Ausrollbare Mobiltelefone: Handy mit Papierdisplay

Forscher einer Philips-Ausgründung haben ein Mini-Mobiltelefon entwickelt, dessen Bildschirm sich aufrollen lässt. Im Sommer soll das Gerät auf den Markt kommen.

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona soll "Readius" vorgeführt werden Bild: dpa

BERLIN taz Schon seit Jahren sorgt so genannte elektronische Tinte, auch E-Ink genannt, in den Wissenschaftsspalten der Zeitungen für Schlagzeilen. Allein, tatsächlich verfügbare Produkte mit dieser auf den ersten Blick durchaus magisch wirkenden Technologie gab es lange Zeit noch nicht auf dem Markt. In den letzten Monaten ändert sich das langsam. So erschienen von Sony ("Reader") und Amazon ("Kindle") erste Massenmarkt-E-Book-Lesegeräte mit einem entsprechenden Bildschirm, dessen Darstellungsqualität an die von bedrucktem Papier erinnert. Polymer Vision, eine Ausgründung des holländischen Elektronikkonzerns Philips, versucht sich nun erstmals an einem Handy mit der Technik: Das Unternehmen will noch in diesem Jahr, vermutlich im Sommer, ein Mobiltelefon mit aufrollbarem E-Ink-Display anbieten.

Größter Vorteil des Gerätes mit dem Namen "Readius" ist dabei seine Kompaktheit und sein mit 115 Gramm sehr geringes Gewicht, Obwohl der Bildschirm mit 5 Zoll deutlich größer ist als etwa der von Apples iPhone (3,5 Zoll), bleibt das Gerät aufgrund seiner Mechanik in der Tasche doch sehr klein. Das äußerst dünne Schwarzweiß-Display wird dank seiner Flexibilität einfach umgeklappt, ähnlich wie man dies von einem Buchdeckel kennt.

Dank seiner Darstellungsqualität soll sich der Readius besonders gut zum Lesen von RSS-Nachrichtenmeldungen aus dem Internet eignen, außerdem werden der Empfang und der Versand von E-Mails nach aktuellen Standards unterstützt. Eine Anzeigefunktion für elektronische Bücher und ein MP3-Spieler sind ebenfalls eingebaut. Im Funkteil arbeitet ein Triband-UMTS-Modul, das auch den Datenempfang mit dem Beschleunigungsverfahren HSDPA anbietet. Neben der Flexibilität und der gestochen scharfen Schrift hat der E-Ink-Bildschirm noch einen weiteren wichtigen Vorteil: Er reduziert den Stromverbrauch des Handys deutlich. Die Batterie wird immer nur dann belastet, wenn sich der Display-Inhalt ändert, die elektronische Tinte leuchtet ansonsten einfach aus sich selbst heraus. So soll man 30 Stunden lang mit einer Akkuladung Nachrichten lesen können.

Karl McGoldrick, Chef von Polymer Vision, glaubt, dass der Readius die Hauptprobleme heutiger Handy-Nutzer löst - vom zu kleinen Bildschirm über die schlechte Ablesbarkeit bei Sonnenlicht bis hin zu kurzatmigen Akkus. Bescheiden ist der Firmenboss dabei allerdings keineswegs: "Readius löst all diese Probleme und ist mehrere Generationen vor allen heute erhältlichen Konkurrenten", meinte er in einem Statement. Auch bei der Bedienung will Polymer Vision neue Maßstäbe setzen - der Readius soll nur über acht Knöpfe verfügen. McGoldrick betont außerdem, dass die Nutzung der elektronischen Tinte dem Umweltschutz dienen könnte. Sind erst einmal Displays auf dem Markt, deren Qualität Bedrucktem entspricht, müsse auch nicht mehr so viel Papier verbraucht werden.

Ganz ohne Nachteile ist die E-Ink-Technologie dann aber doch noch nicht. So dauert der Bildaufbau länger als bei LC-Displays, was der Nutzer mit einem merklichen Flackern beim Neuaufbau jeder Seite bemerkt. Videos sind so beispielsweise nicht möglich, auch Animationen würden ruckeln. Ganz an die Qualität von Bedrucktem kommt der Ansatz sowieso nicht heran - so wirkt der Hintergrund des Bildschirm von Amazons Kindle beispielsweise eher wie dunkleres Recyclingpapier, was den Kontrast und damit den Lesekomfort reduziert. Auch neigen erste E-Ink-Displays zu einem leichten Glänzen, was das Versprechen mit der Ablesbarkeit unter starker Sonneneinstrahlung negiert. All diese Probleme sollen sich aber mit einer neueren Generation der Displays lösen lassen. Sogar an einer Farbvariante arbeiten Forscher bereits, wenn auch bislang nur experimentell.

Genaue Angaben zur Vermarktungsstrategie oder zum Preis des Readius macht Polymer Vision bislang noch nicht. Eine nahezu marktreife Version wird aber im Februar auf der Mobilfunkmesse "Mobile World Congress" in Barcelona gezeigt und soll dort Vermarktungspartnern aus der Netzbetreiberszene vorgeschlagen werden.

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