Biosprit rechnet sich nicht: Weltbank warnt vor Agrosprit

Armut bekämpft man nicht mit Biosprit, so eine Analyse der Weltbank. Besser wäre Entwicklungshilfe für Kleinbauern.

Unter verteuerten Lebensmitteln durch Agrosprit leidet vor allem die ärmere Bevölkerung. Bild: dpa

BERLIN taz Die Weltbank warnt vor den Auswirkungen der Agrospritproduktion auf Entwicklungsländer. "Nur wenige Biospritprogramme sind wirtschaftlich tragfähig, aber viele bergen soziale und ökologische Risiken", heißt es im Weltentwicklungsbericht, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Weil Bauern zunehmend für die Sprit- statt für die Nahrungsmittelproduktion anbauen, steigen die Getreidepreise. So ist Mais heute 60 Prozent teurer als noch vor zwei Jahren. Darunter leiden vor allem die ärmsten Verbraucher in Entwicklungsländern. Gleichzeitig können mit Ausnahme von Brasilien nur die wenigsten Entwicklungsländer selbst effizient Agrosprit produzieren, weil sich die Herstellung nur im großen Maßstab und mit teuren Investitionen lohnt.

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul begrüßte die Analyse des Weltentwicklungsberichts. "Das Recht auf Nahrung muss immer Vorrang haben vor der Spritproduktion", sagte sie bei der Vorstellung des Berichts. Eine einzige Tankfüllung für einen Geländewagen kann einen Menschen ein Jahr lang ernähren.

Auch deutsche Entwicklungsorganisationen wie Brot für die Welt oder Germanwatch lobten in einer gemeinsamen Stellungnahme die "kritischen Anmerkungen" zum Agrosprit: "Kleinbauern werden vom derzeitigen Boom aller Voraussicht nach kaum profitieren."

Insgesamt gesehen rückt die Weltbank die bislang stark vernachlässigte Landwirtschaft jedoch in den Mittelpunkt der Entwicklungsagenda. 75 Prozent der Armen der Welt leben in ländlichen Gebieten, die meisten als Bauern. Aber nur vier Prozent der öffentlichen Entwicklungshilfe fließt bislang in die Landwirtschaft. Das soll sich ändern, findet nun auch die Weltbank. "Investitionen in die Landwirtschaft sind viermal wirksamer beim Armutsabbau als Investitionen in andere Bereiche", begründete Vizepräsidentin Katherine Sierra die Neuausrichtung.

Auch die deutschen Entwicklungsorganisationen wollen die Bauern in den armen Ländern stärken. Sie kritisieren jedoch, dass sich die die Weltbank-Empfehlungen weiterhin zu stark am Modell des Nahrungsmittelexports orientieren. "Die Bedeutung lokaler und regionaler Märkte für eine wirkungsvolle Armuts- und Hungerbekämpfung findet viel zu wenig Berücksichtigung." Dabei sei zum Beispiel der afrikanische Binnenmarkt für Nahrungsmittel rund sechsmal größer als die bisherigen landwirtschaftlichen Exporte Afrikas.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de