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Treibstoff für eine bessere Zukunft

Wir retten die Welt

von BernhardPötter

Morgens um halb sieben. Draußen ist es dunkel, nass und kalt. Ich erfülle meine schmerzliche Vaterpflicht und wecke meine Tochter. Aufstehen! Schule! Die Fünfzehnjährige stemmt langsam ihre Augenlider auf. Dann sagt sie: „Ab heute werden die Tage wieder länger!“

Das ist die richtige Einstellung! Vor allem an diesen Tagen, wo man im nebelverklebten Berlin nach dem Terror gar nicht richtig aufwachen will. Dann ist da noch der Freund mit der Krebsdiagnose und die Verzweiflung über den US-Horrorclown. Und von Klima und Artenschwund haben wir noch gar nicht geredet.

Und jetzt sollen wir Weihnachten feiern. Das Fest, für das sich viele mit einem Vorglüh-Wein nach dem nächsten präparieren. Dabei ist Weihnachten für seine Erfinder (man nennt sie Christen, ich bin trotz allem auch einer) das Fest der Hoffnung: Gott wird Mensch. Nicht im goldenen Trump-Tower, sondern in einem elenden Stall, als Flüchtlingskind im Nahen Osten. Wenn man es schafft, daran zu glauben, gibt das große Zuversicht.

Die aber braucht diese Kolumne in rauen Mengen. Vernünftig auf etwas zu hoffen ist ja für Journalisten praktisch unmöglich, wir leben zwischen Zynismus und Jubelei. Aber ohne einen Tank randvoll mit dem Treibstoff Hoffnung muss man zur Rettung der Welt gar nicht erst losfahren.

Man muss für diese Zuversicht an keinen Gott glauben. Es gibt ganz irdische Lösungen für unsere Probleme. Wollen wir den Klimawandel eindämmen, haben wir dafür das Wissen, die Technik, das Geld. Und auch – Trump jetzt mal ausblenden – den guten Willen bei vielen Menschen auf der Welt. Wir wissen auch, wie wir Armut und Krankheiten bekämpfen können, wie wir sauberes Wasser und genügend Nahrung für die meisten Menschen garantieren können. Wir verstehen, wie wertvoll saubere Meere, gute Luft und intakte Wälder sind, wir haben das sogar in der UNO beschlossen. Es geht. Wir müssen es nur machen. Nur, haha. (Entschuldigung, da brach kurz der Zyniker durch.)

Weiter: Die Natur um uns herum ist immer noch ein Schatz. Wenn wir sie nur mal in Ruhe lassen, wächst Gras über so ziemlich alles. Wir sind fast überall auf der Welt gesünder und wohlhabender, als wir je waren, wir wissen mehr, sind interessierter und solidarischer als je eine Generation von Erdbewohnern. Wir Reichen leben so lange, dass wir an Krankheiten sterben, die früher keiner kannte.

Das ist Ihnen zu abstrakt?O.k.: Wir können die Welt zu einem besseren Ort machen. Die Apartheid in Südafrika ist Geschichte; die Mauer in Berlin wurde eingerissen; die Energiewende ist kein Anliegen von Spinnern mehr, die Verkehrswende rollt sich warm, die Agrarwende scharrt mit den Hufen.

Vor allem gibt es ein unschlagbar praktisches Argument für die Hoffnung. Ohne sie geht gar nichts. Wer verzweifelt, der hat schon verloren. „Giving up is not an option!“ lautet nicht zufällig überall der Schlachtruf von Umweltschützern und Sozialreformern. Und wer mit Kindern zu tun hat, bekommt ohnehin täglich eine Infusion Hoffnung in die Vene. Dafür muss die nächste Generation nicht mal in einer Krippe in Bethlehem liegen. Manchmal reicht auch ein Bett an einem grauen Berliner Morgen.