Raucher-Airline: "Das wird keine Rauchbombe"

Alexander W. Schoppmann hat aus zwei Todsünden eine Geschäftsidee entwickelt: Mit Smokers International Airways will er Interkontinentalflüge für Raucher anbieten.

"Feuer für die flotte Biene?" - Dialog in einem Raucherflugzeug 1965 Bild: DPA

"Das wird keine Rauchbombe"

Der Unternehmer: Alexander W. Schoppmann will in Deutschland die Smint-Gruppe aufziehen: Raucherflüge, Raucherzüge, Raucherclubs. Schoppmann wurde vor 55 Jahren in Düsseldorf geboren, mit 15 fing er das Rauchen an. Er wurde Börsenmakler an der Wall Street. Schoppmann sagt, ein Investor wolle 80 Millionen Euro in sein Projekt stecken.

Die Flüge: Ende Oktober will Schoppmann luxuriöse Raucherjumbos von Düsseldorf nach Tokio und weiter nach Schanghai schicken. Mit dem Luftfahrtbundesamt hatte er allerdings nur telefonischen Kontakt, wie eine Behördensprecherin sagt: "Smintair hat bisher keinen schriftlichen Antrag auf Erteilung einer Betriebsgenehmigung als deutsches Luftfahrtunternehmen gestellt." Mit dem Flughafen ist nichts Konkretes vereinbart: "Bisher hat es lediglich unverbindliche Gespräche zwischen uns und Herrn Schoppmann gegeben", teilt eine Flughafensprecherin auf taz-Anfrage mit.

Alexander W. Schoppmann hat aus zwei Todsünden eine Geschäftsidee entwickelt: Mit seiner Firma Smokers International Airways will er Interkontinentalflüge für Raucher anbieten. Und nicht nur das: Bald sollen zwischen Hamburg und München Raucherzüge pendeln

INTERVIEW GEORG LÖWISCH

taz: Herr Schoppmann, haben Sie sich von dem Rückschlag schon erholt?

Alexander W. Schoppmann: Es gibt keinen Rückschlag.

Aber die Bundesregierung hat beschlossen, Rauchen im Flugzeug gesetzlich zu verbieten.

Das ist genauso, als würde sie verbieten, dass Kühe Flügel haben. Denn im Flugzeug wird sowieso nicht geraucht.

Aber Sie wollen Raucherflüge einrichten. Was wird jetzt aus Smokers International Airways?

Wir haben das natürlich vorausgesehen. Das Verbot wird Smintair nicht am Boden halten.

Nein?

Das Rauchverbot für öffentliche Verkehrsmittel gilt nur im deutschen Luftraum. Außerdem werden wir nur Clubreisen veranstalten, keinen öffentlichen Personenverkehr. Wer bei uns einen Flug bucht, wird automatisch Mitglied in unserem Club und bekommt die Smintcard, die auch gleichsam als Discontkarte dient. Wir legen auch gerade eine Smintcard auf, eine Kredit-Debit und Prepaid-Karte in Verbindung mit Mastercard, die Sie voraussichtlich ab Ende des nächsten Monats in Nordrhein-Westfalen an jeder Ecke bekommen werden. Sie dient auch als Clubkarte für alle Gastronomiebetriebe, die sich uns anschließen.

Was, wenn Smintair mit dem Club-Konzept nicht durchkommt?

Wie gesagt, wenn wir erst den deutschen Luftraum verlassen, gilt eh: Feuer frei.

Den Start Ihrer Fluglinie von Düsseldorf nach Tokio und Schanghai haben Sie schon mehrmals verschoben. Werden Sie überhaupt je abheben?

Ja, die Verschiebung hatten wir, weil die Flugzeuge nicht gekommen sind. Fluggesellschaften, die den A 380 bestellt hatten, wollten uns ihre Boeing 747 weiterverkaufen. Aber die konnten ja nicht ihre Flugrouten sperren, als Airbus Lieferprobleme hatte.

Und wann kriegen Sie nun die 747?

