wortwechsel

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Der Kampf gegen Rassismus ist mehr als defizitär, meinen taz-LeserInnen. Und schon wieder die Globuli-Debatte. Dazu die Frage, welche Wirtschaftspolitik wir brauchen

Bei der Kundgebung von Halle gegen Rechts: Trauer und Blumen vor dem Kiez-Döner, in dem ein Gast erschossen wurde Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Abnehmende Empathie

„Nichts tun und immer nur schockiert sein ist tödlich“, taz vom 12./13. 10. 19

Die taz-Überschrift bringt es leider treffend auf den Punkt. Denn gerade beim Thema der Bekämpfung von Antisemitismus in Deutschland klafft eine riesige Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, was man schon daran sieht, dass in vielen Bundesländern der Geschichtsunterricht an den Schulen als wirksames Gegengift für jüngere Menschen nur noch ein Nischendasein frisst.

Zudem bleibt ein weiteres Problem auch die abnehmende Empathie gegenüber den Opfern des Holocaust, die sich etwa an Orten wie Hamburg sehr deutlich widerspiegelt, wo im früheren Gestapo-Hauptquartier, wo immerhin die Deportation von jüdischen Menschen aus ganz Norddeutschland organisiert wurde, anstatt einer würdigen Gedenkstätte lieber ein schnöder Shoppingtempel errichtet werden soll. Deshalb bedarf es hierzulande dringend eines besseren Umgangs mit der Vergangenheit, wozu ebenfalls der Bundespräsident einmal eine Ruckrede halten sollte! Rasmus Ph. Helt, Hamburg

Schlimme Erinnerung

„Mörderischer Antisemitismus“, taz vom 10. 10. 19

In seinem Kommentar fordert Klaus Hillenbrand (zumindest indirekt), die „Gesinnungsfreunde“ des Attentäters „hinter Schloss und Riegel“ zu bringen. Dies weckt bei mir schlimme Erinnerungen an die RAF-Hysterie. Bei aller verständlichen Empörung: Hier wurde eine Grenze überschritten. Ich dachte, wir – die taz-Produzenten und die Leser – wären uns einig, dass es in Deutschland nie wieder eine Gesinnungsjustiz geben darf.

Ulrich Memmler, Dörsdorf

Fremdenfeindliche Tat

„Alleingelassen“, taz vom 11. 10. 19

Warum machen Sie es nicht wie die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern, die sagte, sie würde den Namen des Attentäters niemals in den Mund nehmen? Es ist doch bekannt, dass das Nennen des Täternamens Nachfolgetäter deutlich mehr anzieht, als wenn der Name nicht genannt wird.

Ansonsten finde ich es unpassend, dass in den meisten Medien fast nur noch von einem antisemitischen Anschlag gesprochen wird. Ja, er war antisemitisch. Aber der Täter hat auch in einen Dönerladen geschossen und dort einen Menschen ermordet. Er war also auch fremdenfeindlich. Und das erinnert mich sehr an die NSU-Morde, die so lange nicht ernst genommen und bis heute nicht richtig aufgeklärt wurden. M. Kaiser, Hamburg

„Glaubenskrieg um Globuli“, taz vom 14. 10. 19

Risiko deutsche Klinik

Mich als „wissenschaftlich und rational denkenden Menschen stößt vor den Kopf“, dass man als Patient in deutschen Kliniken damit rechnen muss, sich mit resistenten Erregern zu infizieren, zehnmal so häufig wie in holländischen Krankenhäusern. Das kommt teuer, aber Grünen-Mitglied und Ärztin Paula Piechotta hat kein Problem damit. Manche Patienten überleben eine solche Infektion auch nicht (bis zu 10.000 jährlich!). Da versteht man auch, warum man in norwegischen Kliniken gefragt wird, ob man eine Nacht in einer deutschen Klinik verbracht habe – man gilt dann nämlich als Risikofall.

