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Schwarze Schafe: Geschäfte mit dem schönen Schein

KRITIK Fairtrade-Labels im Test bei „Ökotest“. Beim Kaffee die Hälfte der Siegel nicht vertrauenswürdig

Im August prangte auf dem Titelbild des Magazins Ökotest die Schlagzeile „Unfaire Geschäfte“ – darüber stand etwas weniger fett „Fairer Handel“. Was erst einmal den Anschein der Verunglimpfung einer ganzen Branche erweckt, entpuppt sich beim Durchlesen als Versuch, im Dschungel der Fairtrade-Siegel den Durchblick zu behalten und schwarze Schafe der Szene beim Namen zu nennen. Ein Problem ist, dass es anders als im Bio-Bereich keine EU-Mindeststandards für den Fairen Handel gibt.

Für Ökotest sollten demnach vier Kriterien eingehalten werden, wer ein Siegel für faire Waren vergeben möchte: Zum Ersten müssen die Produzenten einen garantierten Mindestpreis für ihre Produkte bekommen. Zum Zweiten muss eine Vorfinanzierung der Produktion gesichert sein. Drittens müssen die Vergabebedingungen eines Siegels verbindlich festlegen, dass ein Mindestlohn bezahlt wird, und viertens sollte ein solches Siegel die Einhaltung aller Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vorschreiben.

Werden diese Kriterien auf bei uns fair gehandelte Produkte angewendet, ist das Ergebnis ernüchternd: Von 34 von Ökotest untersuchten Kaffeemarken wurden etwa nur 18 als „Fair“ eingestuft – nicht überzeugen konnten Labels wie „Rainforest Alliance Certified“, „UTZ Certified“ oder der Verhaltenskodex „4C“, der als Marketinginstrument eingeschätzt wird. OS

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