Portrait des Betrogenen Odinga

Reicher Exsozialist und Verlierer

Kenias Oppositionsführer und Wahlverlierer Raila Odinga sieht sich als Mann des Volkes mit sozialistischer Vergangenheit, der eine betrügerische Elite stürzen will

Will sich zum Gegenpräsident ausrufen lassen: Raila Odinga. Bild: ap

NAIROBI taz Schon Raila Odingas Vater Oginga war ein einflussreicher Politiker, und er selbst spielte im Jahr 2002 eine wichtige Rolle beim Sturz des autokratischen Herrschers Daniel arap Mois. Diesmal wollte der Spross einer vermögenden politischen Dynastie aus dem Westen des Landes selbst an der Spitze stehen - und ging wieder einmal leer aus. Bis dahin war er viele Kompromisse eingegangen. Mit dem Präsidenten Moi verbündete er sich kurzzeitig, obwohl der ihn als Regimegegner für neun Jahre ins Gefängnis gesteckt hatte. Mit seinem Nachfolger Mwai Kibaki traf er vor den Wahlen 2002 eine Abmachung, die dieser schon Wochen später brach.

Im Wahlkampf gegen Kibaki profilierte sich Odinga nun als Mann der kleinen Leute. "Der Präsident des Volkes" stand auf seinen Plakaten. Das kam gut an. Weil er reich ist, glaubten viele, dass er nicht die Staatskasse plündern würde. Zudem ermöglichte ihm sein Geld, einen für Kenia beispiellosen Wahlkampf nach US-Machart zu finanzieren. Stets blieb Odinga seinem Ruf als begabtester Populist des Landes treu. Auf Details seiner Pläne ließ er sich nie festnageln.

Odinga hat in Leipzig Deutsch gelernt und Anfang der Siebzigerjahre Maschinenbau in Magdeburg studiert. Einen seiner Söhne taufte er Fidel Castro. Doch dass er die Planwirtschaft einführen würde, glaubt niemand. Anders als sein Vater Oginga Odinga, ein Held der Unabhängigkeit Kenias, der seinen sozialistischen Idealen bis zu seinem Tod 1994 treu blieb.

Odinga wird sich nicht widerstandslos in die Niederlage fügen: Auf einer Versammlung wollte er sich bereits am Montag zum Gegenpräsidenten ausrufen lassen. Die Polizei unterband die Versammlung. Doch Odinga dürfte mit Hilfe der Gerichte und mit Unterstützung seiner Ethnie der Luo auf der Straße für sein Recht weiterkämpfen. Die Hoffnung gibt er nicht auf - auch wenn er bisher stets in der Opposition gelandet ist.

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