LESERINNENBRIEFE :
Eine ostdeutsche Kleinstadt
■ betr.: „In Berlin sagt man Schrippe!“, taz vom 2. 1. 13
Ha! Jetzt weiß ich endlich, dass Prenzlauer Berg eine ostdeutsche Kleinstadt mit wirtschaftlichen Problemen ist, die jeden Zugereisten misstrauisch beäugt und für alles verantwortlich macht, was sich ändert. Ich hatte immer gedacht, der Prenzlauer Berg sei ein Berliner Stadtviertel, also ein Teil der Stadt, die sich als tolerant, weltoffen ansieht und stolz darauf ist, kreative Menschen aus der ganzen Welt anzuziehen. Arm, aber sexy. Genau! Herr Thierse aber sagt frei nach Goethe: „Ich mag zwar keinen Schwaben leiden, doch seine Kohle nehm ich gern.“ Lieber Herr Thierse, was täten wir nur ohne Ihre kleinbürgerlichen Vorwürfe? HELMUT HINZ, Oberreichenbach
Am Weckle verschluckt
■ betr.: „Ländle ärgert sich über Lästerei“, taz vom 2. 1. 13
Thierses Toleranzversagen – sogar inländischen Migranten gegenüber – beweist doch nur, dass es überall spießige Provinzler gibt, sogar im angeblich so weltoffenen Berlin. Wie kommt der arme Mann wohl erst mit Döner Kebab zurecht, wenn er sich schon an einem Weckle verschluckt. MANUELA KUNKEL, Stuttgart
Niebels Bildungslücken
■ betr.: „Gesagt ist gesagt“, taz vom 2. 1. 13
Wenn, wie die taz schreibt, Dirk Niebel in Anspielung auf Wolfgang Thierses Schwabenschelte von diesem als einem „pietistischen Zickenbart“ gesprochen hat, liegt der Minister gleich zweimal daneben und offenbart erstaunliche Bildungslücken: Wolfgang Thierse ist katholisch, der Pietismus ist aber eine Bewegung innerhalb des Protestantismus. Wolfgang Thierse trägt zudem einen Vollbart und eben keinen Kinnbart oder „Zickenbart“ à la Walter Ulbricht.
LUDGER TEKAMPE, Speyer
Spießerviertel haben wir genug
■ betr.: „Thierse sagt zum Abschied laut Ade“, taz vom 1. 1. 13
Ich kann Herrn Thierse teilweise zustimmen. Ich komme aus Hamburg und hier ist das Zuzugsproblem von gut verdienenden Süddeutschen auch allgegenwärtig. Da wird an die Reeperbahn gezogen um sich dann nach einem halben Jahr über den Lärm zu beschweren. Geht’s noch? Wenn sie das Bunte und Laute und meinetwegen auch das Coole der Meltingpots Deutschlands genießen wollen, dann müssen sie auch mit den Konsequenzen leben. Mit Lärm Schrippen etc. Sie sind doch hierher gezogen, um zum Weihnachts- oder Osterfest, wenn sie wieder zurückpilgern in ihre Stuttgarter Vororte, zu erzählen, wie cool sie jetzt leben und wie sie das alles verändert hat. Dann müssen sie auch ehrlich zu sich selbst sein und ein Stück Heimat aufgeben. Weil Spießerviertel haben wir hier genug.
schuck, taz.de
Zurückhaltend barock und verbaut
■ betr.: „In Mitte wird geklotzt“, taz vom 29. 12. 12
Zum Berliner Schloss mag man denken, was man will, nicht aber zu historischen Fakten: Das Gebäude wurde keineswegs vom „Alten Fritz“ erbaut, sondern von dem gleichnamigen Kurfürsten Friedrich II. etwa 300 Jahre vorher. Die jetzt nachzubauenden Teile waren barock, Fritze II jedoch „Rokoko“, und zu dessen Lebzeiten passierte an dem schon als veraltet geltenden Gebäude nix. Als besonders „protzig“ galt das Schloss zu Lebzeiten übrigens nicht, eher als „zurückhaltend barock“ und ziemlich verbaut. MICHAEL FINK, Berlin
Förderung der Eventkultur
■ betr.: „Tiergarten bekommt Anschluss“, taz vom 3. 1. 13
In einer Stadt, in der ordentlich bezahlte, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze Mangelware sind, gibt es also nichts Wichtigeres, als im Tiergarten die Eventkultur zu fördern, die eben nicht dazu beiträgt, ebensolche Arbeitsplätze zu schaffen.
Wer wird eigentlich für die Organisation der nun wohl vermehrt auf der Straße des 17. Juni stattfindenden Events zuständig sein?
Wird dies ein privater Veranstalter sein, der im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung ausgewählt wird?
Was haben die Wirtschaftsverwaltung und die nun zuständige Senatorin eigentlich langfristig für Ideen, um sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze zu schaffen, für die kein Abitur und Hochschulstudium verlangt werden?
Des Weiteren frage ich mich, wie sich der Ausbau der notwendigen Zufahrten für Rettungsfahrzeuge mit dem Denkmalschutz im Tiergarten verträgt? Jürgen, taz.de
Froh über Straßensperrung
■ betr.: „Es gibt genug Platz zum Feiern“, taz.de vom 2. 1. 13
ich bin ganz froh, dass die straße des 17. juni 17 wochen im jahr für den autoverkehr geschlossen wird.
vielleicht kommt dann auch noch mal jemand im senat drauf, dass man die strecke für den autoverkehr, ganze drei spuren, eigentlich so nicht braucht, und man am brandenburger tor sowieso nicht großartig weiterkommt.
und dann, so meine hoffnung, wird mal eine zukünftige regierung bemerken, dass man hier echt mal eine moderne und umweltverträglichere verkehrsplanung anschieben könnte. wär doch was. the real günni, taz.de