong-Kinos geschult wurde und daher schon aus Gewohnheit kein zeitraubendes Zaudern zulässt. So ist der Film eine hingerotzte, ausgemachte Sauerei. Und das ist natürlich ein Kompliment. HARALD PETERS