berliner szenen

Das hierist das Frauenklo

Ich steh in der Schlange, Damenklo, da ist sie kürzer. Die zwei vor mir zupfen sich die Fetischkleidung zurecht; frisch gekauft sieht die aus. Ich verdrehe die Augen innerlich, aber so ist das manchmal bei Partys: Da kommen die Touris und starren.

Jetzt starren sie auch wieder: Sie starren den Herren an, der sich hinter mich in die Schlange gestellt hat. Ein femininer Herr, vielleicht auch gar kein Herr, sondern ’ne Dame; was weiß denn ich? Ich nicke ihr_ihm zu. Die Touris nicken nicht. Im Gegenteil. „Das hier ist das Frauenklo!“, schreien sie los. „Raus!“

Krass, denk ich. Falscher Film? Das hier ist ’ne genderqueere Party! Das steht so in der Ankündigung, auch auf dem Flyer und dann noch am Eingang. Und auch wenn’s keine genderqueere Party wär – das geht so nicht, Menschen vom Klo zu vertreiben! Denn die Touris haben die Person hinter mir vertrieben; plötzlich ist sie weg.

Ich dreh den Kopf zurück zu den beiden. „Spinnt ihr? Macht das nie, nie wieder! Kapiert?“ – „Häh?“ – „’ne Person vom Klo vertreiben. Nie wieder, kapiert?“ Ich bin sauer; ich hab meine eigenen miesen Klo-Erfahrungen. Das sag ich dann auch, erklär, wie’s so ist, auf Klos doof angemacht zu werden.

„Aber“, stottern die beiden, „du siehst nicht aus wie ’n Mann.“Oh je, denk ich, und verdreh jetzt auch äußerlich die Augen. Bei denen ist wohl alles verloren. Ich mein, es muss mich ja jetzt nicht jede_r auch als Mann lesen können, aber so vollkommen blind zu sein? Ich seufze.

Und dann seufze ich noch mal, belehr noch ’n bisschen, schimpf noch ’n bisschen, auch wenn Belehren-Schimpfen, also Aufklärung betreiben, anstrengend ist. Aber vielleicht nützt es ja was und das nächste Mal auf ’ner Party legen die Touris nicht nur schnell mal Fetisch an, sondern ’ne bessere Einstellung für Klo & Co gleich mit. Joey Juschka