Schöner Müll Die Waschmaschine lernt man erst dann so richtig zu ehren, wenn sie ihren Dienst versagt. Doch selbst wenn sie ihr Leben aushaucht, ist in ihrem Inneren noch ein Schatz zu heben

Function follows form

Ein Ding, dessen Form vorgibt, was es werden will: die Trommel eines Topladers

Text und FotosChristina Spitzmüller

Waschmaschinen waschen Wäsche. Das nennt man Fortschritt. Früher gab es den Waschtag, an dem Waschfrauen Wäsche kochten, auf Waschbrettern rieben und auswrangen. Heute dauert der Waschgang etwa zwei Stunden, Waschtrommel auf, Wäsche rein, Waschpulver rein, Knopf gedrückt. Das Anstrengendste ist, die Wäsche danach auf- und abzuhängen. Ein Hoch auf den Fortschritt!

In meiner ehemaligen WG kauften wir eine gebrauchte Waschmaschine für 20 Euro, den Verkäufer kannten wir über Bekannte. „Ich will euch nicht übers Ohr hauen, keine Ahnung, wie lange die noch hält. Die macht jetzt schon komische Geräusche“, sagte er.

Die Maschine war tatsächlich sehr laut, der Schleudergang glich einem Raketenstart. Irgendwann beschlossen wir, nur noch bei höchstens 800 Umdrehungen zu schleudern. Nach anderthalb Jahren hatte meine Mitbewohnerin bei Kochwäsche rostähnliche Flecken auf ihren Handtüchern. Also gab es nur noch 30-Grad-Wäschen bei 800 Umdrehungen.

Zwei Monate bevor wir die WG auflösten, machte die Waschmaschine schlapp. Sie lief einfach nicht mehr, Antriebsriemen kaputt, noch irgendwas kaputt. Reparieren geht nicht, sagten uns Fachmänner. Neu kaufen wollten wir auch nicht, wir zogen danach alle in andere Städte.

Ein bisschen habe ich mich gefreut: Ich wollte schon immer mal etwas aus einer Waschtrommel basteln. Eigentlich ist nichts Schönes an so einer Trommel, sie sieht sehr technisch und funktional aus. Aber ich fand es spannend, dass sie vorgab, was sie werden will – viel verändern kann man an ihr nicht, nur noch ein paar Details anschrauben. Ich hatte an einen kleinen Hocker gedacht, die Sitzfläche sollte wie ein Deckel auf die Trommel passen, die ich dann als Stauraum nutzen wollte.

Zwei Tage habe ich damit verbracht, an der kaputten WG-Waschmaschine herumzuschrauben. Am Ende hatte ich einen großen Haufen Einzelteile, eine ganze Sammlung Schrauben und viele Kabel und Schläuche. Die Trommel konnte ich trotzdem nicht befreien: Die entscheidende Schraube an der Rückseite war verrostet und ließ sich nicht mehr lösen.

Gleichzeitig wurde jeder Waschgang zu einem größeren logistischen Akt. Mal eben zwischendurch eine Maschine anschmeißen ging ja nicht mehr. Der Waschsalon drei Straßen weiter war zu teuer – fast 10 Euro pro Ladung. Also besuchte ich regelmäßig Freunde zum Waschen – mit Anfahrts- und Waschzeit gingen da mindestens drei Stunden drauf, eher mehr.

Meistens wusch ich sonntagnachmittags bei einer befreundeten Familie, bekam Kaffee und Kuchen und durfte mit den Kindern spielen, während die Maschine lief. Danach wanderte ich mit einem schweren, triefenden Rucksack nach Hause.

Zeigt her eure Füße. Diese sind aus Holz gemacht

Nachdem die WG aufgelöst war, wohnte ich in einem russischen Studentenwohnheim, zum Auslandssemester. Drei Waschmaschinen standen im Frauenduschsaal, aber keine einzige davon war funktionstüchtig, und im Waschsalon gingen die Klamotten regelmäßig ein. Also lernten meine Zimmernachbarin und ich, von Hand zu waschen. So schwer konnte das ja wohl nicht sein.

Ich habe aus meinen Anfängerfehlern gelernt: Die Wäsche besser nicht über Nacht einweichen, sie riecht danach dann ziemlich muffig. Besser geht: einen möglichst großen Bottich voll mit handwarmem Wasser laufen lassen, etwas Waschmittel darin auflösen, Klamotten rein, sie ein bisschen im Wasser herumschwimmen lassen, ein bisschen rühren, ein bisschen die dreckigen Teile richtig ausreiben. Dann mit ein paar Ladungen Wasser das Waschmittel rauswaschen, fertig.

Ich war erstaunt, wie viel Dreck in so einem Klamottenhaufen ist. Ist das Waschwasser in den Waschmaschinen auch immer so schwarz? Und hatten die Waschfrauen früher alle Muskelprotz-Fitnessstudio-Pumperarme? Das Rühren und Drücken und vor allem das Ausdrücken (nicht Wringen! Dann verziehen sich die Klamotten!) der Wäsche ging ganz schön in die Arme.

Zurück in Deutschland habe ich mich sehr über eine neue WG mit funktionierender Waschmaschine gefreut, auch gebraucht für 20 Euro. Aber sie macht noch keine so aufregenden Geräusche wie die in der alten WG. Auf dem Sperrmüll habe ich eine ausrangierte Waschtrommel gefunden, von einem Toplader. Meine Idee vom Hocker mit Deckel konnte ich also nicht umsetzen. Deshalb ist es ein Tischchen geworden. Das Innere kann ich trotzdem als Stauraum nutzen – jetzt lagern darin Hefte und Zeitungen.

Anleitung

1. Waschtrommel aus der Waschmaschine ausbauen. Mit einem gut ausgestatteten Schraubenzieherset und etwas Muskelkraft sollte das auch bei Frontladern möglich sein. Gegebenenfalls die Trommel säubern.

Fertig. Das Zeitschriftenfach entfällt bei Frontlader-Trommeln

2. Mit einem Metallbohrer vier bis sechs Löcher in den Boden der Trommel bohren. Hier werden runde Holzkugeln mit einigen Zentimetern Durchmesser als Füße angeschraubt.

3. Die Löcher in den Kugeln zunächst vorbohren. Dann aus dem Inneren der Trommel von Hand die Schrauben in den Kugeln festschrauben.

4. Für die Tischplatte ein Stück alte Holzplatte passend zuschneiden, es eignen sich zum Beispiel ausrangierte Schranktüren, Tischplatten oder auch stabile Tabletts. Im Notfall kostet das Zuschneiden im Baumarkt etwa 30 Euro.

5. Mit dem Metallbohrer drei Löcher in die Oberseite der Trommel bohren. Hier nun die Tischplatte auf die gleiche Weise wie die Füße befestigen.

Alternativen: Auch ein Grill lässt sich aus einer Waschmaschinentrommel herstellen, genau wie ein Feuerkorb. Anleitungen finden sich googelnderweise im Internet