Grüner Dissident findet neue Heimat

Oswald Metzger wird schwarz

Raus aus den Grünen, rein in die CDU: Metzger will in seiner Heimat Biberach als Abgeordneter kandidieren. Leicht wird das nicht. Denn in der Union gibt es Konkurrenz.

Gegangen und angekommen: Metzger geht zur Union. Bild: ap

Helmut Kohl hat ihn einst gelobt - nun will der Ex-Grüne Oswald Metzger CDU-Politiker werden. "Mein Antrag auf Mitgliedschaft ist heute bei der CDU-Kreisgeschäftsstelle in Biberach eingegangen", teilte der 53-Jährige am Dienstag mit. In seiner Heimat will er für die CDU in den Bundestag einziehen.

Die Aufnahme in die CDU dürfte Formsache sein. Anders sieht es mit der Nominierung als Bundestagskandidat aus: Der Wahlkreis wird zwar frei, weil der bisherige Abgeordnete in den Ruhestand geht. Metzger wird sich aber gegen einige seiner neuen Parteifreunde durchsetzen müssen, die auch nach Berlin wollen. "Er muss ganz schön strampeln", sagte ein CDU-Politiker aus Baden-Württemberg.

Metzger erklärte, in der CDU hätten seine marktwirtschaftlichen Überzeugungen einen viel größeren Resonanzraum als je bei den Grünen. "Gegen den Zeitgeist der Volksbeglückungspolitik, den ein Oskar Lafontaine als Ikone der Linken verkörpert wie kein Zweiter, will ich in der CDU streiten", so Metzger.

Metzger war Ende vergangenen Jahres bei den Grünen ausgetreten. Er hatte 21 Jahre lang der Partei angehört, zuletzt saß er im baden-württembergischen Landtag. Vor dem Bruch mit den Grünen regte er sich über deren Sozialpolitik auf. Viele Grüne wiederum ärgerte seine Kritik an Hartz-IV-Empfängern.

Als haushaltspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag sprach Metzger in den neunziger Jahren erstmals öffentlich über eine schwarz-grüne Koalition. Im Wahlkampf 1998 übernahm Helmut Kohl das Gedankenspiel und lobte in einem Interview neben Joschka Fischer auch Oswald Metzger: "Alle Achtung!"

In Biberach kandidierte Metzger 2005 vergeblich für ein Direktmandat. Immerhin kam er auf für einen Grünen ansehnliche 14 Prozent. Den Wahlkreis im katholischen Oberschwaben holte damals der CDU-Mann Franz Romer mit 52,4 Prozent. Romer, 66 Jahre alt, will nicht mehr antreten, wie sein Büro bestätigte.

Laut CDU-Kreisverband hat mit dem 39-jährigen Christoph Burandt bereits ein Bewerber seine Kandidatur angekündigt. Es gebe jedoch noch weitere Interessenten, sagte der Sprecher des Kreisvorstandes. Metzgers Konkurrent Burandt sagte auf Anfrage, er freue sich auf die demokratische Auseinandersetzung: "Das ist ein nachösterliches Ei, was uns der Herr Metzger da ins Nest gelegt hat."

In den vergangenen Monaten hatte sich Metzger sowohl bei der CDU als auch den Liberalen umgetan. Bei einer FDP-Veranstaltung in Sachsen-Anhalt hatte ihn die stellvertretende Parteichefin Cornelia Pieper umgarnt. Auch die saarländische FDP soll um ihn geworben haben. Dort hätte Metzger vermutlich einen aussichtsreichen Platz auf der Landesliste für die Bundestagswahl aushandeln können.

Dagegen erringt die CDU Baden-Württemberg gewöhnlich fast alle Parlamentssitze über ein Direktmandat. Metzger braucht somit die Nominierung in seiner Heimat. "Ich werde die kommenden Stürme mit Anstand überstehen", erklärte er.

Die Grünen reagierten kühl auf den Wechsel. "Reisende soll man nicht aufhalten", sagte Parteichefin Claudia Roth. Fraktionschefin Renate Künast ergänzte spöttelnd: "Nach Monaten des Mitfieberns und Zitterns bei der Brautschau weiß die Republik endlich Bescheid: Oswald Metzger hat sich entschieden!" So viel Aufmerksamkeit hätte Künast offenbar auch mal gerne.

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