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Endlich relevant genug für die Wikipedia

Donna Strickland bekommt den Physik-Nobelpreis – und jetzt auch einen Eintrag in der Online-Enzyklopädie

Wer relevant genug sein möchte, um sich einen eigenen Wikipedia-Eintrag zu verdienen, sollte Person des öffentlichen Lebens werden oder eine Leistung erbringen, „die als herausragend anerkannt und dauerhaft Teil der Geschichte des Fachgebiets“ wird.

Für die kanadische Physikerin Donna Strickland galt Letzteres bereits, bevor sie am Montag zur Nobelpreisträgerin wurde: Gemeinsam mit ihrem Kollegen Gérard Mourou entwickelte sie ein Verfahren, mit dem sich Laserblitze erzeugen lassen, und das unter anderem von Augenärzten eingesetzt wird. Zusätzlich zu ihnen wurde der US-Physiker Arthur Ashkin ausgezeichnet.

Ein Eintrag über Strickland in der englischsprachigen Wikipedia entstand allerdings erst ein paar Stunden nach der Verleihung. Bemerkenswert ist, dass ihr Forschungspartner Mourou schon seit über zehn Jahren auf Wikipedia zu finden ist. Noch im März hatte ein Autor versucht, einen Eintrag zu Strickland anzulegen – doch die AdministratorInnen der Website lehnten diesen ab. Die Begründung des ehrenamtlich organisierten Administratorenteams: die vom Autor des Artikels eingereichten Referenzen zu Strickland würden nicht ausreichen, um sie für einen Wikipedia-Eintrag zu „qualifizieren“.

Dass die 59-jährige Kanadierin unter „Besondere Leistungen“ jetzt den Nobelpreis hinzufügen kann, findet Wikipedia nun doch ausreichend. Wie großzügig! Strickland ist erst die dritte Frau mit dieser Auszeichnung und folgt damit auf Marie Curie (1903) und Marie Goeppert-Mayer (1963). Wikipedia hin oder her – als Fortschritt ist es wahrscheinlich schon zu werten, dass Strickland bei der Verleihung des Preises nicht einfach übergangen wurde: In der Vergangenheit wurden mehrfach Naturwissenschaftlerinnen, deren Beitrag zu bahnbrechender Forschung heute unstrittig ist, vom Nobelpreiskomitee nicht berücksichtigt, während ihre männlichen Konkurrenten oder Forschungspartner ausgezeichnet wurden.

Bekanntestes Beispiel ist Lise Meitner, die Otto Hahn beim Nachweis der Kernspaltung half, bei der Verleihung des Chemienobelpreises 1944 aber leer ausging. Darauf angesprochen, dass sie die erst dritte Nobelpreisträgerin in ihrem Fach ist, antwortete Strickland: „Ach wirklich, das sind alle? Ich dachte, es seien mehr.“ Sie rief dazu auf, Frauen in der Physik mehr Beachtung zu schenken. Ihnen Wikipedia-Einträge zu gewähren, wäre ein erster Schritt. Leonie Gubela