: Reformen, Reformen, Reformen
betr.: „Der Reformprozess wird kastriert“, Interview mit dem Historiker Hans-Ulrich Wehler, taz vom 14. 10. 05
Was soll die Bemerkung Wehlers, von der Steuerfreiheit der Sonntags- und Nachtarbeit, „die übrigens die Nationalsozialisten eingeführt haben, um die Rüstungsproduktion anzukurbeln“. Will er etwa damit sagen, Krankenschwestern und Polizisten seien Profiteure Hitlers? Eine ziemlich dumme und durchsichtige Bemerkung dieses neoliberalen Historikers, der die übliche Litanei „Reformen, Reformen, Reformen“ herunterbetet. In der gleichen taz lese ich, Deutschland sei Niedrigsteuerland („OECD-Studie belegt: Deutschland ist ein Niedrigsteuerland. Dem Jammern ein Ende“). Aber nein: Die einzige Alternative ist „rigoros kürzen“. Reichensteuer, Vermögensteuer? Gehört nicht zum Wortschatz des Historikers.
SIEGFRIED HÖSCH, Salach
Wieder einmal werden Sozialkürzungen als „Reformen“ und soziale Errungenschaften als „strukturkonservativ“ zurechtgebogen. Wieder einmal fordert jemand „Reformen“, die „Heulen und Zähneklappern“ bedeuten. Aber doch sicher nicht für Herrn Wehler? Und wieso hängen Anhänger der Linkspartei den früheren Zeiten nach? Woher hat Herr Wehler nur die bestaunenswerte Gabe, in die Köpfe anderer Menschen zu schauen? Oder ärgert sich Herr Wehler, dass trotz aller medialen Propaganda die Linkspartei ins Parlament eingezogen ist und ein schwarz-gelber Totalabriss des Sozialstaats gescheitert ist?
Es braucht sicherlich mehr als ein reformistisches Programm, aber ein „Mehr“ das Herrn Wehler nicht gefallen dürfte. Die Globalisierung kann, richtig verstanden, sogar eine Chance bieten.
UWE SAFIKA, Hückelhoven