Ausstand im Weihnachtsgeschäft geplant: Unsichtbarer Streik der Verkäuferinnen

Der Arbeitskampf im Einzelhandel ist kaum wahrnehmbar - dabei geht es hier um drohende Gehaltskürzungen.

Manteltarifvertrag für Schichtzuschläge ersatzlos gekündigt: Demonstrierende Verkäufer Bild: dpa

BERLIN taz Während die Lokführer den Schienenverkehr lahmlegen, läuft ein anderer Streik weitgehend unbemerkt ab: Im Einzelhandel kämpfen VerkäuferInnen nun schon seit Monaten darum, dass die Zuschläge für Spätarbeit erhalten bleiben. "Wir planen Streiks auch im Weihnachtsgeschäft, für das Wochenende zumindest auch am 1. Advent", sagte Cornelia Haaß, Sprecherin der Ver.di-Bundeszentrale, der taz.

Mit den punktuellen Arbeitsniederlegungen im Weihnachtsgeschäft erhofft sich die Gewerkschaft erhöhte Aufmerksamkeit. Bisher nämlich waren die tageweisen Streiks der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten in einzelnen Unternehmen bei den Kunden kaum spürbar. Um die Lücken unter den Beschäftigten auszugleichen, "bestellten die Unternehmen teilweise anderes Personal ein oder griffen auf Zeitarbeitnehmer zurück", erklärte Hubertus Pellengahr, Sprecher im Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE).

Durch die punktuellen Arbeitsniederlegungen protestieren die VerkäuferInnen dagegen, dass der Manteltarifvertrag für die Zuschläge für Spät- und Nachtarbeit von den Arbeitgebern Ende 2006 ersatzlos gekündigt wurde. Ver.di fordert die Wiedereinsetzung der Zuschläge plus Lohnsteigerungen zwischen 4,5 und 6,5 Prozent. Die Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen hingegen, dem Pilotbezirk der Verhandlungen, wollen die Zuschläge nur noch in gekürzter Form zulassen und bieten 1,7 Prozent Lohnsteigerungen an.

Die Ver.di-Tarifkommission Nordrhein-Westfalen entscheide am heutigen Dienstag, ob man die Arbeitgeber zu Verhandlungen aufrufen werde, sagte Lieselotte Hinz, Verhandlungsführerin bei Ver.di Nordrhein-Westfalen, der taz. "Von mehreren tausend Streikenden" bundesweit spricht Haaß. Doch das ist wenig angesichts von 2,7 Millionen ArbeitnehmerInnen im Einzelhandel. Davon sind 70 Prozent Frauen, 60 Prozent ackern nur in Teilzeit. Für die Hälfte der Beschäftigten in der Branche gilt keine tarifliche Bindung.

"Es ist schwieriger geworden, im Einzelhandel einen Arbeitskampf zu organisieren", bedauert Hinz. Ver.di ruft die Gewerkschaftsmitglieder in gut organisierten Betrieben per Brief oder Flugblatt zu stunden- oder tageweisen Arbeitsniederlegungen auf. Wer den Ausstand mitmacht, wird aufgerufen, ins Streiklokal zu kommen.

Die Resonanz ist unterschiedlich. "Manchmal kommen 100 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder, manchmal nur 20 bis 30 Prozent", schildert Hinz. Gestreikt wurde etwa bei den Real-Märkten oder in Warenlagern von Rewe.

Die Gewerkschaft erhoffe sich durch den Arbeitskampf auch "mediale Aufmerksamkeit" für ihre Ziele, vor allem im Weihnachtsgeschäft, glaubt Pellengahr. Schließlich wird in der Frauenbranche schlecht gezahlt. In den unteren Gruppen liegt das Vollzeitgehalt unter 1.500 Euro brutto. Die Streiks könnten Verdi dort populärer machen. "Beschäftigte treten in die Gewerkschaft ein, bedingt durch den Arbeitskampf", berichtet Uwe Busch, Gewerkschaftssekretär für den Handel bei Ver.di Niedersachsen.

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