was tun in hamburg?

Lohse- Wächtlers Zeichnung „Schmerzhaft-Ruhende“, entstanden 1929 in der Psychiatrischen Anstalt Friedrichsberg in Hamburg Foto: gemeinfrei

Mi, 13. 11., 19 Uhr, Patriotische Gesellschaft

Kampfbegriff

Wen im Fall des Uni-Professors Lucke der Nazi-Nähe-Nachweis nicht überzeugen sollte, den bringt sicher der Hinweis auf die „neoliberale Lehre“ des Ökonomen in Rage (und bei manchen seiner Kritiker*innen geht beides ganz schön durcheinander). Ironischerweise war der Neoliberalismus anfangs eine Gegenbewegung zu den totalen Systemen, die sich damals in halb Europa durchsetzten; es ging um eine Rettung, vielleicht auch einen Neustart des Liberalismus unter geänderten Vorzeichen. Wichtig war für das „erstaunlich linke“ Phänomen – so neulich die Süddeutsche Zeitung – eine Zusammenkunft 1938 in Paris: das „Walter-Lippmann-Kolloquium“. Wer da am Tisch saß und was man miteinander besprach: Darüber sprechen jetzt die Ökonomin und Publizistin Karen Horn und der Politikwissenschaftler Thomas Biebricher. (aldi)

Do, 14. 11., 19 Uhr, Rote Flora

Brauner Osten

Warum feiert die AfD ihre größten Triumphe im Osten? Drei Ursachen macht der Historiker Harry Waibel im Umgang mit Nazis, Rassismus und Antisemitismus in der DDR aus: Dort habe erstens die Entnazifizierung „mehr schlecht als recht“ stattgefunden – nicht anders als im Westen allerdings, das sagte er im Mai Heise online. Zweitens habe der kommunistische Antifaschismus den Massencharakter des deutschen Faschismus ausgeblendet. Und drittens seien bis zum Untergang der DDR neonazistische, rassistische und antisemitische Propaganda und Gewalttaten offiziell als Staatsgeheimnis behandelt – und verdrängt worden. Jetzt stellt Waibel sein Buch „Die braune Saat – Antisemitismus und Neonazismus in der DDR“ (Schmetterling 2017, 380 S., 22,80 Euro) vor.

Mo, 11. 11., 19.30 Uhr, Lola Bergedorf

Altes Geheul

Zunächst nur zwei Wölfe hatte August, der Schäfer gehört, aber die hatten „das Fraßlied geheult, das aus früherer Zeit“. Aber „wer hört schon auf einen alten Hut und ist auf der Hut?“ 1965 warnte Franz Josef Degenhardt mit seinem Lied „Wölfe mitten im Mai“ vor der erneuten faschistischen Bedrohung; da war die NPD gerade in sieben westdeutsche Landtage eingezogen. Dieser Tage stimmen wieder Wölfe ihr Fraßlied in deutschen Landtagen an. Und Degenhardts Sohn Kai stimmt gemeinsam mit dem Schauspieler Rolf Becker die alte Warnung des Vaters an.

Mi, 13. 11., 20 Uhr, Bücherhalle Harburg

Erinnerung an Ermordete

Künstlerische Anerkennung erhielt Elfriede Lohse-Wächtler zu Lebzeiten durchaus – bis die Nationalsozialisten ihre Arbeiten als „entartet“ einstuften. Zuvor hatte die Kritik sie in eine Reihe mit Künstlern wie Oskar Kokoschka gestellt. Da war Lohse-Wächtler, die mit 16 ihr Dresdener Elternhaus verließ, um Malerin zu werden, schon von materiellen und privaten Problemen zerrüttet. In Hamburg erlitt sie bereits 1929 einen Nervenzusammenbruch, wurde zweimal in psychiatrische Anstalten eingewiesen, schließlich entmündigt und 1935 zwangssterilisiert. 1940 wurde sie in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein deportiert, wo sie im Rahmen der Euthanasie-Aktion T4 ermordet wurde. Von Lohse-Wächtlers Leben handelt Dagmar Fohls aktueller Roman „Frieda“ (Gmeiner 2019, 246 S., 20 Euro, E-Book 14,99 Euro). (matt)