Susanne Memarnia beim House of One

Symbolik
ist
alles

Einsam kämpft der Trompeter gegen den Baulärm. „Gott ist gegenwärtig“ heißt wohl das Stück, doch der Krach des Riesenbohrers erinnert daran, dass es irdische Belange sind, die an diesem Montagmittag viel Presse und Politprominenz zum Petriplatz in Mitte gerufen haben. Bekanntlich soll an Berlins ältestem Platz das House of One entstehen, ein Ort des Dialogs der drei Weltreligionen. So weit ist es zwar noch lange nicht, auch der Grundstein wird erst im nächsten Jahr gelegt – passenderweise am 14. April, dem Jahrestag der Uraufführung von Lessings „Nathan der Weise“ 1793. Doch auch den „Abschluss der Gründungsarbeiten“ auf der Baustelle kann man natürlich feiern, zumal wenn man auf eine Öffentlichkeit angewiesen ist, die noch viel Geld spenden muss, um den Bau fertigzustellen.

Das Profane also zuerst: 47 Millionen Euro soll der Bau kosten, davon sind rund 30 Millionen eingebracht – vom Land Berlin (10 Millionen), Bundesbauministerium (dito), dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ (3,4 Millionen), Bundestag (600.000) und privaten Spendern (6 Millionen). 17 Millionen fehlen noch zur Realisierung eines „weltweit einzigartigen“ Projekts, dessen Bedeutung für die interkulturelle Verständigung und das Zusammenleben in diesen konfliktvollen Zeiten am Montag von allen Rednern hervorgehoben wird.

Das macht jeder auf seine Weise. Die Geistlichen naturgemäß in salbungsvollen, bisweilen sibyllinischen Gleichnissen: Rabbiner Andreas Nachama erinnert an König Salomon, der Gott ein Haus baute, Pfarrer Gregor Hohberg an Jakob und seine Leiter, Imam Kadir Sanci an den Brudermord von Kain an Abel. Vielleicht bezeichnend für die Bedeutung, mit der das House of One schon jetzt aufgeladen ist, schließt Sanci mit den Worten: „Oh Gott, lasse uns helfen, Berlin zur Friedenshauptstadt der Welt werden zu lassen.“

Berlin als Friedenshauptstadt der Welt: dass das Projekt in dieser Liga spielt, ist Tenor auch der Reden von Michael Müller, zwei StaatssekretärInnen, dem Architekten sowie dem Verwaltungsdirektor des House of One.

Zum Schluss drücken die Beteiligten gemeinsam den „roten Knopf“ und setzen damit den Riesenbohrer in Bewegung. Der bohrt nun das letzte von 71 Bohrlöchern, die mit Zement ausgegossen das Fundament des House of One stützen sollen. Dann stolpert Müller über das Kabel, das roten Knopf und Bohrer verbinden soll, und siehe da: Es endet im Nichts. Müller lacht.

Recht hat er – Symbolik ist in diesem Fall schließlich a­®lles.