Paula Piechotta täte gut daran, sich um hausgemachte, sehr schwerwiegende Probleme der deutschen Schulmedizin zu kümmern. An einer homöopathischen Behandlung ist meines Wissens noch niemand gestorben. Vielleicht ist ja ein Grundproblem der deutschen Medizin der Numerus clausus. Möglicherweise fehlt es Einserschülern an Klugheit und Phantasie, um gute Ärzte zu sein. Burgl Ismaier, Glonn

10 mit 2.000 Nullen

Von der Ausdehnung eines Quarks innerhalb eines Protons in einem Atomkern (10 hoch minus 18 Meter) bis hin zu der Ausdehnung aller Galaxien unseres Weltalls (10 hoch 24 Meter) sind es größenordnungsmäßig gerade mal 42 Zehnerpotenzen (eine Zehn mit 42 Nullen). Homöopathen sind sich jedoch nicht zu schade, ihre Tinkturen sogar im Mischungsverhältnis mit bis zu „D 2000“ (eine Zehn mit 2.000 Nullen) zu mischen … Die einzige gesundheitliche Auswirkung eines homöopathischen Mittels mit der Potenz „D 2000“ ist die Sehnenscheidenentzündung des Apothekers beim Anmischen. Jörg Stöckel, Springe

Mausetot ohne Globuli

„Glaubenskrieg um Globuli“

Die Zuckerkügelchen kosten fast nichts, haben keine Nebenwirkungen, manche Ärzte und Patienten vertrauen auf ihre Wirkung. Wo ist das Problem? Es wird so viel schädliche und teure Medizin verschrieben und bezahlt, da gibt’s genug zu tun für grüne Wissenschaftler/innen.

Bin mit Naturheilkunde (auch Globuli) jahrelang mit einer Hepatitis C „durchgebracht“ worden, nachdem konventionelle Therapien keinen Erfolg hatten, bis ich nach vier Jahren mit einer neu zugelassenen Therapie geheilt wurde. Ich möchte beides (Naturheilkunde/Globuli) und moderne Medikamente nicht missen und könnte diesen Leserbrief nicht schreiben, weil mausetot! Peter Veit, Neuwied

Ja zur Ordnungspolitik

„Schrumpfen in Schönheit“, taz vom 12./13. 10. 19

bin dankbar für dieverständliche darstellung volkswirtschaftlicher zusammenhänge von Ulrike Herrmann. es werden dinge angesprochen, die auch ich problematisch finde, beispiel e-autos als lösung.allerdingshalte ich dieübertragbarkeit der kriegswirtschaft von England im zweiten weltkrieg nicht für möglich, gar nicht mal so sehr wegen der zwangswirtschaft, gegen die natürlich viele „freiheitskämpfer“ sturm laufen würden, sondern wegen des umstands, dass die lebensmittel nicht mehr aus säcken und schubladen in wiederverwendbare haushaltsbehältnisse gefüllt werden, sondern ein-, zwei-und dreifach verpackt in den läden stehen. da wäre ein riesiger umbau nötig.die heutige gegenbewegung durch die unverpacktläden ist ja nicht mal ein tropfen auf den heißen stein.

sehr wertvoll fand ich den hinweis auf ordnungspolitik und das erlassen von vorschriften und verboten. da drücken sich alle drum rum aus angst, wählerstimmen zu verlieren. wenn sich alle demokratischen parteien auf gewisse vorschriften einigen könnten, würde dieses argument nicht mehr ziehen. verbote und vorschriften gibt es ja genug in Deutschland, die akzeptiert werden. warum nicht mal was sinnvolles. Monika Dern, Grünberg

An der GroKo gescheitert

„Machen Sie’s gut!“, taz vom 15. 10. 19

Das Fazit des Artikels über Frau Nahles teile ich nicht. Sie ist nicht an der Partei gescheitert, sondern die Partei an der Großen Koalition. Diese stellt jede(n) Vorsitzende(n) vor die aktuell unlösbare Aufgabe, die Ziele der CDU mit denen der SPD glaubhaft zu vereinbaren.

Frau Nahles hat versucht, scheinbare Kompromisse als Erfolg für die SPD zu verkaufen. Dass sie die Unmöglichkeit ihrer Aufgabe nicht rechtzeitig kommuniziert hat, das ist der eigentliche Grund dafür, dass sie als Wahlverlierer zurücktreten musste. Carlo Schmidt, Stuttgart