Die erste Maschine werden wir im Juni haben. Sie kommt von South African Airways.

Sie sind jetzt also startklar?

Wir haben im Moment noch ein kleineres Problem. Der japanische Verkehrsminister ist der Meinung, dass genug Flugzeuge nach Japan fliegen. Sie wollen die Verkehrseinheiten nicht für uns aufstocken. Da sind wir noch in Verhandlungen über die Politik, das heißt über das Bundesverkehrsministerium und den Verkehrsausschuss im Bundestag, sowie auf regionaler Ebene. Ich glaube, das bekommen wir geregelt.

Behandelt Sie die Politik schlechter, weil Sie Raucherflüge anbieten?

Ich glaube, dass das keine Rolle spielt. Asien ist ein wichtiger Handelspartner der Bundesrepublik Deutschland, und an der Erweiterung der Infrastruktur sollte jedem Politiker gelegen sein.

Und wann hebt dann die erste Maschine ab?

Am 28. Oktober 2007.

Wie wird es an Bord aussehen?

Es wird alles ganz anders sein als das, was Sie gewohnt sind. Sie kommen da nicht rein und finden einen Saal mit paar Sitzen drin. Die Jumbos sind ja sehr groß. 108 Business-Class-Sitze und 30 First-Class stünden da ziemlich verloren rum. Wenn wir nicht die Inseln hätten.

Inseln?

Wir haben zwei Inseln, wo Barhocker drumherum sind, wo man sich treffen kann. Dann natürlich in der ersten Etage die Lounge mit Cocktailbar und Duty-Free-Shop. Wir werden genug Platz haben, um einen Laufsteg für Modeschauen einzurichten. Wir werden auch neue Autos vorstellen können. In der Business-Class wird die dominante Farbe Hellblau, die Passagiere werden sich auf hellblauen Ledersitzen entspannen und sich eine Zigarette anzünden. Die First-Class wird ganz weiß.

Dann wird doch der Qualm das weiße Leder versauen.

Völliger Humbug! Die Luft wird besser sein als bei Nichtraucherflügen. Da wird die Luft immer bloß umgewälzt. Wir werden Frischluft von außen zuführen und damit den bestgelüfteten Raum der Welt schaffen.

Was wird ein Flug kosten?

Genau dasselbe wie bei allen anderen großen Carriern.

Sie hatten zu Beginn Ihres Projekts angekündigt, dass Sie auf Sponsoren aus der Tabakindustrie setzen. Hat das geklappt?

Das habe ich nie gesagt. Das ist mir in den Mund gelegt worden. Wir haben mit der Zigarettenindustrie überhaupt keine Verbindung. Allerdings tritt eine Zigarrenmanufaktur als Hauptsponsor auf.

Wer sind Ihre Investoren?

Es ist nur einer.

Wer?

Wir sind keine börsennotierte AG, und da sehe ich keine Veranlassung, den Namen zu nennen.

Wie soll sich das Geschäft mit so wenig Passagieren jemals rechnen?

Durch die Fracht. Wir schleppen ja nicht viele Leute mit, da können wir noch jede Menge Frachtgut beiladen. In der Schifffahrt nennt man das einen Kombifrachter.

Bahnchef Hartmut Mehdorn hat angekündigt, ab September in allen Zügen die Raucherabteile abzuschaffen. Ist das für Sie eine neue Marktlücke?

Wir sind da schon unterwegs. Wir verhandeln mit der Deutschen Bahn über Smintrail.

Smintrail?

Smokers International Railways. Wir werden Züge starten lassen. Zweimal am Tag. Morgens um zehn und abends um zehn von München in Richtung Hamburg und von Hamburg Richtung München.

Ab wann?

Das wird sich noch finden. Wir haben ja erste Gespräche erst Anfang des Monats geführt.

Die Bahn brauchen Sie als Streckennetzbetreiberin?

Natürlich. Wir können keine eigenen Schienen legen.

Sie geben sich mit keinem Rauchverbot zufrieden?

