James Mangolds Westernremake "Todeszug nach Yuma": Dressed to Kill

Mangold hat sich erneut vom Western "3:10 to Yuma" aus dem Jahr 1957 inspirieren lassen und ihn mit Stil modernisiert. Die Kostüme haben Glamrock-Qualität.

Schon wieder ein neuer Western. Ersteht das Genre wieder auf? Bild: verleih sony

Es beginnt mit einem Blutbad: Der berüchtigte Mörder und Outlaw Ben Wade (Russell Crowe) und seine Bande überfallen eine Postkutsche. Kaum einer überlebt. Dan Evans (Christian Bale), ein gesetzestreuer Bürgerkriegsveteran, muss mit seinen beiden Söhnen zusehen, wie Rinder und Pferde im Kugelhagel in Beschlag genommen werden. Weil er seine Familie nicht mehr durchbringen kann, wird Evans später einwilligen, den Gefangenen Wade für 200 Dollar sicher zum Gefängniszug zu bringen. Während der beschwerlichen Reise entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem erfolgreichen Gesetzesbrecher und dem gescheiterten Rancher.

Der Regisseur James Mangold hat sich schon 1997 von diesem Stoff inspirieren lassen, als er in seinem Film "Copland" Silvester Stallone als Sheriff alleine gegen eine ganze Vorstadt korrupter New Yorker Polizisten antreten ließ. Die Vorlage, der Western "3:10 to Yuma", stammt von Delmer Dave und entstand 1957.

Was Mangold bei der Wiederbearbeitung vor allem faszinierte, war - neben Aspekten der Moral, Courage oder Ehre - vor allem die komplexe Beziehung zwischen den beiden Protagonisten (ursprünglich mit Glenn Ford als Ben Wade und Van Heflin in der Rolle von Dan Evans). Das Original erscheint im Vergleich eher kulissenhaft, minimal bis spärlich ausgestattet. Die Handlung wird zeitweise als eher karges Kammerspiel in der Landschaft einfach abgestellt.

Ganz anders das Remake: großartig maßgeschneidert und gekleidet in der rauen, in warmen Tönen gehaltenen Landschaft Arizonas. Dabei sind die Cowboys wirklich dressed to kill: lässiges Leder, apart in Hellgrau und Schwarz, gewagt in Weiß. Dazu rostrotes Wildleder, passend zur vorüberziehenden Rinderherde und den akkurat gestutzten Bartstoppeln. Stil und Style stecken in jeder Pore dieses wunderbaren Films, in dem auch die wenigen Frauen, ob als Barfrau Emmy Nelson (Vanessa Shaw) oder Mutter Alice Evans (Gretchen Mol), nicht nur Dekoration oder Staffage der Handlung sind, sondern sie handeln angenehm unprätentiös und bilden respektable Eckpfeiler des Geschehens.

Die Kostümdesignerin Ariane Phillips, die auch Madonna und Courtney Love einkleidet und Filme wie "Walk the Line" oder "Hedwig & the Angry Inch" ausstattete, entwickelte gemeinsam mit den Schauspielern präzise Modelle. Sie knüpften dabei bewusst eher an Popikonen wie David Bowie und Glamrock als an den üblichen Rock-n-Roll-Western. Zudem benutzte sie besondere Techniken der Alterung, um die Wirkung und den Look von Stoffen und Oberflächen der Filmlandschaft anzupassen sowie Einflüsse des damaligen Lebensstils und die Abnutzung des Materials zu integrieren. Erst durch die Verortung des Materials in der Landschaft bekommt der Filmstoff einen Kontext, bekommen Orte, Passanten und Einwohner eigenes Leben und Geschichte.

Auch die mafiöse Erpressung des Ranchers durch korrupte Landbesitzer, die auf sein Land für den kommenden Eisenbahnbau spekulieren, was ihn in seiner Not erst zur Tat treibt, den gefährlichen Auftrag anzunehmen, wird im Original nicht weiter hinterfragt: "What else could we do?", lautet der Kommentar dazu. Der Regisseur James Mangold füllt seine Geschichte aus, indem er seine Protagonisten auf eine beschwerliche Reise durch das Apachenland und sogar an chinesischen Eisenbahn-Bauarbeitercamps vorbeischickt.

Mangold ist dabei mehr als die Modernisierung des Stoffs gelungen: Er verfolgt unterschiedliche Handlungsstränge und leitet sie subtil und aggressiv zugleich in die Gegenwart um. Geschichten werden neu erfunden, weitererzählt: Aus einem für die Fünfzigerjahre typischen Genre mit Familiendrama und Happyend entsteht ein Vater-Sohn-Konflikt, der prägend wird für den gesamten Verlauf des Films. Sogar in Bezug auf Dans ältesten Sohn William, gespielt vom Jungtalent Logan Lerman: Mit ihm entwickelt sich eine Dreiecksgeschichte der drei Männer. Ben Wade hilft dabei Dan Evans aktiv und souverän, sein Ziel zu erreichen, schützt ihn und opfert sogar seinen besten und chicsten Mann: Charlie Prince (umwerfend: Ben Foster). Wo 1957 die beiden Söhne noch bedingungslos dem Vater gehorchen, ihn unterstützen und nach außen hin verteidigen, setzt Mangold einen romantischen Jungen, der Wildwestromane liest und dem kränkelnden, schwachen Vater so wenig zutraut, dass er selbst eingreift.

"Todeszug nach Yuma" zeichnet ein differenziertes und offenes Porträt von Männerfreundschaften und sieht gut aus - in diesen Höllen-Outfits sowieso.

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