China: Fischer rotten Flussdelphin aus

Forscher vermuten, dass der Jangtse-Süßwasserdelphin ausgestorben ist. Es wäre die erste durch Menschen-Einfluss ausgerottete Walart.

Der letzte Jangtse-Flussdelphin wurde 2002 gesichtet Bild: ap

BERLIN taz Der seltene Jangtse-Flussdelphin ist aller Wahrscheinlichkeit nach ausgestorben. Das meint ein Forscherteam, das im letzten Jahr vergeblich versuchte, ein Exemplar der seltenen Süßwasser-Säuger in seinem natürlichen Lebensraum, dem chinesischen Jangtse-Fluß, zu finden.

Darum schlagen die Forscher nun in einem Papier vor, die Tierart offiziell als "möglicherweise ausgestorben" zu klassifizieren. Das berichtet die Zeitschrift "New Scientist". Schließlich ist der letzte Flussdelphin in Freiheit bereits 2002 gesichtet worden - im selben Jahr, in dem das letzte Exemplar in Gefangenschaft gestorben ist.

Sollte der Jangtse-Flussdelphin tatsächlich ausgestorben sein, wäre er die erste Walart, die durch menschliche Einflüsse ausgerottet wurde. "Anders als in den meisten historischen Fälle, in denen große Tiere ausstarben, ist der Flussdelphin kein Opfer einer aktiven Verfolgung geworden, sondern verschwand zufällig, als ein Resultat von massiven, von Menschen verursachten Umwelteinflüssen", schrieben die Forscher in ihrem Papier. Außerdem wäre die Delphinart die erste große Säugetier-Spezies, die in den vergangenen 50 Jahren augestorben ist.

Unreguliertes Fischen sei der Hauptgrund für das Verschwinden der Tiere gewesen, so die Wissenschaftler weiter. Denn die Hälfte aller in den 70er und 80er Jahren dokumentierten toten Flussdelphine sei in den Netzen von Fischerbooten verendet. Auch der Bau von Dämmen soll den Tieren schwer zu schaffen gemacht haben.

Ihr Aussterben sei eine "schockierende Trägödie", wie Sam Turvey, einer der Forscher der Zoologischen Gesellschaft London, der BBC sagte. Der Yangtse-Flussdelphin habe sich in seiner Entwicklung vor mehr als 20 Millionen Jahren von allen anderen Arten abgespalten, so Turvey weiter. "Jede ausgestorbene Art zeigt, dass wir die volle Verantwortung für unsere Rolle als Beschützer des Planeten warhnehmen müssen."

Dass die Delphine aus den chinesischen Flüssen verschwanden, ist keine überraschende Wendung: Schon seit vielen Jahren galten sie als einer der seltensten und bedrohtesten Säuger weltweit. Nachdem vier Jahre lang kein Exemplar der Tiere mehr gesichtet worden war, machte sich im November und Dezember 2006 ein Forscherteam daran, noch einmal intensiv nach den Tieren zu suchen.

Es sei zwar möglich, dass in ein paar Seitenkanälen des Jantse-Flußes noch ein paar Süßwasserdelphine leben, doch diese Kanäle seien zu klein, um einer größeren Population von Delphinen einen adäquaten Lebensraum zu bieten, sagte Samuel Turvey, von der Londoner Zoologischen Gesellschaft, der an der Expedition beteiligt war.

Das Aussterben des Jangtse-Flussdelphins "reflektiert lediglich die letzte Stufe der ansteigenden ökologischen Zerstörung der Jangtse-Region, einer Region, in der circa zehn Prozent der menschlichen Weltbevölkerung leben", bilanzierten die Forscher.

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