Nein. Das ist ein Drama. Der Gesetzgeber teilt die Bevölkerung in zwei Teile, auf der Grundlage von Lügen und Propaganda. Eine ganz üble Geschichte.

Sie halten Passivrauchen nicht für tödlich?

Natürlich kann einem übel werden. Aber es gibt Studien, die über Jahrzehnte Leute beobachtet und ihre Daten erfasst haben. Kein Mensch auf der Welt ist je gestorben oder krank geworden durchs Passivrauchen.

Mit dieser Meinung stehen Sie ziemlich allein da.

Es ist ein Skandal. Auch diese Zahl, dass in Deutschland im Jahr 3.000 Leute durch Passivrauchen sterben. Das ist ein solcher Humbug.

Es gibt auch den Vergleich, dass so viele Menschen durchs Rauchen sterben, wie wenn jeden Tag ein Jumbojet vom Himmel fiele. Das ist wieder Ihr Business.

Kein seriöser Wissenschaftler sagt doch, dass ein Stoff Krebs auslöst. Sondern, dass er Krebs auslösen könnte. Nehmen Sie Asbest. Da sind Ratten im Tierversuch mit so viel Asbest bombardiert worden, wie es keinem Menschen sein Leben lang passiert.

Sogar Zigarettenkonzerne treten inzwischen für gewisse Rauchverbote ein. Ist Ihnen die Tabaklobby zu schlaff?

Steter Tropfen höhlt den Stein. In den USA haben die Topmanager von Philipp Morris und anderen Unternehmen riesige Zugeständnisse machen müssen. Ich habe Filmaufnahmen gesehen von dem Termin, wo sie sich vor dem US-Senat haben äußern müssen. Wenn sie in deren Augen geblickt haben, sahen sie panische Angst. Wie unter Drogen oder extremen Repressalien.

Zurück zu Ihrer Fluglinie. Welche Reaktionen bekommen Sie?

Manche schreiben: "Hoffentlich heben Sie niemals ab" oder "Wenn man Ihre Flugzeuge abschießen würde, würde es hundert Raucher weniger geben". Die meisten jubeln. Es gibt Leute, die uns Kopien von ihren Sparbüchern geschickt haben. Die haben gesagt: Ich habe nichts in Tokio verloren, aber ich spare auf einen Flug, weil ich den Charme des Fliegens mit einer Zigarette wieder erleben will. Auch Nichtraucher schreiben uns positiv.

Warum das?

Viele Nichtraucher wissen, was passiert, wenn an Bord trotz Verboten geraucht wird. Es gibt gefährliche Zwischenfälle, seit die Rauchverbote eingeführt wurden. Kleine Feuer in den Toiletten oder eine Zigarette kullert zwischen den Sitzreihen durch. Viele Flugzeuge mussten schon notlanden deswegen.

Wann durften Sie eigentlich zum letzten Mal an Bord einer Maschine rauchen?

Anfang der 90er. Ich war damals noch Broker an der Börse und saß in der Concorde von London nach New York. Da war noch alles normal. Sie müssen sich vorstellen, dass früher sogar in Zeppelinen geraucht werden durfte. Nur offenes Feuer war verboten, dafür gab es Zigarettenanzünder wie im Auto.

Wie viel rauchen Sie eigentlich?

So 30 am Tag. Es können auch 40 werden, wenn der Tag 18 Stunden hat.

Welche Marke?

Ich bin kein Markenfreak. Ich rauche, wonach ich mich fühle.

Herr Schoppmann, Raucherkarten, Raucherzüge, Raucherjumbos: Werden sich Ihre großen Vorhaben vielleicht eines Tages als eine einzige große Rauchbombe erweisen?

Ich stoße die Sachen nur an und sie bekommen dann sofort die richtige Eigendynamik. Alle Leute, mit denen ich spreche, sind sehr ernsthaft interessiert, dass es keine Rauchbombe wird. Sondern eine Bombe. Keine Organisation der Welt kümmert sich um den größten Markt der Welt: Raucher.

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